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Havelland Für Havelbus-Chef ist Warnstreik unangebracht
Lokales Havelland Für Havelbus-Chef ist Warnstreik unangebracht
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11:14 09.02.2017
Kein Bus am Morgen in Falkensee.
Kein Bus am Morgen in Falkensee. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Falkensee

Nur ein Bus ist zu Beginn der Frühschicht am Donnerstagmorgen vom Havelbus-Betriebshof in Falkensee gefahren. „Ein Fahrer, der nicht in der Gewerkschaft ist“, sagt Peter Schmietow von Havelbus. Gemeinsam mit einigen Busfahrern steht er vor dem Tor und erwärmt sich an der kleinen Feuerschale. Warnstreik heißt auch frieren, aber das nehmen die Kollegen in Kauf. „Wir haben keine andere Chance auf unsere Situation aufmerksam zu machen“, so Schmietow. Deswegen müsse man die Arbeit ruhen lassen, auch wenn es den Schüler- und Berufsverkehr betrifft. „Wenn die Erzieherinnen in den Kitas streiken, fragt ja auch niemand, wo die Kinder blieben.“

Verdi ist von Arbeitgeber-Angebot enttäuscht

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte die rund 190 Beschäftigten der Havelbus-Verkehrsgesellschaft am Donnerstag zwischen 3.15 Uhr und 9 Uhr zum Warnstreik aufgerufen, weil die bisherigen drei Tarifrunden aus Sicht der Gewerkschaft enttäuschend verlaufen seien. „Die Angebote der Arbeitgeber sind nicht akzeptabel“, sagt Marco Pavlik, Verdi-Verhandlungsführer.

Die haben bisher angeboten, den Einstiegslohn für neue Busfahrer von 1900 Euro brutto um 112 Euro zu erhöhen. Die älteren Kollegen sollen demnach eine Einmalzahlung von 400 Euro erhalten. „Das ist nicht gerecht. Wir wollen, dass sich in den Lohntüten aller Kollegen spürbar und dauerhaft etwas tut“, so Peter Schmietow. Ebenfalls sollten die unterschiedlichen Lohntabellen für neue Busfahrer und langjährige Beschäftigte wegfallen. „Eine einheitliche Vergütung ist wichtig“, so Schmietow. Weitere Forderungen von Verdi sind eine bessere Entschädigung bei geteilten Diensten von derzeit zwei Euro auf vier Euro. Das bedeutet: Wenn ein Busfahrer morgens im Berufsverkehr von 6 bis 9 Uhr drei Stunden fährt und dann erst wieder ab 15 Uhr eingesetzt wird, erhält er für die Zwischenzeit derzeit lediglich zwei Euro.

Kein Verständnis beim Havelbus-Chef

Für Havelbus-Geschäftsführer Mathias Köhler ist der Warnstreik „zum gegenwärtigen Zeitpunkt unangebracht. In der kommenden Woche steht doch eine weitere Verhandlungsrunde an. Ich denke, dass erstmal über das gute Angebot der Arbeitgeber gesprochen werden sollte.“ Aus seiner Sicht ist der Warnstreik sehr ruhig abgelaufen. „Im Raum Rathenow und Nauen konnten wir mit unseren Nachauftragnehmern etwa ein Drittel der Linien besetzen, vor allem die Überlandlinien sind gefahren. In Falkensee gab es dagegen fast Stillstand.“

Von Jens Wegener

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09.02.2017