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Falkensee Symposium von Bildhauern auf der Zitadelle
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20:24 06.10.2019
Wladimir Rudolf mit dem Windspiel "IPlane", auf der Zitadelle Spandau, entstanden während des Bildhauer-Symposiums. Quelle: Hans-Peter Theurich
Spandau

Wie feiert man in Spandau 60 Jahre Partnerschaft mit sechs Städten? Mit einem Bildhauer-Symposium. Die Berliner Künstlerin Danit, selbst mit einem Werk beteiligt, übernahm die künstlerische Leitung und die Organisation. Sie trug diese Bürde mit schwungvoller Gelassenheit.

Arbeit auf der Zitadelle

14 Tage lebten und arbeiteten sechs Künstler gemeinsam auf der Zitadelle: Die Siegenerin Renate Hahn, DanièleTaulin-Hommel aus dem französischen Asnières sur Seine, Guido von Martens betreibt in Brieselang den Märkischen Künstlerhof, Wladimir Rudolf ist gebürtiger Kasache und lebt heute in Faßberg, Vladimir Seryakov aus Wolgograd sowie Danit als Gastgeberin mit einem Atelier in Staaken.

Der Schuld der Möbel

Renate Hahn nennt sich „Tochter aus einer Täter-Familie“ und stellt sich selbst ins Zentrum ihrer Arbeit: Eine Video-Installation mit dem Titel „Mahnung“. Sie erbte einen äußerlich harmlosen Schreibtisch plus Stuhl ihres Großvaters, der in den Dreißiger Jahren Bürgermeister von Neue Schleuse war, heute Stadtteil von Rathenow. Die Möbel aus Wehrmachtsbeständen mit Hakenkreuz hat die Künstlerin mit den Namen deportierter Juden versehen. Das Ensemble steht in der Ausstellung auf der Bastion Brandenburg, im ehemaligen Heeresgasschutzlaboratorium der Nationalsozialisten. Asche auf dem Tisch symbolisiert Vernichtung. Renate Hahn drehte dazu ein Video ihrer Performance mit einem Rock aus alten Säcken und Gasmaske. In ihrem Werktagebuch steht der Satz: „Ich springe und weiß nicht wohin.“

Offene Atmosphäre

Die Fotografin Daniéle Taulin-Hommel aus Asnières sur Seine widmet ihre Bilder dem Thema Solidarität. Das Bildhauer-Symposium begleitete sie und dokumentierte dabei die offene Arbeitsatmosphäre der sechs Künstler.

Kleine Figuren in großem Oval

Guido von Martens, bestens bekannt als Porzellan-Künstler, setzte eine seiner kleinen, charmanten Figuren in einen großen Metallreifen auf eine Diagonale. Außerdem erinnern schmale hochaufragende Figuren mit venezianischen Karnevalsmasken an den italienischen Künstler Giacometti.

Wladimir Rudolfs knallbunte, fröhliche Figuren stehen auf gedrungenen Pfählen. „Eigentlich sollten die Stäbe sechs Meter hoch sein. Aber das hat man mir hier verboten“, bedauert der Künstler aus Faßberg. Das ist sehr schade. Erst in luftiger Höhe entwickelt das Werk seine anmutige Leichtigkeit als Windspiel. Es ist ihm zu wünschen, dass es einen geeigneteren Ort, vielleicht an einem Meeresufer, findet.

Klassisches Relief

Vladimir Seryakov gestaltete ein klassisches Relief. Es zeigt die Namen der beiden Städte Wolgograd und Spandau. Mit einem Luftsprung verbindet ein Mädchen mit wehenden Haaren die Orte.

Die künstlerische Leiterin Danit beteiligte sich mit einer Skulptur aus Dolomit, ein grüner, harter Stein. Eine weibliche Figur, teilweise expressiv angedeutet, befindet sich in einer komplizierten Sprungbewegung, umgeben von einer langen, rostigen Metallspirale. „Ich springe durch alle Ringe“, ist der Titel.

Versteckte Ausstellung

Die Ausstellung soll durch die Städte der beteiligten Künstler wandern. Für die kommenden Jahre plant Danit eine Wiederholung des Symposiums. Dann ist ihr mehr Unterstützung des Bezirks zu wünschen, denn nicht einmal Hinweisschilder führten die Besucher auf die Bastion Brandenburg. Mancher der Gäste irrte über die Festung und wunderte sich über das Chaos. So konnte sich auch niemand als Spontan-Besucher vom gleichzeitigen Gauklerfest auf der Zitadelle in die Eröffnung der Ausstellung verlaufen.

„Es ist geplant, mit Wolgograd und Faßberg Partnerschaftsverträge im nächsten Jahr zu unterzeichnen“, sagte Christian Hass (SPD), Vorsitzender des Spandauer Partnerschaftsvereins. Er besuchte die Eröffnung zusammen mit Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) und Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU).

 Die Ausstellung ist bis zum 8. November in der Spandauer Zitadelle, Bastion Brandenburg zu sehen. Geöffnet Fr bis Mi 10–17, Do 1 –20 Uhr.

Von Judith Meisner

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