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Falkensee Über das Leben im Internierungslager Ruhleben
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08:16 11.05.2018
Ein Blick ins Lager: mit sportlichen Wettkämpfen vertrieben sich die Gefangenen in Ruhleben die Zeit. Quelle: Hans-Peter Theurich
Spandau

Tausende britische Zivilisten waren während des Ersten Weltkriegs in einem Internierungslager auf der Trabrennbahn in Ruhleben untergebracht. Unter welchen Bedingungen sie dort lebten zeit nun die Ausstellung „Nachbarn hinter Stacheldraht - das Engländerlager Ruhleben und Kriegsgefangenschaft 1914 bis 1921“ auf der Zitadelle Spandau.

Die einzelnen Abteilungen, der von der Leiterin des stadtgeschichtlichen Museums Urte Evert kuratierten Schau, sind in Drahtkäfige gegliedert. Ähnlich waren Tausende Briten auf dem Gelände eingezäunt. Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort – nämlich bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 als Zivilisten im Deutschen Reich. Die Internierungslager dieser Zeit gelten als Prototypen für alle zukünftigen Lager

Blick über den Ersten Weltkrieg hinaus

Aktualität bekommt das Thema dieser Tage, wenn über Anker-Zentren für jeweils 1000 bis 1500 Flüchtlinge gesprochen wird. Die Ausstellungsmacher weiten daher den Blick über den Ersten Weltkrieg hinaus. Eine Installation schlägt die Brücke zur Gegenwart: Der deutsch-schweizerische Architekt und Künstler Michael Stoll arbeitet seit Jahren zum Thema Flucht. „Solche Interventionen gehören zum neuen Programm. Wir möchten Geschichte und Kunst miteinander verbinden“, sagte der Kulturamtsleiter Ralf Hartmann.

Lagerzeitung mit Karikaturen

Einen Eindruck vom kulturellen Leben im Lager vermittelte der Kammerchor der Spandauer Musikschule bei der Vernissage: Er sang den „Ruhleben Song“ auf Englisch und „Die Ruhlebener Loreley“ auf Deutsch. Im Lager gab es jeden Sonntag ein Konzert, jeden Mittwoch Theateraufführungen. Die britischen Gefangenen aus der Oberschicht spielten Tennis oder vertrieben sich die Zeit mit Fechten. Eine Lagerzeitung erschien mit satirischen Karikaturen. Wer wollte, konnte Kurse über bildende Kunst besuchen. Sehr beliebt waren Ausstellungen und deren Kataloge als spätere Erinnerung an die Zeit im Lager.

200 Mann schliefen in einem Raum

All das geschah vor dem Hintergrund unerträglicher Isolation. Das führte zur sogenannten „Stacheldraht-Krankheit“ mit Depressionen, Neurosen bis hin zur Demenz. Die Hygiene war völlig unzureichend. Erst im Herbst 1915 entstand an Stelle von Latrinen ein Waschhaus. Schwere Erkältungen führten bis zum Tod. Auch die Ernährung war miserabel: Kaffee aus gemahlenen Eicheln, dünne Gemüsesuppe und das für Engländer schwer erträgliche Schwarzbrot, so genanntes „War bread“ (Kriegsbrot), machte die tägliche Ration aus. Pakete von den Familien aus der Heimat waren wochenlang unterwegs, so dass die Lebensmittel darin verdorben ankamen. Massenhafter Durchfall war die Folge.

Die Internierten wohnten menschenunwürdig in Pferdeboxen. 200 Mann schliefen in einem Raum. In der Ausstellung ist ein Bett nachgebaut, man darf sich reinlegen und zur Probe liegen. Wie Sardinen in einer Büchse lagen die Insassen, es war nicht möglich, einen Arm zu bewegen.

Ruhleben steht für ein Phänomen, bis heute: Die systematische Massen-Internierung auf der einen Seite und der Kampf um Menschenwürde auf der anderen.

Von Judith Meisner

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