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Havelland Hühnergötter und Hofdamen auf Abwegen
Lokales Havelland Hühnergötter und Hofdamen auf Abwegen
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21:16 17.12.2017
Auf eine amüsante Führung mit den „Hofdamen auf Abwegen“ ging es im Paretzer Schloss.  Allerlei Amouröses kam zur Sprache.
Auf eine amüsante Führung mit den „Hofdamen auf Abwegen“ ging es im Paretzer Schloss. Allerlei Amouröses kam zur Sprache. Quelle: Wolfgang Balzer
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Paretz

„Herrlich diese Paretzer Dorfweihnacht, ich habe handgearbeitete Kindersachen und tolle weihnachtliche Deko-Artikel gekauft, auch wunderbar gegessen“, schwärmte Sieglinde von Paschke aus Marzahne am Sonntag während der Paretzer Dorfweihnacht – einen Becher heißen Met vom Paretzer Hobbyimker Manfred Schnell in der Hand. Gegenüber auf dem Luisenhof hatte bereits die Weihnachtsquadrille begonnen. Und mehr als 1000 Besucher drängten sich nach und nach in die Paretzer Scheune mit den unzähligen Offerten vom Kunsthandwerk bis zur „Heißen Havel“, einem der vielen Angebote zum Thema „Birnensaft küsst Wein“.

Für kalte Tage hatte Ulrike Winter von der Alpaka-Erlebnisfarm Willeminenhof unter dem scheunenhohen Weihnachtsbaum von den Socken bis zur Mütze für besonders kalte Tage alles im Angebot. Als Kontrastprogramm boten die Mitglieder der Ketziner Gruppe Künstlerische Textilgestaltung selbst gestaltete textile Arbeiten an. „Toll diese gemütliche Atmosphäre, alles so liebevoll gestaltet. Schöner als die üblichen Weihnachtsmärkte“, schwärmte Andrea Fritz mit Töchterchen Oda aus Potsdam vor dem Stand von Wolfgang Pergande, Hobbysegler aus Paretz. Der hat auf monatelangen Segeltouren allerlei Strandgut gesammelt und daraus ungewöhnliche Souvenirs gezaubert. Immer hat er eine kleine Sammlung Steine mit Löchern dabei, die so genannten Hühnergötter.

Götter ganz anderer Art hatte Anette Hollmann, Künstlerin und Heilpraktikerin aus Paretz dabei – eine Gruppe ihrer selbst gestalteten Taschengötter. Auch ein bunter Pa-pierdrachen war dabei – aus speziellem Grund. Noch gut in Erinnerung ist die spektakuläre Aktion mit dem in Flammen aufgehenden Phönix, der das Alte, Vergangene mitnahm. Nunmehr wird das nächste Jahr im Ketziner Garten Eden unter dem Zeichen des Drachen stehen, mit dessen Schöpferkraft symbolisch eine neue gute und friedliche Welt gestaltet werden soll, verriet sie schon mal.

Dann wurde es einen Moment sehr still in der zu dieser Zeit schon übervollen Scheune. „Alle Jahre wieder“ sang der Kinderchor der Ketziner Europaschule und stimmte auf das Weihnachtsfest ein. Begonnen hatte der Nachmittag allerdings im Paretzer Schloss mit einer recht turbulenten szenischen Schlossführung. Unter dem Titel „Zwei Hofdamen auf Abwegen“ plauderten die Geschwister Henriette von Viereck (Heike Zehender) und Dorothea von Viereck (Jaqueline Wille) über allerlei, vor allem Amouröses, vom Hofleben, so auch über den „durch alle Betten tobenden Casanova“. Na gut, die Herrschaft war nicht dabei. Königin Luise und ihr Gatte Friedrich Wilhelm waren bereits am Vortag mit 40 Kutschen und 200 Pferden abgereist. Man schrieb das Jahr 1805.

Langsam legte sich die Dunkelheit über die anheimelnde Atmosphäre im Dorf. Vor dem Schloss versammelten sich Engel und Hirten und die Besucher der Paretzer Dorfweihnacht. Zum 16. Mal begann das Krippenspiel mit dem lebenden Jesuskind, mehr als 30 Mitwirkenden und vielen Tieren. „Eine wunderbare, einmalige Atmosphäre“, schwärmte Astrid Börner aus Brandenburg im langen Zug durch Paretz vom Schloss zur Krippe auf dem Storchenhof.

Von Wolfgang Balzer