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Havelland Gnadenfrist für alte Eichen
Lokales Havelland Gnadenfrist für alte Eichen
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18:13 30.01.2018
Die betroffenen Eichen in Schönholz.
Die betroffenen Eichen in Schönholz. Quelle: Norbert Stein
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Schönholz

Die Abgeordneten der Gemeinde Gollenberg haben am Montagabend einen Einwohnerantrag abgelehnt, in dem die Fällung der Eichen entlang der Waldstraße im Ortsteil Schönholz-Neuwerder gefordert wird. Grund für die Ablehnung waren nach Prüfung des Antrags durch die Wahlbehörde des Amtes Rhinows Formfehler.

Zwar hatten 28 Einwohner aus dem Ortsteil Schönholz den Antrag unterschrieben. Die Prüfung ergab aber, dass 13 Einträge nicht die Voraussetzungen für einen rechtmäßigen Einwohnerantrag erfüllten. Unter anderem fehlten Datum, Postleitzahl oder die Ortsangabe. Lediglich 15 Unterschriften waren mit allen erforderlichen Angaben versehen. 17 rechtmäßige Unterschriften wären für einen gültigen Einwohnerantrag notwendig gewesen.

So hat sich der Antrag erledigt. Jedoch nicht das Eichenproblem, dass viele Schönholzer schon lange beschäftigt – vor allem seit den letzten Oktoberstürmen. Die Stürme rüttelten auch die 120 bis 180 Jahre alten Eichen entlang der Waldstraße kräftig durch, rissen starke Äste ab und sorgten so für Gefahr im Dorf. Die imposante Eichenallee ist seither erstes Gesprächsthema im Dorf. Die Debatten führten zu der Unterschriftensammlung.

Die Forderung, Eichen zu fällen, findet im Dorf nicht nur Befürworter. Rund 20 Einwohner diskutierten lebhaft mit den Abgeordneten und wollten von ihnen wissen, wie es nun weitergeht mit den Bäumen in der Waldstraße. Die Formulierung im Einwohnerantrag sei sicherlich etwas unglücklich gewesen, warb die Schönholzer Ortsvorsteherin Sylvia Kraft zunächst um emotionale Beschwichtigung. „Niemand hat die Absicht, alte Bäume ohne Notwendigkeit zu fällen“, sagte sie.

Auf die Frage eines Anwohners, wie oft im Amt Rhinow die Bäume begutachtet werden, antwortete Ordnungsamtsleiter Michael Mirschel: „Etwa einmal im Jahr oder nach Bedarf.“ Innerorts von Schönholz habe er Mitte Januar 32 Bäume kontrolliert und für vier Eichen zusätzlich einen Baumgutachter hinzugezogen. Ergebnis sei, so Mirschel, dass die Einschätzung „Verkehrssicherheit gegeben“ für neun Bäume zutrifft. An fünf Bäumen hat er starke trockene oder lose Äste festgestellt. Ihre Verkehrssicherheit sei nicht gegeben. 18 Bäume mit trockenem Astwerk wurden vom Ordnungsamtsleiter mit „Verkehrssicherheit zweifelhaft“ eingestuft. Zudem wurde an drei Bäumen Eichenfeuerschwamm festgestellt. Der Pilzbefall macht weitere Untersuchungen durch einen Baumgutachter erforderlich.

Zur Gewährleistung der Sicherheit sind nun umfangreiche Arbeiten notwendig. Eine Eiche muss gefällt werden. An 22 Bäumen müssen die Kronen um etwa 30 Prozent zurückgeschnitten und trockenes Holz entfernt werden. Und sicherlich ist dabei in den letzten Jahren Vernachlässigtes nachzuholen.

Der Ordnungsamtsleiter wird die Arbeiten nun zur Vergabe an einen Forstbetrieb ausschreiben. Die zu erwartenden Kosten schätzt er mit etwa 500 Euro je Baum ein. Weil Anfang der 1990er Jahre neben den Bäumen eine Trinkwasserleitung verlegt wurde, ohne dabei den Wurzelschutz zu beachten, werden nun zusätzlich noch Probebohrungen veranlasst. Sie sollen Aufklärung darüber bringen, ob die Wurzeln beschädigt sind.

Zuständig ist die Gemeinde für weitere 84 Bäume, die an der Straße von Schönholz nach Ohnewitz stehen. Die Bäume wurden 2018 noch nicht kontrolliert, weisen aber augenscheinlich ebenfalls einen erhöhten Kronenpflegebedarf aus.

Von Norbert Stein