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Havelland Viele Rathenower sind nicht ganz sauber
Lokales Havelland Viele Rathenower sind nicht ganz sauber
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17:17 10.02.2017
Rathenows Schwimmhallenchef Andreas Lepert kontrolliert mehrmals täglich die Wasserqualität.
Rathenows Schwimmhallenchef Andreas Lepert kontrolliert mehrmals täglich die Wasserqualität. Quelle: Kniebeler
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Rathenow

Die Aufforderung in der Rathenower Schwimmhalle an die Badegäste, sich vor dem Eintauchen ins kühle Nass gründlich zu säubern, ist nun wirklich nicht zu übersehen. An jeder Tür, durch die man in den Duschbereich gelangt, prangt ein Aushang, auf dem in kurzen, verständlichen Sätzen erläutert wird, warum das Duschen vor dem Schwimmen so wichtig ist.

Und doch wird die Zahl derjenigen, die sich nicht daran halten, immer größer. „Wenn jemand die Halle betritt, der augenscheinlich nicht unter der Dusche war, dann schicke ich ihn zurück“, sagt Hallenchef Andreas Lepert. „Da gibt es kein Pardon.“

Die Gründe für die Unnachgiebigkeit Leperts liegen auf der Hand – aber offenbar leuchten sie immer weniger Menschen ein: Wer in ein Becken steigt, in dem auch andere Menschen sich bewegen, der sollte das möglichst sauber tun. Und sich vor dem Sprung ins Wasser den Dreck und Schweiß, der sich im Laufe eines Tages unweigerlich ansammelt, abspülen.

Allerdings gibt es ein noch viel gravierenderes Problem als die organischen Schmutzpartikel, die jeder Mensch mit sich herum- und möglicherweise ins Schwimmbad hineinschleppt. Die chemischen Verbindungen, die in Kosmetika und Körperpflegeprodukten enthalten sind, verunreinigen das Wasser um ein Vielfaches mehr. Das macht sich in der Wasserreinigungsanlage, die dafür sorgt, dass die strengen Grenzwerte nicht überschritten werden, bemerkbar. „Kommt es zu Verunreinigungen, wird mehr Chlor beigemischt“, so Lepert. Damit der Chlorgehalt wiederum in Grenzen bleibt, muss gleichzeitig automatisch Frischwasser zugeführt werden. Das alles kostet mächtig Energie. Und wäre vermeidbar, wenn die Gäste die Aufforderung, sich gründlich zu duschen, nicht ignorieren würden.

Aber das tun viele. Und es werden immer mehr. Woran das liegt, darüber kann Andreas Lepert nur spekulieren. Eitelkeit, Unwissenheit, mangelnder Respekt, fehlender Anstand – oft ist es eine Mischung aus diesen Motiven, die vor allem junge Menschen zu Duschmuffeln werden lässt.

Am Strand gerne gesehen, für die Schwimmhalle aber ungeeignet. Bade-Bermuda-Shorts. Quelle: dpa

Lepert berichtet von Teenies, die mit hochgesprayten Haaren und massenweise Schminke im Gesicht ins Becken wollen – und ihn dann verständnislos anblicken, wenn er sie zurück zum Duschen schickt. Problematisch sind auch Jungs, die in Bermudashorts aus Baumwolle antreten. Vielleicht noch mit der Unterhose darunter. Auf die Mode, den mit Designernamen beschrifteten Bund der Unterwäsche rausgucken zu lassen, wollen viele offenbar selbst in der Schwimmhalle nicht verzichten. „Das ist einfach unhygienisch“, sagt Lepert. Mit der bis zum Knie reichenden Bermuda-Unterhosen-Kombination wird jede Menge Schmutz ins Becken getragen. Vor allem, wenn sich – was immer wieder vorkommt – in den Taschen der Shorts noch alles Mögliche befindet: Taschentücher, Bonbons, Münzen, Papierzettel. „Was meinen Sie, was wir schon alles in unseren Filtern gefunden haben?“, sagt der Hallenchef.

Dank der hochmodernen Reinigungstechnik bleibt die Wasserqualität in den Rathenower Becken immer auf dem selben hohen Niveau. Allerdings treiben unvernünftige Badegäste mit dem geschilderten Verhalten die Energiekosten in die Höhe. Und schaden damit allen anderen, die sich an die Regeln halten: Und wie geht der ideale Besucher vor? „Nach dem Umkleiden unter die Dusche, nackig machen, gründlich waschen, Badehosen oder Badeanzug aus Nylon an und dann rein ins Vergnügen“, sagt Andreas Lepert. Keine Frage, der Mann weiß, wovon er spricht.

Nur nackt in die Sauna

Das richtige Verhalten in der Sauna ist, je nachdem in welchem Land man sich aufhält, unterschiedlich bewertet. Nackt oder mit Badebekleidung? – das ist die Frage.

In Rathenow ist die Sauna, wie fast überall in Deutschland, eine textilfreie Zone. Es ist – so steht es in der Hallenordnung – grundsätzlich untersagt, die Sauna mit Badehose, Badeanzug oder Bikini zu betreten.

Die Gründe dafür nennt Schwimmhallenchef Andreas Lepert: Zum einen verhindere Badebekleidung die in der Sauna erwünschte Schweißverdunstung. Zum zweiten sei es unhygienisch, wenn Menschen, die mit der schweißdurchtränkten Badebekleidung in der Sauna später eventuell noch das Schwimmbecken nutzten.

Von Markus Kniebeler