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Havelland Großversuch: Wenn die Nacht verloren ist
Lokales Havelland Großversuch: Wenn die Nacht verloren ist
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22:06 20.09.2018
Wenn’s nicht mehr dunkel wird: Im Westhavelland läuft das Forschungsprojekt „Verlust der Nacht”. Quelle: Norbert Stein
Gülpe

Vorausgesetzt das Wetter spielt mit, sieht in der dünn besiedelten Region an der Havel in der Nacht bis zu 4000 Sterne am dunklen Himmel. In Großstädten wie Berlin lediglich nur etwa 50. Unzählige Lichter, Leuchtreklamen, von Scheinwerfern angestrahlte Brücken und Sehenswürdigkeiten, Straßenlampen und weitere Lichtquellen sorgen dafür, dass es in Großstädten in der Nacht nicht mehr richtig dunkel wird.

Immer mehr künstliches Licht

Künstliches Licht ist weit verbreitet und nimmt weltweit jährlich um etwa zwei bis sechs Prozent zu. „Wenn die Nacht zum Tag wird, bringt das auch die Tierwelt aus dem Takt“, sagte Sibylle Schroer beim diesjährigen Astrotreff in Gülpe in einem Vortag mit dem Thema „Lichtverschmutzung - Was können wir tun?“

Sibylle Schroer ist wissenschaftliche Koordinatorin am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin für das Forschungsprojekt „Verlust der Nacht“ und engagiert sich zudem für die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, die sich mit dem Einfluss von künstlichem Licht auf Umwelt und Gesellschaft beschäftigen. Lange Zeit etwas stiefmütterlich behandelt, rücken diese Themen seit einigen Jahren zunehmend stärker in den Fokus wissenschaftlicher Forschungen und Untersuchungen. Das Projekt „Verlust der Nacht“ wird auch mit einer groß angelegten Versuchsreihe im Westhavelland vorangetrieben

Taghell ausgeleuchtete Felder sind Teil des Forschungsprojektes „Verlust der Nacht”. Quelle: Norbert Stein

Licht ist nicht neutral, es wirkt auf fast alle Lebewesen auf der Erde, auch auf den Menschen. Viele Wirbeltiere und 64 Prozent aller Insekten sind in der Nacht aktiv. Vögel wachen in hell erleuchteten Orten früher auf und beeinflussen auch das Verhalten der Fische im Wasser. Nachtaktive Tiere fühlen sich vom Licht geblendet. Straßenlampen mit heller und breiter Ausstrahlung werden für Insekten zur Falle.

Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei konzentriert sich mit dem Forschungsprojekt „Verlust der Nacht“ auf die Auswirkung von künstlichem Licht auf ein breites Spektrum biologischer Prozesse. Für die Erforschung der Auswirkungen von Straßenbeleuchtung auf ein Grünland-Graben-System nutzt das Institut ein Versuchsfeld im Natur- und Sternenpark Westhavelland.

Interessante Ergebnisse

Im Frühjahr 2012 wurden auf zwei Wiesen, die an einen Graben grenzen, jeweils zwölf Lichtmasten aufgestellt und daran Insektenfallen angebracht. Auf einem Versuchsfeld wurden die Lampen in der Nacht für Forschungsuntersuchungen eingeschaltet, auf dem anderen Feld blieben sie ausgeschaltet. Auch der Graben wurde mit Forschungsgeräten versehen. So kamen die Wissenschaftler zu Erkenntnissen zum Verhalten der Insekten auf beiden Versuchsfeldern, die als Ergebnis in die Gesamtforschung „Verlust der Nacht“ einfließen.

Das Leibniz - Institut nutzt im Natur- und Sternenpark Westhavelland  zwei Versuchsfelder für  das Forshcungsprojekt „Verlust der Nacht“. Sibylle Schroer ist die wissenschaftliche Koordinatorin für das Forschungsprojekt.  Quelle: Norbert Stein

„Die Versuchsfelder im Natur- und Sternenpark Westhavelland möchten wir auch in den kommenden Jahren weiter nutzen“, sagt Sybille Schroer. Dafür wurde beim Bund eine weitere Förderung beantragt. Wird der Antrag bewilligt, möchte das Leibniz-Institut die Versuchsfelder im Westhavelland zur Erprobung von Straßenbeleuchtungen, die das Ökosystem und die nächtliche Dunkelheit schonen, nutzen.

Der Verlust der Nacht

In dem interdisziplinären Projekt „Verlust der Nacht“ untersuchen Wissenschaftler erstmals gemeinsam die ökologischen, gesundheitlichen sowie kulturellen und sozioökonomischen Auswirkungen, aber auch die Ursachen für die zunehmende Beleuchtung der Nacht.

Auf Grundlage dieser Forschungsergebnisse sollen Lösungsansätze für moderne Beleuchtungskonzepte und nachhaltige Techniken entstehen.

Die Forschung wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung Berlin. Der Forschungsverbund ist zudem eingebunden in die Forschungsplattform MILIEU an der Freien Universität Berlin.

Um das Thema Lichtverschmutzung auf EU-Ebene zu heben, initiierte „Verlust der Nacht“ das Netzwerk LoNNe (Loss of the Night Network). In dieser Aktion partizpieren mittlerweile Partner aus 18 Ländern, um sich dieser Aufgabe wissenschaftlich anzunehmen.

Ziel sei auch, so die wissenschaftliche Koordinatorin, praktische Beispiele zu schaffen. Mit der Umrüstung der Straßenbeleuchtung in einem Dorf im Amt Rhinow und einer Stadt in einer anderen Region.

Von Norbert Stein

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