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Friesack 750 Jahre: Ein ganzes Dorf in Feierlaune
Lokales Havelland Friesack 750 Jahre: Ein ganzes Dorf in Feierlaune
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01:15 20.06.2019
Viele Selbelanger sorgten in ihrer historischen Kleidung für angemessenes Flair beim Umzug zur 750-Jahr-Feier. Unterstützt wurden sie von den Nauener Heimatfreunden.
Viele Selbelanger sorgten in ihrer historischen Kleidung für angemessenes Flair beim Umzug zur 750-Jahr-Feier. Unterstützt wurden sie von den Nauener Heimatfreunden. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Selbelang

Da war die Überraschung groß: Gleich zu Beginn der Jubiläumsfeierlichkeiten in Selbelang öffnete sich am Himmel über dem Sportplatz plötzlich ein Fallschirm und ein mutiger Springer, der vom Flugplatz Bienenfarm kam, schwebte heran. Kurz darauf landete Andreas Hoeppner schließlich unter begeistertem Beifall perfekt auf dem vorgesehenen Punkt.

Begeistert war in dem Moment auch Ortsvorsteher Erich Ball, der einer den wenigen Eingeweihten war. „Wir wussten natürlich nicht, ob es klappt, denn es hing auch vom Wetter ab“, sagte er. Doch der Wettergott hatte ein Einsehen, alles funktionierte bestens.

Schlüssel fürs neue Auto

Ball bekam anschließend von Andreas Hoeppner symbolisch einen Holzschlüssel überreicht für das neue Feuerwehrfahrzeug, den der Ortsvorsteher dann gleich an Ortswehrführer Mario Haufe weiterreichte.

Am Sportplatz startete der Festumzug, der einen Einblick in die Geschichte von Selbelang gab. Viele Einwohner beteiligten sich daran. Auch das 85-jährige Bestehen der Feuerwehr spielte eine große Rolle.

Ein Geschenk, das wahrlich zu diesem Anlass passte, denn die Selbelanger Wehr wird in diesem Jahr 85 Jahre alt. Doch das war am Wochenende nicht der einzige Grund zum Feiern. Denn das Dorf ist vor 750 Jahren auch erstmals urkundlich erwähnt worden. Und um diesen Anlass gebührend zu feiern, hatte man sich eine Menge einfallen lassen.

Festumzug war Höhepunkt

Höhepunkt war zweifellos der Festumzug am Samstag. Nach dem Auftakt am Sportplatz setzte sich der Tross in Bewegung und zog erst einmal ein Stück auf der Bundesstraße 5 entlang, bevor es in die Dorfstraße ging. Vorneweg auf dem ersten Wagen: die zwölfköpfige Feuerwehrblaskapelle aus Görzke.

Anschließend wurde mit insgesamt 16 Schaubildern die Dorfgeschichte von Selbelang lebendig, wo derzeit 292 Menschen leben. Die Feuerwehrkameraden trugen Einsatzkleidung aus den 50er-Jahren bis in die heutige Zeit.

Historisches Flair

Mit im Umzug war auch der K 30 Garant, der den Kameraden mehrere Jahrzehnte – seit Ende der 50er-Jahre – gute Dienste geleistet hat und bis heute liebevoll gepflegt wird. Für historisches Flair sorgte zudem das Fußvolk von Selbelang in der Kleidung, die dazumal etwa Handwerker, Marktfrauen oder Bauern trugen. Mit dabei war auch eine Abordnung der Nauener Heimatfreunde.

Selbst für einige Einheimische war Manches neu. So erfuhren sie, dass 300 Jahre lang bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine Schmiede in Selbelang stand – am Festtag gestaltet von der Bauschlosserei Uwe Meißner aus Neustadt/Dosse.

Schule und Mühle

Auf einem weiteren Wagen befand sich das Modell einer alten Mühle, die Björn Lorenzsonn gebaut hat und mit der daran erinnert wurde, dass es von etwa 1600 bis 1949 eine Mühle im Ort gab.

Auch die alte Schule war ein Thema, schließlich lernte der Nachwuchs des Dorfes seit Anfang des 17. Jahrhunderts das Einmaleins direkt im Ort – bis 1978. Gestaltet wurde das Schaubild, in dem Kinder auf Schulbänken saßen, von Cathleen Ball und Antje Beckström. Mit im Zug war zudem Karsten Rackwitz als Lehrer in Frack und mit Zylinder.

Im Anschluss buntes Programm

Und es gab noch viele weitere Themenpunkte – von der Schneiderei Raffeld über den Wagen der Bauernhofkinder und die Landmaschinen aus den 50er-Jahren bis hin zur Vorstellung der Ortsteile Kamerun und Bienenfarm. 

An den Umzug schloss sich ein buntes Programm für Groß und Klein auf dem Festplatz zwischen Kirche und Feuerwehrdepot an. Doch das war noch nicht alles. Bereits am Freitagabend gab es einen musikalischen Festgottesdienst mit Pfarrer Wolf Schöne – zusammen mit Vorträgen zur Geschichte der Kirche und der Feuerwehr.

Baum gepflanzt

Außerdem erfuhren die Gäste Wissenswertes über die Dorfhistorie. Zum Schluss wurde anlässlich des 750-jährigen Bestehens eine Säulenrotbuche gepflanzt – gesponsert von der Baumschule Heidenreich.

Für den Ortsvorsteher war das Fest jedenfalls ein voller Erfolg. „Fast alle, mit denen ich gesprochen hatte, waren beeindruckt von dem, was Selbelang auf die Beine gestellt hat“, sagt Erich Ball. So ist er auch allen dankbar, die bei der Vorbereitung und am Tag selbst mitgewirkt und zudem mit Spenden zum Gelingen beigetragen haben.

Wettergott spielte mit

Beispielsweise hatte Renate Kähne die Strohpuppen gestaltet, die seit Wochen an der B 5 fürs Fest warben, und sie hat zudem den Holzschlüssel für das Feuerwehrauto angefertigt.

Selbst der Wettergott war an dem Tag ein Selbelanger. „Während es am späten Nachmittag in Pessin geregnet und in Brädikow gehagelt hat, kamen bei uns nur ein paar Tropfen herunter“, sagte Erich Ball schmunzelnd.

Von Andreas Kaatz