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Havelland Futter für den Weltenbrand
Lokales Havelland Futter für den Weltenbrand
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09:14 18.02.2015
Aus einem Dorf wird eine Stadt: Blick vom Premnitzer See auf den Bau der Pulverfabrik im Winter 1915/16. Quelle: Repro: J. Mai
Premnitz

Nachdem etwa 2000 Morgen Land einschließlich der ehemaligen Ziegelei aufgekauft waren, begann im Sommer 1915 der Bau der Fabrikanlagen. Dieses Tempo veranlasste den Königlichen Landrat des Kreises Westhavelland in einem Schreiben vom 9. Juli 1915 an den Amtsvorsteher des Amtes Premnitz, die noch fehlenden Anträge für die Ansiedlungsgenehmigung sowie die gewerbe- und baupolizeiliche Genehmigung anzumahnen. Deutsch-preußische Ordnung musste sein.

Bereits im Frühjahr 1916 wurde in der Pulverfabrik produziert. Der Bedarf an Schießpulver stieg im dritten Jahr des Ersten Weltkrieges sprunghaft. Im Herbst 1916 wurde gemäß des „Hindenburg-Programms“ mit der zehnfachen Vergrößerung der Pulverfabrik begonnen.

Eine Fabrik für Schießbaumwolle wurde in Premnitz errichtet, um diesen für das Schießpulver notwendigen Stoff in ausreichender Menge vor Ort herstellen zu können. Da durch den Krieg Mangel an Baumwolle bestand, diente zur Herstellung der Nitrozellulose ein aus Nadelhölzern hergestellter Zellstoff, der in Form von dünnem Krepp-Papier eingesetzt wurde.

Die Pulver- und Schießbaumwollefabrik wurden als selbstständige Komplexe in größerer Entfernung vom damaligen Dorf erbaut, um eine Gefährdung der Bevölkerung durch schädliche Dämpfe oder Explosionen zu verhüten. Auch die Gebäude Pulverfabrik waren in Abständen weiträumig angelegt, um eine Übertragung von Bränden und Explosionen zu vermeiden.

Große Schwierigkeiten bereitete die Beschaffung der hohen Anzahl an Arbeitskräften. Über Inserate wurde deutschlandweit geworben. In Rathenow richtete die Pulverfabrik in der Nähe des Bahnhofes eine Arbeiter-Annahmestelle ein, um zu vermeiden, dass die mit der Bahn anreisenden Arbeiter, die nach Premnitz weiterfahren wollten, von Rathenower Firmen abgefangen und eingestellt wurden, was wiederholt vorgekommen ist.

Hochnitrierte Zellulose

Schießbaumwolle ist hochnitrierte Zellulose – eine weiße, watteähnliche Substanz, die bei Stoß oder durch einen Funken explosionsartig verbrennt. Sie dient noch heute zur Herstellung raucharmer Pulver.
Der Bahnhof „Premnitz Süd“ wurde 1916 als Werkbahnhof gebaut. Von hier besteht an den Wochenenden eine Bahnverbindung zum Lehrter Bahnhof in Berlin.
Um das Gelände per Werkbahn an den Premnitzer Hafen anzuschließen, entstand von 1916 bis 1918 die Brücke über die Fernverkehrsstraße. Das Bauwerk ist heute ein Wahrzeichen von Premnitz.

Außerdem wurden Werber aus der Premnitzer Belegschaft in ihre Heimatregionen geschickt, um Arbeitskräfte heranzuschaffen. Bei mindestens 10 Personen, die sie mitbrachten, bekamen sie eine Reichsmark pro Kopf. Eine direkte Bahnverbindung brachte Arbeitskräfte aus Berlin.

Im Herbst 1917 waren einschließlich der Bau- und Montagearbeiter ca. 7500 Arbeitskräfte im Werk beschäftigt. Untergebracht waren sie in Baracken, zum Teil auch in Tanzsälen umliegender Ortschaften. Gleichzeitig mit dem Bau der Pulverfabrik begann der Bau einer Arbeiterkolonie mit 50 Familienwohnhäusern und einem Kaufhaus, der sogenannten Konsumanstalt. In der Nähe der Kolonie wurden Steinbaracken als Ledigenheime gebaut.

In der neu angelegten Mackensenstraße (heute Beethovenstraße) wurden Wohnhäuser für Betriebsmeister und am See für leitende Angestellte gebaut. Man lebte allerdings gefährlich im Premnitzer Werk. Infolge unzureichender Kenntnis über die Brisanz des Pulvers und Unvorsichtigkeit kam es zu mehreren schweren Unfällen, bei denen bis 1918 insgesamt 14 Arbeiterinnen und Arbeiter ums Leben kamen.

Sicher wirkte sich auch der hohe Leistungsdruck während der Kriegsjahre negativ auf die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen aus. Mit Kriegsende und gemäß der Bedingungen des Versailler Vertrages wurde die Pulverfabrik stillgelegt und teilweise demontiert. Im März 1919 lag die Beschäftigtenzahl unter 500.

Von Jürgen Mai

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