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Friesack Schweinepest: Landkreis trifft Vorsorge
Lokales Havelland Friesack Schweinepest: Landkreis trifft Vorsorge
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19:38 24.09.2018
Wildschweine gelten als Überträger der Schweinepest. Der Landkreis ruft dazu auf, Proben von Fall- und Unfallwild einzuschicken. Quelle: Lino Mirgeler/Dpa
Havelland

Noch sind Deutschland und damit auch der Landkreis Havelland von der Afrikanischen Schweinepest verschont geblieben, die häufig durch Wildschweine übertragen wird. Doch die gemeldeten Fälle sind nicht mehr allzu weit entfernt. Zuletzt trat die Krankheit in Belgien auf. Aber auch in Polen und Tschechien ist die Schweinepest wiederholt ausgebrochen. Hierzulande hofft man jedenfalls, dass der Kelch am Landkreis vorbei geht.

Es wäre eine große Herausforderung

„Wenn es uns aber erwischt, dann wird es eine große Herausforderung“, sagte jetzt Dörte Wernecke, Leiterin des kreislichen Veterinäramtes. Sie will jedoch nicht erst reagieren, wenn es die ersten Krankheitsfälle gibt, sondern schon vorher. Aus diesem Grund soll so schnell wie möglich eine Wildsammelstelle für den Ernstfall eingerichtet werden. In der können dann geschossene Tiere so lange gelagert werden, bis das Landeslabor die Probe untersucht und Entwarnung gegeben hat.

Dazu will der Landkreis jetzt einen so genannten Tierseuchencontainer anschaffen. Der soll auf dem Gelände des Feuerwehrtechnischen Zentrums (FTZ) in Friesack aufgestellt werden. „Dabei wird es sich um den ersten Standort handeln, den wir entwickeln wollen“, sagte Dörte Wernecke. Zwei weitere Standorte sind darüber hinaus geplant, unter anderem im Bereich Rathenow, so dass die Wege für die Jäger nicht zu groß sind.

Platz für 40 Wildschweine

Der Container soll eine Grundfläche von zwölf mal drei Meter haben und Möglichkeiten zur Desinfektion und zur Probenentnahme bieten. Vorgesehen sind Kühlzellen, in denen zum einen das ausgeweidete Wild aufbewahrt wird und zum anderen die Innereien. Von der Größe her soll der Container Platz für bis zu 40 Wildschweine bieten. „Mehr wird man in der Regel in einer Nacht nicht schießen“, sagte die Amtsleiterin. Von jedem Wildschwein werden Proben genommen. Sobald klar ist, dass die Probe negativ ist, also keine Infektion vorliegt, dann soll der Jäger sein Tier wieder abholen und verwerten dürfen.

Wildsammelstelle für den Ernstfall

Der Deutsche Landkreistag und der Landkreistag Brandenburg haben die Landkreise vor einiger Zeit aufgefordert, ihre eigenen Vorbeuge- und Bekämpfungsmaßnahmen zu überprüfen und auf- und auszubauen.

Falls die Afrikanische Schweinepest eingeschleppt wird, erfolgt die Einrichtung von Restriktionszonen von 30 Kilometer um den Fundort des verendeten Schwarzwilds.

In diesen Zonen dürfen Wildschweine nicht in den Handel gebracht werden, wenn sie nicht vorher einer Probe unterzogen worden sind und diese negativ ausgefallen ist.

Dazu sind amtliche Wildsammelstellen erforderlich, in denen die Wildkörper unter Verschluss gelagert werden können, bis das Untersuchungsergebnis aus dem Landeslabor vorliegt.

Für die Errichtung des Tierseuchencontainers wurde das FTZ Friesack ausgewählt, weil es relativ zentral im Landkreis liegt und die entsprechende Fläche schon verfügbar ist. Der Bauantrag für den Container ist genehmigt.

Erfahrungsgemäß bricht die Afrikanische Schweinepest meist im Frühjahr aus, häufig im Juni, heißt es. Bis dahin will die Amtsleiterin nun Vorsorge getroffen haben. Um keine Zeit zu verlieren, könnte möglicherweise schon in der nächsten Kreistagssitzung am 8. Oktober über die Ausschreibung für den Tierseuchencontainer entschieden werden, wurde im Fachausschuss für Landwirtschaft angeregt.

Jäger sollen Proben von Fall- und Unfallwild einreichen

Derzeit sind die Jäger aufgerufen, Blut-, Organ- oder Tupferproben mit Gewebeflüssigkeit von tot aufgefundenen Wildschweinen abzugeben und untersuchen zu lassen. Das Land Brandenburg gibt pro Probe 30 Euro als Aufwandsentschädigung. Damit will man eine Früherkennung gewährleisten.

Zu Anfang war die Anzahl der Proben noch recht hoch, mittlerweile ist sie zurückgegangen, bedauert Dörte Wernecke. „Wir bitten deshalb darum, dass wieder mehr Tupferproben gebracht werden“, appelliert die Amtsleiterin an die Jäger. Denn nur so könne im Falle des Falles rechtzeitig auf das Auftreten des Virus’ reagiert werden.

Für den Menschen ungefährlich

Durch die Afrikanische Schweinepest, die für den Menschen ungefährlich ist, sind insbesondere die Hausschweinbestände im Land gefährdet. Eine Infektion hätte große wirtschaftliche Folgen für die Landwirte. Sobald sich ein Tier angesteckt hat, wird es auch sterben. Die Übertragung des Virus’ erfolgt unter anderem über Blutkontakt, aber auch über Speisereste, an die die Wildschweine beispielsweise an Autobahnraststätten gelangen.

Von Andreas Kaatz