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Havelland Gesichter mit Linien des Leids
Lokales Havelland Gesichter mit Linien des Leids
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06:41 08.05.2018
Mädchen mit Teddybär. Der syrische Maler Imad Alfil, geboren 1990, setzt das Trauma der Flucht in beeindruckende Kunst um. Quelle: Hans-Peter Theurich
Falkensee-Finkenkrug

Imad Alfil sitzt am Esstisch in seiner Finkenkruger Wohngemeinschaft und schweigt. Über die näheren Umstände seiner Flucht aus der westsyrischen Kleinstadt Masyaf möchte er nicht sprechen.

Er ist Maler, hat in Damaskus und Aleppo drei Jahre freie Kunst studiert, bis es der Bürgerkrieg unmöglich machte. Sein letztes in Damaskus gemaltes Bild wurde auf der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland beschädigt. Das ganze erste Jahr in Deutschland konnte er überhaupt nicht malen – sein rechter Arm schmerzte. „Ich wollte nicht vor mir selbst weglaufen“, sagt der Maler.

Wenn ihm der Deutschunterricht heute Zeit zum Arbeiten lässt, baut er eine Staffelei auf zwischen Schreibtisch und Sofa und malt. Oder er zeichnet große Formate in Pastell – das geht gut in dem Atelier, das er auch als Esszimmer mit beiden Brüdern und der Mitbewohnerin nutzt. „Manchmal malt Imad einen Monat gar nicht, und dann plötzlich explodiert er geradezu vor Schaffensdrang“, sagt seine Freundin Tatjana Bach.

Die traumatischen Erlebnisse auf dem Weg nach Deutschland kann ahnen, wer sich Imad Alfils Bilder anschaut: Da gibt es überfüllte Boote auf dem Kamm einer Welle gen Himmel balancierend und gefangen in einem Gewirr von feinen Fäden. Auf einem anderen Bild schläft ein Mann in einer einsamen Kammer neben einer Uhr ohne Zeiger – offensichtlich hat er das Vertrauen in die Zukunft verloren. Vor dem Fenster eine einzige Blume – wie eine stummer Schrei nach Frieden. Eine weißgelbe Narzisse hatte der junge Syrer aus seiner Heimat mitgebracht.

Kunststudium wegen des Krieges abgebrochen

Imad Alfil, Jahrgang 1990, lebte nach seiner Flucht aus Syrien vom August 2015 bis März 2017 in Bad Belzig. Seit April 2017 ist er in Falkensee-Finkenkrug zu Hause.

Aufgrund des Krieges und der Flucht aus Syrien musste er sein Kunststudium an der Akademie der schönen Künste in Aleppo und Damaskus im 3. Jahr abbrechen.

In Deutschland möchte er das Studium wieder aufnehmen. „Ich bin sehr dankbar, in Brandenburg erste Ausstellungen ermöglicht bekommen zu haben und hoffe mit meinen Bildern die innere Welt der Geflüchteten deutlicher machen zu können“.

Mehr über ihn unter www.imad-alfil.de

„Die innere Welt der Geflüchteten bildet meine Kunst ab. Sie handelt auch von meinen Erlebnissen in jener dramatischen Zeit. Die tiefen menschlichen Gefühle dieser Situationen will ich sichtbar machen“, erzählt Imad Alfil.

Auf seiner Internetseite sind die Bilder zu sehen. 2016 geht es wesentlich um die Gegebenheiten der Flucht, immer wieder Massen von Menschen in Booten, ein verlassenes Kind mit einem Teddy; Menschen, deren Gesichter von verlorenen Hoffnungen erzählen.

Sein in Stücke zerfallenes Leben

Ein Jahr später wirken vor allem die Porträts wie getupft, als müsse sich der Maler sein in Stücke zerfallenes Leben neu zusammensetzen. Gesichter verarbeiten Not und Schrecken, aber jetzt viel drastischer, schärfer in den Blick genommen. Noch einmal dramatischer erscheinen die jüngsten Bilder, großformatige Pastelle.

Abstrahierte Porträts ohne Titel als Ausdruck des Leids, das ihn und viele andere Flüchtlinge geprägt hat. Tief schneidet der Künstler Falten und Linien in die Gesichter, als würde sich langsam die Trauer über das Verlorene in wütend-konstruktive Energie verwandeln.

In Berlin, Leipzig und Hessen nach Studienplatz gesucht

Mittlerweile hat Imad Alfil neuen Mut gefasst. In Berlin, Leipzig und Hessen zeigte der 1990 Geborene seine Mappe auf der Suche nach einem Studienplatz. Wenn alles klappt, kann er dieses Jahr in Kassel weiter studieren.

„Wenn ich male, höre ich gern Musik, Akkordeon und Oud zum Beispiel, das Saiteninstrument ist mit der europäischen Laute verwandt. Sehr gern mag ich die libanesische Sängerin Fairuz. Und manchmal höre ich Hard Rock, je nach Stimmung“, sagt der Künstler.

Mit seiner Malerei die Wirklichkeit abbilden

In Syrien wollte er mit seiner Malerei die Wirklichkeit abbilden, ganz akademisch. „Jetzt interessiert mich das nicht mehr. Gefühle auszudrücken ist mir wichtiger.“ Auch die traditionelle Ölmalerei reizt ihn derzeit nicht. Er probiert Mischtechniken aus, wie Aquarell und Pastell, um seine Freiheit auszuloten.

In Syrien hatte er Aufträge für Porträts. „Das dauert jedesmal mindestens drei Tage. Dafür habe ich im Moment neben meinem Sprachkurs keine Zeit.“

Derzeit sind Imad Alfils Bilder in der Ausstellung „Chaos der Linien – die neuen Bilder“ im Hans-Otto-Theater in Potsdam zu sehen. Noch bis zum 25. Juni läuft eine Schau im Brandenburger Landtag in Potsdam. Dann folgt eine Ausstellung im Restaurant Bahnhof Rehagen bei Zossen – zu sehen bis August.

Schon in den vergangenen Jahren waren Imad Alfils Gemälde in der Öffentlichkeit zu sehen, etwa in der Schau „Sehnsucht nach der Fremde“, in Görzke, an der auch der Falkenseer Maler Wolfgang Sterrer beteiligt war.

Von Judith Meisner

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