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Havelland Flüchtlingsheim in Nauen wird gebaut
Lokales Havelland Flüchtlingsheim in Nauen wird gebaut
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18:00 13.02.2015
Asylkritiker sammelten noch am Donnerstag Unterschriften gegen den Bau des Flüchtlingsheims. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Nauen

Wie am Donnerstag berichtet, musste der Zuschauerraum nach Tumulten während der Bürgerfragestunde geräumt werden. Bis dahin gab es seitens der Bürger vor allem Kritik am geplanten Bau des Heimes, Befürworter hatten es schwer sich zu äußern. Immer wieder wurde die Fragestunde gestört.

200 bis 250 Asylbewerber werden aufgenommen

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Das Flüchtlingsheim will der Landkreis Havelland am Waldemardamm errichten. 200 bis 250 Asylbewerber sollen dort Anfang 2016 unterkommen. Der Standort war einer von insgesamt 16, die die Stadt untersucht hat. In der Januarsitzung hatten zahlreiche Stadtverordnete jedoch moniert, dass sie in den Entscheidungsprozess nicht eingebunden waren. Sie warfen der Verwaltung Intransparenz vor, der Beschluss zum Verkauf wurde daraufhin vertagt. Und so begründete Bürgermeister Detlef Fleischmann nun zu Beginn der jüngsten Sitzung, warum die anderen, rund 5000 Quadratmeter großen Grundstücke nicht in Frage kamen.

Vor der Sitzung war es noch friedlich. Später musste der Saal geräumt werden, weil Asylheimgegner lautstark protestierten. Quelle: Tanja M. Marotzke

Busanbindung, Einkaufsmöglichkeiten, Nähe zum Arzt

Unter die Lupe nahm man unter anderem auch den Sägewerksplatz, das ehemalige Gaswerk in der Graf-Arco-Straße, den Bahnhofsvorplatz sowie Grundstücke in der Oranienburger Straße und im Gewerbegebiet Ost. Aber auch in den Ortsteilen wurde Flächen geprüft,  so etwa in der Waldsiedlung, in Quermathen, in Ribbeck und in Berge. Doch in fast allen Fällen wären langwierige B-Plan-Verfahren nötig oder aber die Lage – Busanbindung, Einkaufsmöglichkeiten, Nähe zum Arzt – wäre ungeeignet gewesen, hieß es. Und so bezeichnete Fleischmann den Standort Waldemardamm zwar als nicht optimal, aber als Vorschlag, „den man guten Gewissens machen kann und der gut geeignet ist“.

Stimmung wurde geschürt

Markus Klein (36), Mitglied des mobilen Beratungsteams zum unschönen Verlauf der Nauener Stadtverordnetenversammlung.

MAZ: Herr Klein, war mit einem solchen Verlauf zu rechnen?
Markus Klein: Zumindest bestand die Möglichkeit. Auf Facebook-Seiten war aufgerufen worden, dorthin zu kommen. Man muss dies wohl aber auch im Kontext mit dem Tag der deutschen Zukunft am 6. Juni in Neuruppin sehen. Den richten diesmal die rechtsextremen Freien Kräfte Neuruppin/Osthavelland aus, verbunden mit einer breit angelegten Kampagne. Am Donnerstag haben vor allem rechtsextreme Akteure aus Neuruppin und Nauen die Stimmung geschürt.

Aber es waren ja nicht nur Rechtsextreme vor Ort.
Klein: Richtig, man darf nicht alle über einen Kamm scheren. Es gab zudem Leute, die nur ihre Abneigung gegen Asylbewerber äußern wollten, aber auch welche, die Sorgen und Ängste haben und offen für einen Dialog waren, aber nicht zum Zuge gekommen sind. Und dann gab’s jene, die an einer Willkommenskultur arbeiten.

Wie sollte man weiter vorgehen?
Klein: Man muss jetzt versuchen, in den nächsten Wochen in geeigneter Form den Leuten die Sorgen und Ängste zu nehmen.

Um zu zeigen, wie wichtig dem Landkreis das Thema ist, war auch Landrat Burkhard Schröder nach Nauen gekommen. Er warb für eine Zustimmung zum Verkauf. „Wir haben die Pflicht, die Asylbewerber menschenwürdig unterzubringen“, sagte er. Schon jetzt hänge der Landkreis mit der Unterbringung hinterher, für 111 war 2014 kein Platz. Ingesamt müssen dieses Jahr rund 600Plätze geschaffen werden. Er nannte Friesack, wo dieses Jahr 199 Flüchtlinge untergebracht sein werden, als gutes Beispiel. „Was so eine kleine Stadt stemmt, muss auch ein Mittelzentrum wie Nauen bewältigen können“, so Schröder.

Furcht vor sozialem Brennpunkt

Dennis Naumann von der Bürgerinitiative „Zukunft Nauen“ befürchtet, dass mit dem Heim am Waldemardamm ein sozialer Brennpunkt geschaffen wird, der sowohl für die Nauener als auch für die Asylbewerber untragbar sei. So entstünde das Heim in der Nähe der Arco-Schule. Andreas Priber empfahl – auch wegen der Sicherheit für die Asylbewerber –, das Heim lieber im ehemaligen Gaswerk in der Arco-Straße zu errichten, was die Stadt aber aus baurechtlichen Gründen ablehnt. Andere Besucher ließen ihren Frust gegen Asylbewerber heraus. Eine junge Frau, die sich für das Heim aussprach, kam nicht zu Wort.

Insgesamt waren an dem Abend am Sitzungsort in der Hamburger Straße etwa 50 Beamte der Revierpolizei, Streifen- und Bereitschaftspolizisten im Einsatz. Auf Bitte der Stadtverordnetenversammlung verwiesen sie mehrere Personen aus dem Saal und vom Gelände des Evangelischen Gemeindezentrums. Zudem nahmen sie eine Anzeige wegen des Androhens von Straftaten und des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz auf. Festnahmen gab es nicht.

Von Andreas Kaatz

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