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Falkensee Schaf-Halteverbot führt zu heißer Debatte bei Facebook
Lokales Havelland Falkensee Schaf-Halteverbot führt zu heißer Debatte bei Facebook
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14:39 04.02.2019
Die Bretonischen Zwergschafe sind von Amts wegen in Waldheim unerwünscht. Quelle: Marlies Schnaibel
Falkensee

Das hat Sören Jedwillat so richtig auf die Palme gebracht. Der Falkenseer Tierarzt konnte den MAZ-Beitrag „Nachbarn wollen natürliche Rasenmäher nicht dulden – Landkreis verbietet die Haltung von Zwergschafen in Waldheim“ nicht unkommentiert lassen.

„Da hat doch der Amtsschimmel mal wieder vor die Apotheke gekotzt“, meint er ziemlich drastisch. Familie Ziegler in Waldheim hält drei Zwergschafe auf ihrem Grundstück am Waldrand, nun wurde ihr das von Amtswegen untersagt. Nachbarn hatten die Familie angezeigt, wegen Lärm- und Geruchsbelästigung. Der Landkreis fand jedoch einen anderen Verbotsgrund: Schafe fallen unter die Kategorie Großtiere und dürfen in allgemeinen Wohngebieten nicht gehalten werden.

Jahrelang ging es gut, aber dann wurde eine Falkenseerin von ihrem Nachbarn angezeigt: Ihre Schafe würden zu viel...

Gepostet von MAZ Havelland am Montag, 28. Januar 2019

Das sieht Sören Jedwillat anders: „Ein Zwergschaf ist kein Großtier, sondern ein landwirtschaftliches Nutztier und als solches Teil einer Großvieheinheit.“ Die Großvieheinheit ist der Umrechnungsschlüssel zum Vergleich verschiedener Nutztiere aufgrund ihres Lebendgewichtes. Und danach ist ein Rind eine Großvieheinheit, ein großes Schaf zählt als 0,1 Großvieheinheit. Die Maßeinheit erfasst sogar Legehennen, danach sind 320 Legehennen rechnerisch eine Großvieheinheit.

Und die Schafe von Waldheim? „Bretonische Zwergschafe stammen von der französischen Atlantikinsel Ille d ouessant, es ist die kleinste Schafrasse überhaupt, sie sind sehr genügsam und ideale Landschaftspfleger“, sagt Jedwillat. Aus seiner Sicht sind nicht die Schafe das Problem, sondern die Tierhasser.

„Eine erhebliche Belästigung und Beeinträchtigung jeglicher Lebensqualität stellt dagegen die Gentrifizierung von Falkensee, einer ehemals grünen Gartenstadt, dar. Da wird die seit vielen Jahrzehnten ausgeübte Nutztierhaltung der Kleinsiedler verboten, da werden schöne alte Gärten plattgemacht und dafür verpilzte Thujahecken gepflanzt und zu guter Letzt wird noch ein brutaler Chemiekrieg gegen jede Ameise, jede Schnecke, jeden Käfer und jede Biene geführt. Die Artenvielfalt und Anzahl der Singvögel hat sich drastisch vermindert“, beklagt er und fragt sich und anderen. „Wollen wir so leben?“

Offensichtlich nicht, wenn man die Debatte auf der Facebook-Seite der MAZ Havelland verfolgt.

„Ich wusste gar nicht, dass wir Schafe hier haben. Einen Hahn höre ich manchmal. Bin gespannt, wann Frösche verboten werden“, schreibt Diane Schwitalla. „Echt traurig“, meint Carmen Rosin. Gackernde Hühner und krähende Hähne hat auch Michael Wolf in seiner direkten Nachbarschaft: „Ich finde dies nicht störend, hat was vom ländlichen Flair. Und schließlich leben wir in einer Gartenstadt, wo auch Kleintiere wie solche Zwergschafe dazugehören.“ Aber: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben...“, meint Uwe Abel.

Kommentare der MAZ-Leser auf Facebook

Carmen Rosin: „Echt traurig und absolut nicht nachvollziehbar!“

Marc Sidd Sittler: „Die menschliche Gemeinheit kennt keine Grenzen.“

Cordula Kalusa: „Wenn sie artgerecht in einer kleinen Gruppe gehalten werden, verstehe ich den Nachbarn nicht.“

Reiner Grossert: „Wahrscheinlich ein dazu gezogener Wessi-Stadtpenner.“

Birgit Zart: „Wie wäre es denn mit einer Petition?“

Das Ganze ist traurig, schreibt Claudia Kahnt: „Es würde mir das Herz brechen als Halter. Ist da noch dran zu rütteln? Wenn ja, wie kann man helfen?“

Auf diese Frage hat Tierhalterin Birgit Ziegler auch noch keine rechte Antwort erhalten. Sie will die Tiere auf keinen Fall zum Schlachthof bringen, sondern zur Not in andere Hände geben. „Nach dem Zeitungsartikel haben uns viele angesprochen“, sagt sie, „der Tierschutz aus Oberhavel würde die Tiere übernehmen.“ Aber noch hofft sie, eine Waldheimer Lösung zu finden. Dazu hatte sie sich an alle Abgeordneten der Falkenseer Stadtverordnetenversammlung gewandt.

Zumindest Gerd Gunkel von der Fraktion der Grünen hat sich damit befasst: „Das ist eine schwierige Frage. Für mich eine Zwickmühle: Einerseits hat Frau Ziegler emotional meine ganze Unterstützung auf ihrer Seite, andererseits hat sich bei uns die Erkenntnis durchgesetzt, dass sie gegenwärtig die Rechtslage gegen sich hat.“ Ob sich daran per Falkenseer Satzung etwas ändern lässt, ist nicht so schnell auszumachen. Es wäre ein längerer Weg, wobei es nicht nur um den Einzelfall der drei Schafe in Waldheim geht, sondern generell darum, welche Tiere wie wo zu halten sind.

Von Marlies Schnaibel

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