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Falkensee Nach den Anschlägen: Sozial engagierter Falkenseer bangt mit Sri Lanka
Lokales Havelland Falkensee Nach den Anschlägen: Sozial engagierter Falkenseer bangt mit Sri Lanka
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08:42 04.05.2019
Erst im April reisten Volkmar Ziesemer und Krystyna Kliendt zu ihrer Schule nach Sri Lanka.
Erst im April reisten Volkmar Ziesemer und Krystyna Kliendt zu ihrer Schule nach Sri Lanka. Quelle: privat
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Staaken/Falkensee

Fast zwei Wochen nach der Tat können Volkmar Ziesemer und seine Frau noch immer nicht glauben, was in Sri Lanka passiert ist.

„Wir saßen beide vor dem Fernseher und haben geweint, als wir die Nachrichtenbilder gesehen haben“, erzählt Volkmar Ziesemer. Das Paar reist bereits seit 20 Jahren auf die Insel im Indischen Ozean, um sich vor Ort sozial zu engagieren. Inzwischen wird er dort schon „der weiße Opa“ genannt.

Am Ostersonntag kamen bei einer Anschlagserie auf der Urlaubsinsel über 300 Menschen ums Leben.

Das Paar besuchte das Hotel in dem später ein Anschlag verübt wurde

„Eine Woche vor den Anschlägen waren wir selbst im Hotel Shangri-La in der Hauptstadt Colombo, in dem eine der Bomben detonierte“, so Ziesemer. Es war das Hotel, in dem auch der dänische Milliardär Anders Holch Povlsen wohnte, der bei dem Anschlag drei seiner vier Kinder verlor.

Üblicherweise hält sich das deutsche Paar eher in Aluthgama auf, einem kleinen Ort an der Westküste, wo sie in den vergangenen Jahren zwei Schulen und einen Kindergarten aufgebaut haben und die Einrichtungen seither unterstützen.

„Wir wollten uns aber unbedingt mal wieder die Hauptstadt ansehen, um zu schauen, was sich in den vergangenen Jahren alles verändert hat“, erinnert sich Volkmar Ziesemer. Dass ausgerechnet ihr Sri Lanka, in dem sie mittlerweile viele Freunde gefunden haben, Ziel von Anschlägen wurde, lässt Volkmar Ziesemer und Krystyna Kliendt fassungslos zurück.

Einheimische leben vom Tourismus

„Wir sind schon nach Sri Lanka gereist, als dort noch der Bürgerkrieg herrschte, dann kam 2004 der verheerende Tsunami und nun die Anschläge“, sagt Ziesemer, der es noch immer nicht glauben kann.

So habe es fast zehn Jahre gedauert, bis sich das Land von der Naturkatastrophe erholt habe. Der Tourismus ist wieder gewachsen und die Insel hat sich zu einem beliebten Urlaubsziel entwickelt. Dementsprechend ist es vor allem der Tourismus, von dem die Menschen vor Ort leben.

„Und das ist jetzt alles wieder weg“, sagt Volkmar Ziesemer. Das deutsche Paar ist mit einem einheimischen Reiseführer eng befreundet, halfen ihm sogar bei der Finanzierung eines neuen Tuk-Tuk, mit dem er die Touristen über die Insel fahren kann. Nach den Anschlägen steht nun auch dessen Existenz auf dem Spiel.

Volkmar Ziesemer will so schnell wie möglich wieder nach Sri Lanka

„Deshalb ist es gerade jetzt wichtig, weiter in dieses Land zu fahren. Wenn wir es nicht tun, haben die Terroristen ihr Ziel erreicht und Sri Lanka zerstört“, so Ziesemer. Der 81-Jährige würde am liebsten direkt wieder nach Sri Lanka fliegen, um vor Ort zu helfen.

Derzeit schränkt ihn jedoch eine Fußverletzung ein, die er sich bei seinem jüngsten Besuch zugezogen hat. „Ich werde trotzdem so schnell wie möglich wieder dort hinfliegen, die Menschen haben es einfach verdient.“

Das Paar engagiert sich seit 20 Jahren vor Ort

Im Jahr 1999 reiste das Paar erstmals nach Sri Lanka. Seither besuchen sie die Insel jedes Jahr, um sich um die Schule und den Kindergarten zu kümmern und die Spenden zu übergeben, die sie von Freunden, Bekannten und vielen hilfsbereiten Menschen erhalten.

„In diesem Jahr haben wir die Möbel der Schule wieder gestrichen und den Boden erneuert“, so Ziesemer. Zudem können sich die Kinder nun über einen zweiten Ventilator freuen, der ihnen das Lernen in der Hitze etwas erleichtern soll.

Wer Volkmar Ziesemer und Krystyna Kliendt unterstützen möchte, kann sich per E-Mail unter volkmar.ziesemer@almstaedt-web.de melden.

Von Danilo Hafer