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Falkensee Politologe: Auch Nicht-Mitglieder finanzieren die Kirchen
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10:23 23.11.2019
Referent zu Kirchenfinanzen: Carsten Frerk. Quelle: Vivien Tharun
Falkensee

Der Gruppenraum im B84 ist schnell gefüllt. Interessierte Falkenseer sind gekommen, um den Autor und Politologen Carsten Frerk über die Finanzen der beiden Hauptströmungskirchen in Deutschland sprechen zu hören. Eingeladen hat der neue Falkenseer Verein Pro Urknall, der sich für die Trennung von Staat und Kirche einsetzt. Für Frerk ist es der letzte Vortrag, bevor er sich zur Ruhe setzt, sagt er bei der Begrüßung.

„Selbst, wer nicht in der Kirche ist, finanziert sie mit“, sagt Frerk. Die Finanzen seien allgegenwärtig, doch kaum jemand wisse etwas darüber. Kaum jemand wisse auch, dass die Kirchen mit rund zwei Millionen Arbeitnehmern größter Arbeitgeber in Deutschland sind. Ebenso seien sie einer der größten Immobilienbesitzer.

Frerk ist bundesweit ein gefragter Experte, wenn es um dieses Thema geht. Im Fernsehen wurde er interviewt, seine Bücher haben zahlreiche Käufer. In seinem Vortrag schlüsselt er Einnahmen, Vermögen und Steuervorteile der Kirchen auf. Alleine durch Krankenhäuser und weitere Wirtschaftszweige kämen die Kichen zusammen auf „Einnahmen und Umsatz von 50 Milliarden Euro“, sagt Frerk.

In ländlichen Räumen seien kirchliche Träger oft die einzigen, die eine Kita oder eine Schule führen. Eltern hätten dann keine andere Wahl, als ihre Kinder auf eine konfessionelle Schule zu schicken. „36 Prozent der Kitas sind religiös“, sagt Frerk. Sie würden jährlich 3,9 Milliarden Euro kosten, die zu 90 Prozent vom Staat getragen würden.

In seinem Vortrag spricht der Autor auch über die Steuereinnahmen, kirchliche Entwicklungshilfe, Zuwendungen und Investmentfonds. Das ZDF hatte vor einigen Jahren Frerks Zahlen überprüft und kam zu dem selben Ergebnis.

Die Zuhörer im B84 hören aufmerksam zu und hinterfragen die Aussagen Frerks. Eine Dame stellt Frerks Aussagen über die Caritas und Diakonie andere Wohlfahrtsverbände wie die Awo oder den ASB entgegen. Der Politologe betont, dass es nicht darum ginge, die Kirchen schlecht zu machen, sondern lediglich die Finanzen offenzulegen.

Er spricht nicht ab, dass andere Verbände sich auf ähnliche Weise finanzierten. Aus der anschließenden Diskussion mit dem Publikum ergibt sich spontan etwas Neues: Carsten Frerk will diesen Vortrag doch nicht zu seinem letzten machen und sagt „einfach aus Freude“ für weitere Veranstaltungen des Vereins zu.

Der Politologe und empirische Sozialforscher Carsten Frerk wurde durch kirchen- und religionskritische Werke wie sein „Violettbuch Kirchenfinanzen" bekannt. Im Mittelpunkt seiner Werke stehen finanzielle Verflechtungen von Staat und den beiden Amtskirchen in Deutschland. Bis 2013 war er Chefredakteur des Humanistischen Pressedienstes.

Aktuell ist er Leiter der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland und Mitglied im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung.

Von Vivien Tharun

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