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Friesack Wohlfühloase für Stauden und Laufenten
Lokales Havelland Friesack Wohlfühloase für Stauden und Laufenten
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19:22 04.06.2018
Grünen-Landesvorsitzende Petra Budke (l.) im Gespräch mit der „Grünen Gründerin“ Nadja Petrick.
Grünen-Landesvorsitzende Petra Budke (l.) im Gespräch mit der „Grünen Gründerin“ Nadja Petrick. Quelle: Andreas Kaatz
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Retzow

Mit Chemie beim Pflanzenschutz hat Nadja Petrick nichts am Hut. Bei der Bekämpfung von Schädlingen setzt die Gärtnerin in Retzow auf Kräuterbrühe statt auf Glyphosat. Die sechs Laufenten lassen sich die Schnecken schmecken, bevor diese sich an den Pflanzen zu schaffen machen. Und gedüngt wird mit Kompost, Kräuterjauchen und Entenmist.

Dies alles war mit ein Grund dafür, dass der Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen Nadja Petrick jetzt mit dem Titel „Grüne Gründerin“ ausgezeichnet hat. Seit 1. Mai betreibt die 52-Jährige in der Kirschallee 3 die Gärtnerei „Sandglöckchen“, hat sich mit dem Betrieb selbstständig gemacht. Ihr grünes Reich umfasst rund 1800 Quadratmeter, auf denen Blumen, aber vor allem Stauden wachsen, die sie vermehrt und zum Kauf anbietet. Ebenso wie Gemüsepflanzen.

Nachhaltiges Projekt

„Für mich war wichtig, dass sie sich mit einem nachhaltigen Projekt selbstständig gemacht hat und möchte sie für ihren Mut auszeichnen“, meinte Grünen-Landesvorsitzende Petra Budke. Außerdem: „Sie beschäftigt sich mit alten Sorten und sie kommt ohne Gift aus.“

Nadja Petrick hat sich mit der Gärtnerei gewissermaßen einen Traum erfüllt. „Ich hatte einen Computerjob, den ich aber nicht bis an mein Lebensende machen wollte“, erzählt die frühere Berlinerin, die mittlerweile von sich behaupten kann: „Gärtnern ist meine Leidenschaft.“

Ein Schlüsselerlebnis war sicherlich die Krankheit ihrer Mutter, die vor vier Jahren an Krebs gestorben war. „Da hatte ich mich intensiv mit Ernährung und dem Einfluss von Pflanzen auf die Gesundheit beschäftigt“, sagt sie. Letztlich gewann sie die Erkenntnis, dass das Leben zu kurz ist, als dass man nicht noch einmal etwas Neues ausprobieren könnte.

Aus Berlin ins Havelland

Zu dem Zeitpunkt wohnte sie bereits in Buschow, wo sie noch heute lebt. 2011 hatte sie ihre Wohnung an einer viel befahrenen Kreuzung in Charlottenburg gegen die Idylle des Havellandes getauscht. Zum Grundstück dort gehören auch 400 Quadratmeter Garten, auf denen Nadja Petrick sich in der Vergangenheit mit der Natur vertraut gemacht und dann mit Pflanzen experimentiert hat. Dabei vermehrte sie erstmals Stauden.

Schon frühzeitig hatte die Existenzgründerin festgestellt, dass einheimische Pflanzen in den Gärtnereien hierzulande nicht allzu stark vertreten sind. „Mein Schwerpunkt sind Pflanzen, die mit dem Brandenburger Klima zurecht kommen. Die Stauden, die ich kultiviere, ’können’ mit der Brandenburger Luft, dem trockenen Sommer, dem sandigen Boden. Sie erfrieren nicht im Winter und brauchen kaum Pflege“, sagt die 52-Jährige Quereinsteigerin zu ihrer Geschäftsidee.

Sandglöckchen gedeiht gut auf sandigen Böden

Dass die Unternehmerin ihre Gärtnerei Sandglöckchen genannt hat, kommt somit nicht von ungefähr. Die uralte Pflanze gedeiht gut auf dem sandigen Boden der Mark und steht deshalb stellvertretend für ihre Philosophie. So gedeihen in Retzow auch Federnelken, Rotes und Weißes Leimkraut, Weiße Resede, Ehrenpreis, Wiesensalbei und vieles mehr, das seit Jahrhunderten an Brandenburger Feldwegen zu finden ist. Sie stellen auch eine gute Nahrungsquelle für Bienen und Schmetterlinge dar.

Damit ihre Stauden robuster gegenüber Schädlingen sind, zieht Nadja Petrick sie aus selbst geernteten Samen statt aus Stecklingen und kultiviert die Sämlinge so früh wie möglich im Freiland, wo sie Bekanntschaft mit Wind und Wetter schließen können.

Stärker auf Märkten präsent sein

Jetzt will Nadja Petrick sich und ihre Pflanzen bei den Kunden bekannt machen. Dazu wird sie verstärkt auch auf Märkten präsent sein – sowohl in Berlin, als auch im Speckgürtel.

Geöffnet ist die Gärtnerei „Sandglöckchen“ in der Kirschallee 3 in Retzow montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr. Es wird empfohlen, vorher anzurufen unter 0157/78 91 47 76.

Von Andreas Kaatz