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Havelland Heimische Tiere der besonderen Art
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18:24 08.01.2018
Auch der Violettsilberfalter kommt in  Harald Hausers Naturführer vor.
Auch der Violettsilberfalter kommt in Harald Hausers Naturführer vor. Quelle: privat
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Brieselang

Unzählige Stunden verbrachte Harald Hauser gemeinsam mit seiner Tochter Inga im vergangenen Jahr im Brieselang und auf den Wanderwegen in der Döberitzer Heide. Mit Kamera und Notizblock im Gepäck machten sie sich auf die Suche nach Tagfaltern und Urzeitkrebsen. Die Ergebnisse hat Harald Hauser nun aufgeschrieben und in zwei Naturführern veröffentlicht.

Im ersten Heft widmet sich der 50-Jährige ganz den heimischen Tagfaltern. 98 Arten sind darin vereint. Der Führer liefert neben Bildern der Vorder- und Rückseiten auch Informationen zum Lebensraum und der Zeit, in der sie besonders häufig vorkommen.

Harald Hauser aus Brieselang hat zwei Naturführer für Tagfalter und Urzeitkrebse geschrieben. Quelle: Danilo Hafer

„Ich wollte einen Naturführer schreiben, mit dem die Leute die heimischen Arten ganz einfach bestimmen können und den sie bei einer Wanderung in die Tasche stecken können“, sagt Harald Hauser. Die Fotos in dem Buch hat der Biologe gemeinsam mit seiner Tochter allesamt selbst gemacht und erlebte dabei so manche Überraschung. „So haben wir zum Beispiel den Kleinen Eisvogel gesehen, von dem ich nicht wusste, dass er im Brieselang vorkommt“, so Hauser.

Auf eine ganz besondere Spezies richtet der Biologe seinen Blick in in dem zweiten Heft. „Der Brieselang ist ein Hotspot für den Frühlingsfeenkrebs und den Frühlingsschildkrebs“, sagt er. Die beiden Arten gehören zu den Urzeitkrebsen, die schon vor 220 Millionen Jahren auf der Erde gelebt haben sollen, das hätten Fossilienfunde ergeben. „Der Frühlingsfeenkrebs wurde so benannt, weil er sich ganz grazil durchs Wasser bewegt“, so Hauser. Sein Körper ist so fein, dass er, sobald er sich außerhalb eines Gewässer befindet, sofort zusammenfällt.

Etwas anders ist es da beim Schildkrebs, der von einem Panzer umgeben ist. Eines haben beide Arten dennoch gemeinsam: „Sie leben nur in temporären Gewässern, also Pfützen oder Tümpeln“, so Hauser. Ein Schildkrebs wird so manchmal nur knapp zwei Wochen alt.

In dieser Zeit wächst er, legt Eier und stirbt. Füllt sich die Fläche im nächsten Jahr wieder mit Wasser, entwickeln sich aus den Eiern neue Krebse. „In den vergangenen Jahren sind die temporären Feuchtflächen allerdings stark zurückgegangen, dass sieht man auch, wenn man sich historische Aufnahmen aus den Gebieten anschaut“, so Hauser. Für das kommende Jahr ist er jedoch guter Hoffnung.

Seit dem Herbst haben sich die Tümpel wieder gefüllt und so rechnet der Biologe im März schon wieder mit den ersten Frühlingskrebsen. Im zurückliegenden Jahr hat Harald Hauser insgesamt sieben verschiedene Urzeitkrebsarten im Brieselang und der Döberitzer Heide gefunden und bestimmen können.

Erstmals erwähnt wurde der Frühlingsfeenkrebs übrigens 1860 von Benedict Dybowski. Dieser habe den Typus in der „Jungfernheide und beim Finkenkruge gefunden“. „Gemeint ist damit der alte Finkenkrug, ein Gasthaus, dass sich bis 1945 am Westrand von Falkensee befand“, sagt Hauser.

Heute stehen diese Arten auf der Roten Liste und sind bedroht. Hauser formuliert in seinem Buch daher auch mögliche Optionen mit denen die Lebensbedingungen der Urzeitkrebse wieder verbessert werden können.

Von Danilo Hafer