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Havelland Gartenbahn vom Gollenberg soll nach Zsobok
Lokales Havelland Gartenbahn vom Gollenberg soll nach Zsobok
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00:17 30.03.2017
Richard Dahlmann mit seiner Gartenbahn auf einer Postkarte vom Anfang der neunziger Jahre. Quelle: privat
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Stölln

Manuela Neubüser ist am vergangenen Wochenende wieder in das rumänische Dorf Zsobok gefahren, um dort im Kinderheim zu helfen. Die in Rathenow frei niedergelassene Hebamme bringt einen Transporter voller Spenden von Menschen im Westhavelland dort hin und hat sich diesmal vorgenommen, das Bekleidungslager neu zu ordnen. Seit 1991 unternimmt die 60-Jährige mehrmals im Jahr solche Fahrten, die im Durchschnitt eine Woche dauern.

Im September 2014 und 2016 ist er ihr durch Spenden dann sogar gelungen, jeweils eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus dem Heim für einen einwöchigen Erholungsaufenthalt ins Westhavelland zu holen. Jetzt hat sie sich ein neues Projekt vorgenommen, das schwer zu verwirklichen scheint. Sie will eine große Gartenbahnanlage am Stöllner Gollenberg demontieren und nach Zsobok bringen lassen.

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Alle Menschen, die jemals die Straße zum Gollenberg hochgepilgert sind, wissen wovon die Rede ist: Der Stöllner Richard Dahlmann, der 1994 verstarb, hat zu DDR-Zeiten auf seinem Grundstück eine Gartenbahnanlage errichtet, die unvergleichlich ist. 1968 fing er zunächst mit einem steinernen Nachbau der Wartburg an. Dann schuf er mit eigenen Händen nach und nach eine weitläufige Anlage mit Hochstrecke, Bahnhof und Schwimmbad, auf der er diverse zentnerschwere Eigenbau-Loks fahren ließ. Besonders auffällig ist der rund zehn Meter hohe Nachbau des Berliner Fernsehturms.

Als Neubüser im letzten September auf dem Weg zum Flugzeug „Lady Agnes“ mit ihrer rumänischen Kindergruppe dort vorbeikam, durften sie längere Zeit auf der Anlage spielen. Dann bot ihr Gertraude Tkotz, eine Tochter Richard Dahlmanns, angesichts des freudigen Spiels an, ihr und den Kindern eine Lok zu schenken.

Richard Dahlmanns Tochter Getraude Tkotz heute mit einer der vielen Loks, die ihr Vater für die Gartenbahn gebaut hat. Quelle: Bernd Geske

Daraufhin machte Neubüser gleich Nägel mit Köpfen und regte an, ihr besser das gesamte Bahnensemble zu geben, damit sie es zu den Kindern nach Zsobok bringen und dort wieder aufbauen lassen kann. Einige Zeit später tagte der Familienrat der Dahlmann-Erben, zu denen neben der Tochter auch vier Brüder gehören, und stimmte zu, die Anlage nach Rumänien zu verschenken.

„Wir schaffen es selbst nicht, die Anlage zu erhalten“, sagt Gertraude Tkotz, „das würde unheimlich viel Zeit und Geld erfordern, und das schaffen wir einfach nicht.“ Die Familie sei zu der Meinung gekommen, dass es auch im Sinne ihres Großvaters wäre, wenn die Bahn erhalten bliebe, selbst wenn sie in Rumänien wieder zum Leben erweckt werden sollte. Ihr Vater sei Meister im Trockenwerk gewesen, berichtet sie, viele Teile der Gartenbahn habe er aus Schrott gebaut, weil es zu DDR-Zeiten ja kaum etwas gab. Die Bahnen seien alle einmal gefahren und der Fernsehturm habe sogar geleuchtet. Allein die Wartburg solle da bleiben, und eine Lok mit Tender und einem Hänger wolle sie zur Erinnerung behalten. Sie ganze Familie fände es schön, sagt Getraude Tkotz, wenn das Vorhaben umgesetzt werden könnte.

Wenn Manuela Neubüser jetzt in Zsobok ist, versucht sie zwei kundige Männer zu finden, die im Sommer dieses Jahres die Anlage in Stölln abbauen würden. Einen Lkw für den Transport wird sie brauchen und wohl auch einen Kran für Demontage und Beladen. „Es wäre sicher gut, wenn sich hier jemand finden würde, der den Abbau fachlich begleitet“, sagt sie.

Grundsätzlich wird es ohne Spenden und Sponsorenleistungen wohl nicht funktionieren. Sollte jemand Unterstützung anbieten wollen, Manuela Neubüser ist zu erreichen unter der Telefonnummer 0171/23 67 048. Klappt es wie gewünscht, könnte die Gartenbahn aus Stölln im Frühjahr 2018 in Zsobok eingeweiht werden. Dazu wird eine Spendenbox gestellt, um Einnahmen zu erzielen.

Es kommen öfter Reisegruppen, die Dorf und Kinderheim besuchen, sagt Neubüser, die sich auch über die Gartenbahn freuen würden. Für die Spendeneinnahmen hat sie schon einen guten Zweck gefunden: Es gebe einige Kinder und Jugendliche im Heim, erklärt sie, die aus rechtlichen Gründen nicht zu ihr nach Deutschland fahren dürfen. Mit ihnen will sie einige Tage in der Nähe von Zsobok zelten und das mit den Spendeneinnahmen bezahlen.

Von Bernd Geske