Havelland: Gelbe Tonne statt Gelber Sack
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Havelland: Gelbe Tonne statt Gelber Sack

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12:57 18.02.2021
Flächendeckend soll die Gelbe Tonne im Landkreis Havelland eingeführt werden.
Flächendeckend soll die Gelbe Tonne im Landkreis Havelland eingeführt werden. Quelle: Varvara Smirnova
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Havelland

Der Landkreis Havelland möchte ab dem 1. Januar 2023 verbindlich und flächendeckend die so genannte Gelbe Tonne einführen. Das geht aus einer Beschlussvorlage hervor, die der Kreistagsausschuss für Umwelt in der kommenden Woche berät. Mit Einführung der Gelben Tonne würde die Entsorgung von Plastik und Blech im Gelben Sack abgeschafft.

Säcke türmen sich am Straßenrand

Der Wunsch, die Gelbe Tonne einzuführen, sei insbesondere von Bürgermeistern und Amtsdirektoren geäußert worden. An den Tagen, zu denen die Gelben Säcke in den Städten und Dörfern abgeholt werden, türmen sich die Säcke am Straßenrand. Oft werden sie von Rowdys, denen der Sinn nach Randale steht, zerfleddert und zerrissen. Dann verteilt sich der Dreck über die Straße.

Schlimm sei es auch, so die Bürgermeister und Amtsdirektoren in einer schriftlichen Notiz zu einer Sitzung bei Landrat Roger Lewandowski, wenn es stürmisch ist. Dann werden die Säcke über das gesamte Stadt- oder Dorfgebiet verteil. Und schließlich gibt es Zeitgenossen, die ihre Gelben Säcke unabhängig vom Abholetermin an den Straßenrand legen und sich nicht davor scheuen, die Säcke auch vor Nachbarhäusern zu deponieren, wo sie dann tagelang liegen bleiben. Der Wunsch der Hauptverwaltungsbeamten war, dass die Tonne alle zwei Wochen abgeholt wird – so, wie jetzt die Gelben Säcke. Das könnte allerdings schwierig werden.

Debatte über Abholrhythmus

Die Vorlage wurde noch von Kreisumweltdezernent Henning Kellner vorbereitet, der sich mittlerweile im Urlaub befindet, anschließend geht er in den Ruhestand. Bei seinen Recherchen stellte er fest, dass die DSD-Abholsysteme nicht unbedingt der Einführung einer Kompletteinführung der Gelben Tonne in einem Landkreis zustimmen.

Der Grund ist, dass die Beschaffungskosten für die Behälter hoch sind. Die Kosten tragen die Abholsysteme. Zudem sei die Gefahr groß, dass die Gelben Tonnen mit Abfall befüllt sind, der dort gar nicht hinein gehört. „Störstoffe“ heißt das bei den Experten. Es gebe Erfahrungsberichte, aus denen hervorgeht, dass Gelbe Tonnen bis zur Hälfte mit normalem Restmüll befüllt waren. Dazu komme, dass die Leerung der Gelben Tonne auf jeden Fall zeitaufwendiger ist, als das Abholen der Gelben Säcke.

Abholung alle vier Wochen denkbar

In der Vorlage für die Kreistagsabgeordneten kommt Henning Kellner zu dem Ergebnis, dass der flächendeckenden Einführung der Tonne wohl nur dann von Seiten der Entsorger zugestimmt werde, wenn die Tonne nur alle vier Wochen abgeholt wird.

Das wiederum dürfte diejenigen verärgern, die sich eine Gelbe Tonne vor die Türe stellen müssen. Denn sie müssten dann auf jeden Fall ein relativ großen Behälter nehmen – was entsprechende Kosten zur Folge hätte. Grundsätzlich ist die Stimmung allerdings eher so, dass die Einführung der Gelben Tonne auf Zustimmung stößt.

Verhandlungen können beginnen

Nun ist Eile geboten. Wenn die Gelbe Tonne flächendeckend im Havelland eingeführt werden soll, dann müssen die Verhandlungen dazu in diesem Jahr geführt werden. Dabei ist auch berücksichtigt, dass es eventuell zu schwierigen Gesprächen bezüglich des Abholrhythmuss’ kommt. Die Vergabeausschreibung würde dann im Frühjahr 2022 erfolgen.

In dem Papier, das vom Umweltdezernat des Kreises erarbeitet wurde, wird auch die Möglichkeit abgewogen, den 14-Tage-Abholrhythmus einzuklagen. Das sei bereits in anderen Landkreisen versucht worden – letztlich hatten die Kläger aber keinen Erfolg.

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Wer bereits jetzt seinen Müll in der Gelben Tonne lagern und entsorgen will, der kann das tun. Die Havelländische Abfallwirtschaft, die gerade am vergangenen Dienstag in Rathenow wieder die Gelben Säcke einsammelte, leerte auch mehrfach Gelbe Tonnen.

Diejenigen, die bereits eine Gelbe Tonne besitzen, halten das für eine gute Investition. Geschätzt wird, dass die Tonnen fest am Straßen- oder Wegesrand stehen und nicht durch die Gegend gefegt werden, wenn es mal stürmt.

Von Joachim Wilisch