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Falkensee Marianne Graß ist Kundin der Tafel in Falkensee – seit 28 Jahren
Lokales Havelland Falkensee Marianne Graß ist Kundin der Tafel in Falkensee – seit 28 Jahren
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13:00 14.12.2019
Marianne Graß ist seit 28 Jahren Tafel-Kundin. Manchmal findet sie in den Regalen der Möbelbörse noch das passende Kochbuch. Quelle: Vivien Tharun
Falkensee

Geschäftig guckt sie durch die Regale in der Kleiderkammer an der Döberitzer Straße 15. Marianne Graß hilft einem jungen Mann, einen zweiten Schuh zu einem Paar zu finden. „Ich komme mehrmals in der Woche hierher“, sagt Graß. „Wegen der sozialen Kontakte.“

Marianne Graß nutzt selbst seit gut 28 Jahren die Angebote der Tafel, Kleiderkammer und Möbelbörse in Falkensee. Die 78-Jährige hat zwar 46 Jahre lang als Fachangestellte für Backwaren gearbeitet, doch die Rente reicht nicht für alles, was es zum Leben braucht Dazu kommt der Anspruch der selbstbewussten Frau: „Ich möchte mir meine Unabhängigkeit so lange wie möglich erhalten“, sagt sie. Daher sei es für sie wichtig, sich selbst zu versorgen. Unter anderem durch die Tafel.

Morgens nach dem Frühstück mache sie erst den Haushalt, bevor sie sich auf ihr Fahrrad setzt und zur Tafel und der Kleiderkammer fährt. „Außer dienstags, wenn ich Sport habe. Dann komme ich nicht her.“

Dass die Tafel für Marianne Graß zum Alltag gehört, war anfangs nicht abzusehen: „Die ersten Male war es mir sehr peinlich, hierher zu kommen.“ Sie habe immer gedacht, die Leute würden sie komisch angucken: „Aber das tut keiner.“ Marianne Graß rät allen, die Angst vor einem Besuch der Tafel haben, sich zu überwinden: „Es wird irgendwann wie zum Supermarkt zu gehen. Außerdem vereinsamt man nicht.“

Das sei ein weiterer wichtiger Aspekt für Marianne Graß: Dass bei der Tafel und in der Kleiderkammer immer jemand da sei, mit dem ein Plausch möglich ist. „Seit 1989 lebe ich alleine. Bei der Tafel habe ich wieder viele Menschen kennengelernt.“ So könne sie auch einmal ihr Herz ausschütten, wenn sie Sorgen hat, oder hilft Brötchen zu schmieren, wenn eine Veranstaltung ansteht. „Die Unterstützung durch die Menschen hier ist gut. Für Kritik sind alle offen“, sagt sie.

Das Spendenkonto

Wer die MAZ-Weihnachtsaktion unterstützten will, nutze bitte das Konto der Falkenseer Tafel bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse DE29 1605 0000 3812 0062 34. Bitte das Kennwort „Sterntaler“ nicht vergessen.

Alle Spenden fließen in voller Höhe dem Verein der Falkenseer Tafel zu. Falls Sie eine Spendenquittung benötigen, vermerken Sie das bitte beim Überweisen.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der von Armut Betroffenen im Raum Havelland-Fläming gestiegen. Laut Statistik des Paritätischen Wohlfahrtsverbands von 12,5 Prozent der Bevölkerung auf 14 Prozent. Von den Betroffenen sind knapp 30 Prozent Rentner. Ein Viertel der Tafelkunden bundesweit sind Senioren.

Die steigenden Armutszahlen bedrücken Marianne Graß etwas: „Ich hoffe, dass es in Zukunft nicht schlimmer wird“, sagt sie. Traurig findet sie es, wenn Kinder mit leerem Magen in die Schule gehen. „Das muss doch in Deutschland nicht sein“, findet sie. Und während die einen nicht genügend essen, würden landesweit Nahrungsmittel in gutem Zustand weggeschmissen. Das verstehe sie nicht. Nach Angaben der Verbraucherzentrale landen jährlich 18 Millionen Tonnen Nahrung im Wert von 20 Milliarden Euro alleine in Deutschland im Müll. Den größten Teil stellen Obst und Gemüse (38 Prozent), gefolgt von Fertigprodukten und Resten (25 Prozent).

Bei Marianne Graß kommt hauptsächlich Gesundes auf den Tisch: „Fleisch mache ich nur sehr selten für mich. Heute gibt es eine Gemüsepfanne mit Nudeln bei mir.“ Was sie dafür braucht, beispielsweise Zwiebeln und Paprika, holt sie sich bei der Tafel. „Ich koche auch gerne einmal Eintopf oder mache mir einen Obstsalat.“ Und sie teilt gerne: „Ich versorge manchmal noch eine 80-jährige Dame mit. Die kann nicht mehr so.“

Öffnungszeiten: Ausgabetage für Lebensmittel sind bei der Tafel an der Döberitzer Straße 15: Dienstag, Donnerstag und Samstag. Kleiderkammer und Möbelbörse haben montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Von Vivien Tharun

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