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Friesack Tischler Kurt Pritzkow erhält diamantenen Meisterbrief
Lokales Havelland Friesack Tischler Kurt Pritzkow erhält diamantenen Meisterbrief
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08:18 27.03.2019
Kurt Pritzkow mit dem Diamantenen Meisterbrief. Umrahmt wird er von Ralph Bührig (r.) sowie Rainer Deutschmann und Michael Ziesecke (v.l.).
Kurt Pritzkow mit dem Diamantenen Meisterbrief. Umrahmt wird er von Ralph Bührig (r.) sowie Rainer Deutschmann und Michael Ziesecke (v.l.). Quelle: Jens Wegener
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Nauen

 Wenn der 86-jährige Kurt Pritzkow heute in die Produktionshalle der Fensterbaufirma Pritzkow in Nauen „Zu den Luchbergen“ kommt, könnte er noch immer eine Tür oder ein Fenster herstellen. Der Haken: „Er würde die Maschinen nicht mehr bedienen können, weil er sich die Pin-Nummern nicht merken kann“, weiß sein Sohn Eike Pritzkow, der seit 1998 die Geschäfte führt.

Glückwünsche der Kreishandwerkerschaft

Dienstag aber stand Pritzkow-Senior noch mal im Mittelpunkt. Denn genau auf den Tag vor 60 Jahren hatte Kurt Pritzkow in Potsdam seinen Meisterbrief erhalten. Jetzt überreichten ihm der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam Ralph Bührig und Kreishandwerksmeister Michael Ziesecke einen Diamantenen Meisterbrief. „So etwas ist sehr selten. Ich denke, es kommt dreimal pro Jahr im gesamten Kammerbezirk vor“, sagte Bührig. Den Glückwünschen schloss sich der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Havelland Rainer Deutschmann an und übergab dem Jubilar einen Präsentkorb.

Kurt Pritzkow hatte sich erst vor fünf Jahren aus dem Betrieb des Sohnes verabschiedet und seinem Rentnerdasein in Retzow gewidmet. „Ich bastle so vor mich hin, habe immer was zu tun. Nur die Gartenarbeit lag mir noch nie“, erzählte er. Derzeit baut Kurt Pritzkow zuhause einen Massage-Sessel von elektrischer auf Handschaltung um.

Gesellenprüfung 1950 abgelegt

Tischler gibt es in der Familie Pritzkow schon seit etwa 400 Jahren. 1993 verlagerte Kurt Pritzkow die Firma von Retzow nach Nauen. Er selbst legte seine Gesellenprüfung am 11. April 1950 ab, am 1. Januar 1960 eröffnete er seinen Tischlereibetrieb. „Die Meisterprüfung habe ich mit ’gut’ abgeschlossen. Und die Meisterstücke, eine Tür und eine Frisierkommode, stehen noch heute bei mir zuhause.“ Zu DDR-Zeiten sei es zwar schwierig gewesen, immer an das benötigte Material für die Fenster und Türen zu kommen, aber „dann bin ich oft nach Thüringen und Sachsen gefahren und habe es mit dort besorgt“, erinnert sich der Jubilar.

Auch ehrenamtliches Engagement gewürdigt

Ralph Bührig würdigte Kurt Pritzkow aber nicht nur für dessen langes Berufsleben als Tischler: „Sie haben sich auch ehrenamtlich in der Tischlerinnung und als Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses engagiert.“ Wie viele Gesellen er bewertet hat, weiß der Rentner nicht mehr. Wohl aber, dass in der Pritzkow-Fensterbaufirma mehr als 40 Lehrlinge ausgebildet wurden. Zwei sind heute noch im Unternehmen beschäftigt.

Nachwuchs fehlt

In der Eike Pritzkow Fensterbau GmbH sind in Nauen und am zweiten Standort in Lenzen mehr als 100 Menschen beschäftigt, sagt der Geschäftsführer. Vor allem Kunststoff ist bei Fenster und Türen heute gefragt. Das Problem: „Die Anbieter aus Osteuropa können preiswerter produzieren, so dass wir fast nur noch spezielle Aufträge bekommen“, so Eike Pritzkow. Hinzu komme ein enorm gestiegener bürokratischer Aufwand und die Tatsache, dass Jugendliche sich kaum für diesen handwerklichen Beruf interessieren. „Auszubildende haben wir derzeit nicht.“

Von Jens Wegener