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Havelland Feuerwehr: Einsatzjahr ohne Extreme
Lokales Havelland Feuerwehr: Einsatzjahr ohne Extreme
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18:13 10.01.2017
Eine große Übung auf dem Gelände des ehemaligen Getreidelagers im Falkenweg hielt im Mai die Einsatzkräfte auf Trab.
Eine große Übung auf dem Gelände des ehemaligen Getreidelagers im Falkenweg hielt im Mai die Einsatzkräfte auf Trab. Quelle: Julian Stähle
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Rathenow

Ein Blick auf die Zahlen sagt alles. Kam die Wehr im Jahr 2015 auf 396 Einsätze mit 451 Einsatzstunden, so stehen im vergangenen Jahr 225 Einsätze mit 260 Einsatzstunden zu Buche. Damit bewege man sich ziemlich exakt auf dem Niveau des Jahres 2014, sagt Lienig.

Allerdings heißt das nicht, dass die Kameraden nichts zu tun gehabt hätten. 225 Einsätze bedeuten, dass häufiger als jeden zweiten Tag irgendwo Hilfe geleistet werden musste. Die Palette reicht vom klassischen Mülltonnenbrand bis zur aufwändigen Vermisstensuche. So hielt im Januar die Nachricht, in Premnitz sei eine Frau in der Nähe der Havel verschwunden, auch die Rathenower Einsatzkräfte stundenlang auf Trab.

Was die Abfolge der Alarmierungen angeht, wird den Männern und Frauen der Wehr die Nacht auf den 20. Januar noch gut in Erinnerung sein. In weniger als drei Stunden rückte das Personal zu acht Einsätzen aus. Ein Brandstifter hatte Mülltonnen, Papiertonnen, Gelbe Säcke und Sperrmüll angezündet. Alle Brände konnten schnell gelöscht werden.

In der Statistik Lienigs tauchen für das vergangenen Jahr insgesamt 82 Brandeinsätze auf. 17 davon waren Wohnungsbrände, 25 sind der Kategorie Kleinbrand zuzurechnen, in die auch die oben geschilderten Mülltonnenbrände fallen. Drei Mal wurden die Einsatzkräfte zu kleineren Wald- und Flurbränden gerufen, zwei Mal musste ein brennender Pkw gelöscht werden.

Fast doppelt so oft wie zu Brandeinsätzen wurde die Rathenower Feuerwehr zu technischen Hilfeleistungen angefordert – 152 Mal: 26 Verkehrsunfälle stehen in der Jahresstatistik, 23 Mal musste eine Ölspur beseitigt werden. Den Spitzenwert bei den technischen Hilfeleistungen nimmt aber die Türnotöffnung ein. 54 Mal verschafften die Feuerwehrleute Polizisten oder Rettungssanitätern Zutritt zu Wohnungen. „Wir sind kein Schlüsseldienst“, stellt Lienig klar. Vielmehr werde die Feuerwehr zur Hilfe gerufen, wenn Personen in Wohnungen nicht mehr in der Lage seien, die Tür zu öffnen. Der klassische Fall: Die Oma, die im Flur stürzt, es nicht mehr zur Tür schafft und sich durch Rufe oder per Telefon bemerkbar macht.

21 Einsätze stehen unter dem Oberbegriff Fehlalarmierung. Meist seien defekte Feuermeldeanlagen die Ursache, sagt der Rathenower Ortsbrandmeister. Drei Mal allerdings habe ein Mensch falschen Alarm gegeben. All diese Fälle habe man zur Anzeige gebracht. Der Notrufmissbrauch sei alles andere als ein Kavaliersdelikt.

Der größte Einsatz im Jahr 2016 war übrigens kein echter, sondern eine Übung. Ende Mai fand in einem leer stehenden Getreidesilo im Falkenweg eine Großübung statt, an der neben den Wehren aus Rathenow und den Ortsteilen auch die Nachbarwehren aus Premnitz, Döberitz und Mögelin sowie Einsatzkräfte des THW und der Rettungsdienstes beteiligt waren. 117 Personen waren im Einsatz, um das Zusammenspiel verschiedener Hilfskräfte bei einem Großalarm zu trainieren.

Eine solche Großübung wird es auch in diesem Jahr geben. „Wir lassen uns schon was Schönes einfallen“, sagt Lienig. Ansonsten hätte er nichts dagegen, wenn dieses Jahr ähnlich unspektakulär verliefe wie das vergangene.

Sechs Ortswehren, rund 150 Einsatzkräfte

67 aktive Mitglieder zählt die Freiwillige Feuerwehr Rathenow. Sitz ist die Feuerwache in der Großen Hagenstraße 32.

Außerdem gibt es Freiwillige Feuerwehren in den Rathenower Ortsteilen Steckelsdorf, Semlin, Göttlin und Grütz und Böhne. Hier kommen noch einmal rund 80 Einsatzkräfte hinzu.

Stadtbrandmeister ist Jörg Eichmann. Sein Stellvertreter ist Oliver Lienig. Lienig ist außerdem Ortswehrführer der Rathenower Feuerwehr.

Mit Ausnahme der Feuerwehren Göttlin und Grütz unterhalten alle Rathenower Ortswehren eigene Jugendabteilungen.

Von Markus Kniebeler