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Havelland Friesacks Geschichte in guten Händen
Lokales Havelland Friesacks Geschichte in guten Händen
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15:57 16.03.2018
Vereinschef Günter Kirchert.
Vereinschef Günter Kirchert. Quelle: Andreas Kaatz
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Friesack

Schuld daran, dass Günter Kirchert zu den eifrigsten Mitgliedern im Friesacker Heimatverein gehört, hat eigentlich seine Frau. "Sie machte schon damals viel Handarbeit und meinte: Schaff dir doch auch mal ein Hobby an", erinnert er sich schmunzelnd. Das war noch zu DDR-Zeiten. Günter Kirchert sammelte ab sofort Münzen. "Daher kommt wohl auch mein Interesse an alten Sachen und an Geschichte", sagt der heutige Vorsitzende des Heimatvereins.

Und alte Sachen trug er schon vor der Wende gern bei sich zu Hause zusammen - wollte diese Leidenschaft nun mit anderen teilen. Im März 1994 hatte er nach mehreren Anläufen genug Mitstreiter gefunden, um einen Heimatverein zu gründen. Von damals sind heute noch Gisela Himburg, Peter Behrendt und Fritz Beckmann dabei. Die erste Aufgabe, die sich die Heimatfreunde vor 20 Jahren stellten, war die Gründung eines Heimatmuseums. Als dieses 1996 im Heimathaus am Markt eröffnet werden konnte, ging auch eine Vision von Kirchert in Erfüllung. Der hatte das lange Zeit leer stehende Fachwerkgebäude, das die Stadt sanieren ließ, schon Jahre vorher im Blick als künftiges Museum. "Da wurde ich aber noch von vielen belächelt. Das Haus war damals dem Verfall preisgegeben, es war eine Ruine", sagt der 76-Jährige. Doch er ließ sich nicht beirren. Schließlich sollte Friesack unbedingt wieder ein Museum bekommen - obwohl der vor Kriegsende im Keller des Bredowschen Herrenhauses eingelagerte Fundus des bisherigen Museums 1945 unwiederbringlich verloren gegangen war. Er fiel samt Gebäude den Flammen zum Opfer.

Kirchert investierte nach der Wende sein erstes Westgeld in historische Ansichtskarten, freute sich darüber, dass er von einem Einwohner den 1937er-Jahrgang des Friesacker Tageblatts erhalten hatte, und trug Literatur, Möbel und Notgeld zusammen. Seine private Sammlung bildete dann den Grundstock fürs Museum. Und stetig kam immer mehr dazu. "Das Teuerste, was wir uns angeschafft haben, war mal ein 100 Jahre alter Kinderwagen", sagt Kirchert. 1000 Mark hatte man sich den kosten lassen, finanziert aus Spendengeldern.

Besonders stolz ist Kirchert unter anderem auf den Göpel im Hof. Von diesem Drehwerk, mit dem ein Pferd früher landwirtschaftliche Maschinen angetrieben hat, gibt es kaum noch welche. Auf dem Museumshof treibt der Göpel eine Schrotmühle an - wenn ihn beispielsweise mehrere Schulkindern bei ihrem Klassenausflug in Bewegung setzen. Die Besucher dürfen auf dem Hof aber auch sonst alle Hebel betätigen. Anfassen ist erwünscht.

Doch der Heimatverein betreut nicht nur das Museum, er organisiert auch Vorträge und arbeitet Friesacks Geschichte auf. Dazu gehört auch, dass vor einigen Jahren das Kriegerdenkmal zu Ehren der im 1. Weltkrieg Gefallenen restauriert werden konnte. Zudem ist es der Initiative der Heimatfreunde zu verdanken, dass auf dem Denkmalsberg seit 2012 wieder eine Bronzeskulptur von FriedrichI. steht, der 1414 den Raubritter Dietrich von Quitzow vertrieben hat. Das 1894 aufgestellte Original war 1945 verschwunden. In Thailand ließ man die Kopie herstellen, was zwischendurch nicht nur Kirchert mächtig Nerven gekostet hat. Der Erfolg war immer wieder in Frage gestellt. Doch letztlich ist zusammen mit der Stadt, die gleichzeitig nach historischem Vorbild den Park drumherum wiederherstellen ließ, eine schöne Anlage entstanden. Der Denkmalssockel wird nun noch zum Fliederfest am 31.Mai mit dem großen Adlerrelief komplettiert, um dessen Anfertigung sich der Verein ebenfalls gekümmert hat. Ein großes Projekt findet damit seinen Abschluss.

Aber auch sonst gibt es für die Vereinsmitglieder, die vierteljährlich den "Quitzow-Kurier" herausgeben, gut zu tun. Seit zwei Jahren pflegen sie den Jüdischen Friedhof an der Siebenbrüdereiche. Und der Spaß am Entdecken und Forschen ist Kirchert und seinen Mitstreitern geblieben. Erst vor Kurzem fanden sie im Internet einen Keramik-Flaschenverschluss mit der Aufschrift "Paul Peters Brauerei". Peters hatte die Brauerei 1889 gegründet und später an Karl Reppin verkauft. "Das ist Goldstaub", meint Kirchert- und seine Augen leuchten.

Von Andreas Kaatz

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