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Falkensee Kinosommer zeigt Frank Röths ersten Streifen „Kolp“
Lokales Havelland Falkensee Kinosommer zeigt Frank Röths ersten Streifen „Kolp“
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10:41 14.08.2019
Schauspieler Frank Röth spielte 1983 die Hauptrolle in dem Film „Kolb", der Sonnabend im Falkenseer Kinosommer läuft. Quelle: Marlies Schnaibel
Falkensee

Die Internationalen Filmfestspiele in Cannes und die Falkenseer Kinosommernacht in einem Atemzug zu nennen – Frank Röth macht es möglich. Am Sonnabend wird im Falkenseer Gutspark der Film „Kolp“ gezeigt.

Diesen Film hatte der Falkenseer Schauspieler Frank Röth vor 35 Jahren selbst produziert. Der Kinofilm erlebte beim Filmfest München seine Uraufführung, lief bei den Filmfestspielen in Cannes in der Reihe „Semaine de la Critique“. Nun also Falkensee.

Aufbruch in München

Hier lebt der Schauspieler Frank Röth seit zehn Jahren. Berufliche Gründe hatten ihn mit seiner Familie hierher in die Nähe zu Berlin geführt. Dafür hatte er München verlassen. Als junger Mann war er aus dem beschaulichen Odenwald in die bayerische Weltstadt gekommen – das war ein großer Umbruch für Frank Röth.

Er ließ das mit dem Veterinärstudium sein und wandte sich dem Film und Theater zu. Um schnell zu merken, wie schwer es ist für junge Leute, Rollen zu bekommen. „Der deutsche Film lag doch Anfang der achtziger Jahre danieder“, erinnert sich der Schauspieler.

Seit Jahren sind Josefine Preuß und Frank Röth ein Tochter-Vater-Gespann in der ZDF-Serie „Lotta“, die auch in Falkensee gedreht wurde. Quelle: Tanja M. Marotzke

Frank Röth selbst hatte ein Drehbuch zu einer Geschichte geschrieben, an die er glaubte. Aber er fand weder Produzenten noch Unterstützung der Filmförderung. Schließlich machte Röth etwas Mutiges, Größenwahnsinniges. „Wenn man jung ist, macht man das“, sagt er, später vielleicht nie wieder.

Aber damals sagte der jungen Mann: Dann mache ich das selbst. Er nahm einen Kredit über 200 000 Mark auf, für den sein Großvater mit einer Hypothek bürgte. Die Schauspieler und Mitwirkenden verzichteten auf Gage.

Clique mit Filmambitionen

„Wir waren damals so eine Clique“, erzählt Frank Röth. Die jungen Leute standen am Anfang ihrer Karriere als Schauspieler. Heiner Lauterbach war eher als Synchronsprecher unterwegs, Ottfried Fischer war Jurastudent mit Kabarett-Erfahrung, Katja Flint hatte auch mal als Modell gearbeitet. Gemeinsam stürzten sie sich in das Filmabenteuer.

Zur Person

Geboren wurde Frank Röth 1959 in Weinheim an der Bergstraße. Er studierte drei Semester Tiermedizin, dann aber Germanistik, Theaterwissenschaften und Geschichte in München, wo er zur Film- und Theaterbranche fand. Er machte eine Ausbildung zum Schnittassistenten und nahm Schauspielunterricht.

Mit 24 Jahren produzierte er den KinofilmKolp“ und übernahm die Hauptrolle. Es folgten Rollen in mehr als 100 nationalen und internationalen Fernseh- und Kinoproduktionen, darunter in der Heimat-Trilogie von Edgar Reitz, im Tatort, in „Der Alte“ oder Soko 5113. In der mehrteiligen ZDF-Reihe „Lotta“ ist er neben Josefine Preuß als deren Filmvater Meinolf Brinkhammer zu sehen.

Auszeichnungen erhielt Frank Röth u.a. für seine Hauptrolle in dem Kurzspielfilm „Gänsehaut“, beim Filmfestival in Locarno gab es den Goldenen Leoparden als bester Nachwuchsfilm. Der Kurzfilm „Outsourcing“ erhielt den renommierten Friedrich-Wilhelm-Murnau-Kurzfilmpreis, auch hier spielte Röth die Hauptrolle.

Besonders gefragt ist Frank Röth als Synchronsprecher, er wirkte in mehr als 1000 Filmen und Serien mit. So als Professor Remus Lupin in den Harry-Potter-Verfilmungen, als François Cluzet in dem französischen Film „Ziemlich beste Freunde“ und als Abraham Lincoln in Steven Spielbergs Lincoln-Film.

Frank Röth hatte das Drehbuch geschrieben zu „Kolp –Schwarzmarkt, Swing und große Träume“. Es fußte auf einer wahren Begebenheit aus dem Odenwald aus dem Jahr 1947, zeigt junge Leute im amerikanisch besetzten Land, wie sie zwischen Schule und Schwarzmarkt ihren Weg in unruhiger Zeit suchen.

Junge Leute in Umbruchzeiten

„Der Film hat etwas Zeitloses“, sagt Frank Röth. Er erzählt von einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruches, in der alte Autoritäten nicht mehr greifen, wo alles möglich scheint. „Es ist ein bisschen wie im Osten nach der Wende“, meint Frank Röth. Jeder musste sich neu zurechtfinden. Wie Hasardeure fordern die jungen Leute im Film die Zeit und das Glück heraus.

Kritik und Preise

Wie Hasardeure hatten sich auch Frank Röth und seine Mitstreiter in das Filmabenteuer gestürzt. Finanziell wurde es kein Erfolg, lange hat Röth für diesen Filmtraum abbezahlen müssen. Der Film fand viele guten Kritiken, ihm wurden aber auch seine Grenzen aufgezeigt. So wurde er von der FSK erst ab 16 Jahren freigegeben.

Kritisiert wurde die sympathische Darstellung des Hauptdarstellers Hans Kolp trotz seiner kriminellen Handlungen. Wie widersprüchlich die Einschätzung des Filmes war, zeigt die Tatsache, dass „Kolp“ 1984 trotzdem mit dem Deutschen Jugendvideopreis ausgezeichnet wurde.

In Falkensee können sich die Besucher bei der Kinosommernacht am Sonnabend ein eigenes Bild machen. Ab 21 Uhr wird der Film im Gutspark gezeigt. Alle Zuschauer können gerne selbst Stühle, Decken und mehr mitbringen. Für das leibliche Wohl sorgt Falkensee Events.

Seit neun Jahren wird im Gutspark von Falkensee im August zu einer Kinosommernacht eingeladen. Diesmal am 17. August. Quelle: Tanja M. Marotzke

Filmgespräch im Museum

Und wer mit dem Schauspieler und Filmproduzenten über den Film sprechen möchte, der ist für Sonntag 15 Uhr zum Filmgespräch mit Frank Röth ins Falkenseer Museum eingeladen. Bei schönem Wetter öffnet dann die Sommerbar unter der Linde hinter dem Museum.

Von Marlies Schnaibel

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