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Friesack Lecker Joghurt für Kita-Kinder
Lokales Havelland Friesack Lecker Joghurt für Kita-Kinder
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01:16 07.06.2019
Da war die Freude groß: Die Kita Kinder mit Heiko Gräning (l.), Stefanie Peters und Lars Schmidt.
Da war die Freude groß: Die Kita Kinder mit Heiko Gräning (l.), Stefanie Peters und Lars Schmidt. Quelle: Andreas Kaatz
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Vietznitz

Die älteren Kinder in der Vietznitzer Kita kennen sich schon gut aus. Auf die Frage: Was macht Milch? hieß es am Dienstag im Chor: „Milch macht stark“. Dazu wurden die Arme angewinkelt nach oben gestreckt. Nicht zu übersehen: Für ordentliche Muckis müssen sie offenbar noch mehr Milch zu sich nehmen. Und so brachten Vertreter vom Kreisbauernverband Havelland am Dienstag Nachschub.

Anlässlich des „Tages der Milch“ waren Lars Schmidt, Antje Schulz, Stefanie Peters und Heiko Gräning zu Besuch in der kleinen Einrichtung und verteilten Joghurt und Trinkmilch an die Kinder. „Wir machen das, damit die Kinder wissen, wer die Milchbauern in der Region sind. Wir wollen der Landwirtschaft ein Gesicht geben“, begründete Lars Schmidt die Aktion, die es am Dienstag auch in weiteren Einrichtungen gab – darunter der Hort und die Kita in Friesack sowie die Kitas in Wachow, Lietzow und Rhinow. Für die Kinder stehen Milchprodukte aber auch sonst auf dem Speisezettel, wie die Vietznitzer Kita-Leiterin Ute Hoffmann sagte.

Nur noch 28 Betriebe

Wie lange es noch Milchbetriebe im Havelland geben wird, steht in den Sternen: Fest steht: Es werden immer weniger. 2018 haben zwei weitere Betriebe aufgegeben, momentan sind es nur noch 28. Und die haben es weiterhin nicht leicht. Vor allem der Milchpreis macht den Bauern zu schaffen, es ist deutlich zu niedrig. Momentan liegt er pro Liter bei 33 Cent. „Davon kann man nicht leben und nicht sterben“, sagt Lars Schmidt, der in Lietzow in einem Milchviehbetrieb arbeitet.

Internationaler Tag der Milch

Der Internationale Tag der Milch wurde 1957 von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und dem internationalen Milchwirtschaftsverband ins Leben gerufen.

Jedes Jahr am 1. Juni wird weltweit über die Herstellung und die Vorzüge von Milch und Milchprodukten informiert.

Im Havelland nimmt der Kreisbauernverband den Tag zum Anlass, um Kitas, Schulen und Horte zu besuchen. Die Landwirte verteilen dort Milchprodukte.

Gesponsert werden die Produkte von der Firma ODW in Elsterwerda.

Der Betrieb hat 430 Kühe, acht Mitarbeiter sind in der Tierproduktion tätig. Die Einnahmen aus der Milch reichen aber nicht aus, um ökonomisch nachhaltig arbeiten zu können, sagt Schmidt. „Wir müssen aber jeden Monat Lohn bezahlen.“

Produktion eingestellt

Und dann seien da noch die gesellschaftlichen Ansprüche, die er als durchaus gerechtfertigt ansieht – beispielsweise in Sachen Tierwohl. „Wir würden ja gerne neue Ställe bauen, aber wovon sollen wir es bezahlen?“, fragt der Landwirt, der sich auch mehr Unterstützung aus der Gesellschaft heraus wünscht. Dies sei kein Jammern, sondern einfach die Realität.

Heiko Gräning verteilt Joghurt-Becher an die Kinder. Quelle: Andreas Kaatz

Letzte Konsequenz wäre: Die Milchproduktion muss irgendwann notgedrungen eingestellt werden. Heiko Gräning hat dies bereits getan. Bis 2018 gehörten zum Unternehmen noch 160 Kühe, es war damit ein vergleichsweise kleiner Milchviehbetrieb. 41 Cent pro Liter hätte Gräning gebraucht, doch meist lag der Preis unter 35 Cent – beim Tiefpunkt sogar nur bei 17 Cent. „Da hatten wir nur noch von der Abschreibung gelebt.“

Jetzt werden Mutterkühe gehalten

Der Arbeitstag habe für ihn und andere häufig 16 Stunden gehabt. „Wir haben nur noch gearbeitet, darunter litt natürlich das Privatleben. Angestellte zu finden, die in einen Familienbetrieb passen und auch länger als acht Stunden arbeiten, war schwierig“, so Gräning. Hinzu kam die Bürokratie.

Als dann die Molkerei Pleite ging und für 150 000 Liter Milch kein Geld mehr kam, war das Maß im März 2018 übervoll. „Wir haben innerhalb von drei Tagen entschieden, die Milchproduktion aufzugeben“, erzählte Gräning. Heute bewirtschaftet der Betrieb mit zwei Mitarbeitern und einer Bürokraft 600 Hektar Land und hält 220 Mutterkühe.

Fehlende Wertschätzung

„Das große Problem ist die fehlende Wertschätzung“, meint Heiko Gräning und verweist darauf, dass heutzutage manches Mineralwasser im Supermarkt teurer ist als Milch, obwohl deren Produktionskosten bei mehr als 35 Cent pro Liter liegen. Er hofft, dass andere Betriebe künftig so viel für ihre Milch bekommen, dass sie von den Einnahmen auch ihre Angestellten bezahlen können.

Davon, wie Milchvieh- aber auch andere Landwirtschaftsbetriebe produzieren, können sich die Bürger wieder zur Landpartie am 15./16. Juni ein Bild machen. „Es ist wichtig für uns als Landwirte, an dem Wochenende die Tore zu öffnen und zu zeigen, wie wir arbeiten. Denn dies wird in der Schule meist nicht mehr richtig vermittelt“, sagt Antje Schulz vom Kreisbauernverband.

Von Andreas Kaatz