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Falkensee Zehn Jahre Oberschule: Schuldirektorin zieht Bilanz
Lokales Havelland Falkensee Zehn Jahre Oberschule: Schuldirektorin zieht Bilanz
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18:15 24.05.2019
Zum großen bunten Programm des Sommerfestes gehörte auch der Stationen-Parcours mit 20 Fragen rund um die Oberschule.
Zum großen bunten Programm des Sommerfestes gehörte auch der Stationen-Parcours mit 20 Fragen rund um die Oberschule. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Falkensee

„Ich habe nie gedacht, dass wir zehn Jahre alt werden“, sagt die Schuldirektorin der Oberschule Falkensee Kerstin Bachmann. Drei Schulen leitete sie in den letzten 25 Jahren in dem Gebäude am Poetenweg. Zum zehnjährigen Bestehen der Oberschule Falkensee zieht sie Bilanz und lädt zur Feier am Freitag ein.

„Erst waren wir eine Gesamtschule, dann sind wir zur Oberschule umgewandelt und geschlossen worden. Dann wurden wir zusammengelegt“, erklärt Kerstin Bachmann die Nachwendegeschichte der Schule, die 1983 als Polytechnische Oberschule „Erich Weinert“ errichtet worden war.

Bessere Arbeitsbedingungen

Verändert hat sich aber dennoch viel. Einst hieß die Oberschule Falkensee Erich-Weinert-Gesamtschule. Der Zustand des Gebäudes wurde über die Jahre schlechter. Wenn Lkw über das Kopfsteinpflaster des Poetenweg donnerten, bröckelte es von den Klassenzimmerdecken. Auch ihr Ruf war in Falkensee nicht der beste. Immer wieder gab es Gerüchte über chaotische Schüler. „Den Ruf machen wir nicht, der entsteht“, sagt Kerstin Bachmann.

Archivbilder der Oberschule Falkensee am Poetenweg. Quelle: Oberschule Falkensee

Ab 2009 ändert sich alles. Die Schule wurde komplett saniert. „Die Rekonstruktion der Schule ist einmalig“, schwärmt Bachmann. Die ursprüngliche DDR-Schultyp „Erfurt“ wurde beibehalten. Die Flure, die die einzelnen Gebäude verbinden, würden die Räume heller und größer machen. Auch Vorbereitungsräume für Lehrer und Materialien hätte es vor der Sanierung nicht gegeben. Diese sind nun auch ohne Umwege zu erreichen.

Besseres Lehrer-Schüler-Verhältnis

Im vergangenen Jahrzehnt haben 22 Lehrer die Schule verlassen. Bis 2020 werden es 26 sein. Dennoch ist das Lehrerzimmer im Verhältnis gewachsen. Die fehlenden Lehrer konnten ersetzt werden, während die Schülerjahrgänge aktuell zurückgehen. 356 Schüler besuchen in diesem Jahr die Oberschule.

Schuldirektorin Kerstin Bachmann hat in 25 Jahren schon drei Schulen im Poetenweg kennengelernt. Sie zieht zu den letzten zehn Jahren Bilanz. Quelle: Jan Russezki

„Inhaltlich machen wir seit dem Neustart nichts anderes als zuvor“, sagt die Schuldirektorin. Damals wurde die Schule mit der Friedrich-Engels-Oberschule zusammengelegt und das Beste der jeweiligen Schulen in das neue Konzept eingebunden. „Die Engels hatte gute Partner fürs Bewerbungstraining, die wir übernommen haben. Wir hatten dafür die Handwerkskammer und die Jahrgangsstufenteams“, erklärt sie.

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Mit den neuen Kollegen sollen auch neue Ideen in den Schulalltag einfließen. „Ich mache den Job seit 30 Jahren und habe Grenzen im Kopf, die die neuen Kollegen lösen“, gibt Kerstin Bachmann zu. Im neuen Schuljahr wird deswegen das gemeinsame Lernen eingeführt. Zudem werden die Lehrer von einer pädagogischen Hilfskraft unterstützt. Sie wird nicht selbst unterrichten, sondern die Schülergruppen im und außerhalb des Unterrichts begleiten.

Schüler müssen Eigenständig werden

Und das brauchen die Schüler auch: „Was die Eigenständigkeit angeht, sind die Schüler über die Jahre schwächer geworden“, meint Kerstin Bachmann. Sie seien nicht fauler oder fleißiger, sondern daran gewöhnt, dass ihnen Leistung gebracht werde statt selbst Leistung zu bringen, erklärt sie. Das beginne bei den eigenständigen Anfahrt von der Schule zu Falkenseer Exkursionen, die von Eltern übernommen werde und ende mit fehlenden Hausarbeiten und Unaufmerksamkeit im Unterricht. „Damals waren es Einzelfälle, heute ist es die Masse“, schließt Bachmann ihr Fazit.

„Die Schüler müssen lernen, ihre Konflikte ohne Eltern zu lösen“, fordert Bachmann. Dafür hat sie den Lions Quest in ihrer Schule eingeführt: eine unbenotete Stunde für die Förderung der Sozialkompetenz. Manche hätten auch einfach private Probleme, weswegen sie schlecht lernen würden. Dafür wünscht sich die Schule eine Schulsozialberater als Anlaufpartner für die Schüler.

Es ist für jeden alles möglich

818 Schüler haben in den zehn Jahren einen Abschluss an der Oberschule Falkensee gemacht. Der Anteil der Besten mit einer Empfehlung für das Abitur sei dabei von 20 auf 33 Prozent gestiegen. „Die Ansprüche sind leider niedriger geworden“, erklärt Kerstin Bachmann. „Aber zum Ende hin entwickeln sich viele doch gut.“

Jubiläumsfeier: Zehn Jahre Oberschule Falkensee

Die Oberschule Falkensee lädt am 24. Mai ab 16 Uhr alle Interessierten zur Jubiläumsfeier auf das Schulgelände.

Das Programm wird von allen Klassen gestaltet und umfasst Mitmachaktionen, eine Tombola, Musik sowie ein Buffet. Schüler zeigen Ausschnitte aus Theaterstücken und Tanzperformances.

Abschluss und Höhepunkt der Feier bildet um 19.30 Uhr eine Holi-Farben-Aktion. Dabei wird in indischer Tradition buntes Farbpulver in die Luft geworfen.

Ihr persönlicher Höhepunkt des letzten Jahres beweist, dass es auch anders geht. „Eine meiner Schülerinnen hat einen 1,0 Notenschnitt geschafft“, sagt die Mathelehrerin. Und: „Ich hatte Gänsehaut beim Kontrollieren der Mathearbeit.“

Das zeige ihr, dass der Unterrichtsstoff verständlich sei. „Es ist für jeden alles möglich, man muss nur dafür arbeiten“, sagt sie. Sie glaubt daran, dass jeder Traum wirklich erfüllt werden kann: „Das klappt vielleicht nicht auf Anhieb, aber das Potenzial ist bei jedem da.“

Von Jan Russezki