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Havelland 103 Jahre und niemals ein „Sesselpupser“
Lokales Havelland 103 Jahre und niemals ein „Sesselpupser“
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10:34 02.02.2018
Ihren 103. Geburtstag muss Brigitte Zimmermann in der Nauener Klinik verbringen – sie hat sich den Arm gebrochen. Quelle: Danilo Hafer
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Nauen

„Mit meinen beiden Schwestern habe ich häufig im Schlosspark Charlottenburg gespielt, da wir ganz in der Nähe gewohnt haben. Da wir alle so schmale Handtücher waren, haben wir uns den langen Weg zum Haupteingang erspart und uns stattdessen durch ein Loch im Zaun gequetscht“, sagt Brigitte Zimmermann.

Wenn ihre Mutter dann mit der Drei-Klang-Pfeife gepfiffen hat, wussten sie, dass sie wieder nach Hause kommen sollten.

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Ein „einfaches, aber sehr glückliches Leben“

An ihre Kindheit erinnert sich Brigitte Zimmermann, als wäre es gestern gewesen. Dabei feiert die Nauenerin heute ihren 103. Geburtstag. Am 2. Februar 1915 erblickte sie in einem Krankenhaus in Spandau das Licht der Welt. „Heute kann ich sagen, dass ich ein einfaches, aber sehr glückliches Leben hatte. Ich habe es so genommen, wie es gekommen ist“, sagt sie.

Haushaltsschule war nichts für sie

Als junge Frau setzte sie aber auch ihren Willen durch. „Ich sollte eigentlich, so wie meine Schwester auch, auf eine Haushaltsschule gehen, das wollte ich aber überhaupt nicht“, sagt sie. Stattdessen suchte ihr Vater, ein Diplom-Ingenieur, für sie einen Platz an einer kaufmännischen Schule.

Hühnerfarm, Elektrowerk, Milchforschung

Nach ihrer Ausbildung arbeitete Brigitte Zimmermann in verschiedenen Betrieben. „Zuerst schickte mich mein Vater in eine Hühnerfarm, im Osten an der polnischen Grenze, weil ich immer etwas mit Tieren machen wollte.“ Nach dem zweiten Weltkrieg arbeitete sie in einem Elektrowerk in Oranienburg und später im Institut für Milchforschung. Während ihrer letzten Arbeitsjahre war sie in einem Betrieb in Berlin Pankow beschäftigt.

Mit der Enkelin unter einem Dach

Seit 1994 lebt die Seniorin im Havelland, zunächst in einem Haus in Berge. Dort zog sie im vergangenen Jahr jedoch aus, die steile Treppe war inzwischen ein zu großes Hindernis geworden. „Jetzt wohne ich in Nauen, in einer ebenerdigen Haushälfte, gemeinsam mit meinem Hund“, sagt sie. Der Umzug brachte noch einen weiteren Vorteil mit sich. Denn die andere Haushälfte bewohnt Brigitte Zimmermanns Enkelin.

Freiwillig bis 72 gearbeitet

Selbstständigkeit ist für die 103-Jährige nach wie vor ein wichtiges Thema, das war es schon immer. „Ich habe ja auch freiwillig bis 72 gearbeitet, weil es mir immer Spaß gemacht hat. Ich war nie ein Sesselpupser“, sagt sie. Heute lässt sie es aber etwas ruhiger angehen. Zeitung lesen und Kreuzworträtsel gehören zum festen Tagesablauf der Seniorin. Mit ihrem Rollator traut sie sich auch allein vor die Tür. Das gefalle aber nicht allen. Tochter Barbara mache sich schon Sorgen, wenn ihre Mutter wieder allein unterwegs ist.

Ihren diesjährigen Geburtstag muss Brigitte Zimmermann notgedrungen in der Nauener Klinik feiern. Sie ist gestürzt und hat sich dabei den linken Arm gebrochen. Die Stimmung lässt sie sich davon aber nicht vermiesen. „Dann wird die Torte eben im Krankenhaus gegessen“, sagt sie.

Von Danilo Hafer