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Havelland Fassadenkünstler macht die Wände schöner
Lokales Havelland Fassadenkünstler macht die Wände schöner
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00:17 24.10.2017
Für die Städtische Wohnungsgesellschaft Mühlhausen hat Marco Brzozowski diese Wand mit einem „Durchblick“ auf die Altstadt verziert.
Für die Städtische Wohnungsgesellschaft Mühlhausen hat Marco Brzozowski diese Wand mit einem „Durchblick“ auf die Altstadt verziert. Quelle: 360art
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Mögelin

500 Quadratmeter groß? 60 Meter hoch? Bilder mit solchen Daten sind für ihn kein Problem, da läuft er erst auf zu großer Form. Der Mögeliner Marco Brzozowski (33 Jahre) ist seit zehn Jahren als Fassadenkünstler tätig: Da hat er der Welt schon so manches mächtige Werk geschenkt. Er malt und sprüht nicht nur große Bilder an die Wand. Von Anfang an hat er verblüffende dreidimensionale Effekte mit eingearbeitet, die nicht selten wie optische Täuschungen wirken. Mehr und mehr erzählt er auch Geschichten – Platz dafür hat er ja meistens genug.

In diesen Tagen fängt er an, ein bisschen durchzuatmen, denn die warme Jahreszeit und damit seine Hauptsaison geht zu Ende. „Sieben bis acht Grad sollten es schon sein“, merkt er an. Zu kalt dürfe es nicht werden, damit die Farben noch richtig mitmachen. Wenn es draußen kühler wird, hat er mehr Zeit, an seinen Entwürfen zu arbeiten. Gerade die sind es doch, die seine Kunden überzeugen, ihm eine große Wand oder gleich mehrere anzuvertrauen. Er liefert Auftragskunst im besten Sinn: Die Kunden beschreiben ihm ihre Wünsche und er setzt sie um in beeindruckende Bilder.

Marco Brzozowski an seinem jüngsten Werk in der Heimatregion, einer seiner Figuren im neuen Gesundheits- und Familienzentrum Premnitz. Quelle: Bernd Geske

Was die Inhalte betrifft, ist Marco Brzozowski sehr flexibel. Im Januar hat er der Beuth-Hochschule für Technik in Berlin ins Treppenhaus die deutlich vergrößerte Strichzeichnung einer alten Borsig-Lokomotive gesetzt. Nach Originalunterlagen, aber als Hell-auf-Dunkel-Negativ – weil das besser aussieht. Im Februar hat er für die Degewo in Berlin in 60 Metern Höhe an einem Haus eine fünf mal sechs Meter große Beschriftung angebracht.

Im März hat er auf Usedom ein Strand-Motiv mit Kutter und Möwen realisiert. Im April hat in Premnitz einen Food-Truck rundum mit Flammen und Bratfleisch verziert und dem MC Schwedt 300 Quadratmeter Wand mit springenden Cross-Maschinen dekoriert. Ein Jesus mit Kindern unter einem Baum, zwei Schafen und dem Spruch „Lasset die Kinder zu mir kommen.“ an einem Gemeindehaus in der Uckermark möge die unvollständige Aufzählung an dieser Stelle beenden.

250-Quadratmeter-Giebel in Mühlhausen zeigt eine Sicht auf die Altstadt

Echte Hingucker sind die großen Giebel. Zum Beispiel das 250-Quadratmeter-Bild in Mühlhausen (Foto oben), das einen virtuellen Blick durchs Frauentor auf die Altstadt gewährt. Für eine Wohnungsgesellschaft in Torgelow erzählt Marco Brzozowski über vier Giebeletagen eine Bildergeschichte: Oben lernen zwei junge Leute sich kennen, in Schritten nach unten umarmen sie sich, kriegen Kinder und wohnen immer an der gleichen Stelle. Anfang Oktober hat er in Nauen einen Giebel mit einem Durchblick auf die alte Zuckerfabrik fertig gestellt. „Ich habe schon immer gern gezeichnet und gemalt“, teilt Marco Brzozowski mit. Besonders inspiriert hätten ihn die alten Meister Caravaggio und Peter Paul Rubens, aber auch die Graffiti-Künstler Daim und Loomit.

Danach gefragt, wie seine Firma 360art derzeit läuft, antwortet der Mögeliner: „Sehr, sehr, sehr gut.“ Er plane schon Aufträge für 2019 und habe für 2018 diverse größere Projekte im Block. Er rede aber immer erst darüber, wenn sie fertig sind.

Von Bernd Geske