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Havelland Ideen für besseres Radeln gefragt
Lokales Havelland Ideen für besseres Radeln gefragt
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17:44 27.04.2018
Falkensee Verkehrsentwicklungsplan Foto: Tanja M. Marotzke Quelle: Tanja M. Marotzke
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Falkensee

Wenn es ums Mitreden geht, sind die Falkenseer überdurchschnittlich engagiert. Das bescheinigte Michael Schreiber den Gartenstädtern. Der Mann vom Berliner Büro LK.Argus stellte am Dienstagabend den überarbeiteten Entwurf für einen neuen Falkenseer Verkehrsentwicklungsplan (VEP) vor. In einer Online-Bürgerbefragung waren im vergangenen Jahr fast 1600 Hinweise eingegangen, Mittwoch kamen mehr als 80 Frauen und vor allem Männer, um in der Stadthalle über das Thema zu diskutieren.

Falkensee Verkehrsentwicklungsplan: Forum in der Stadthalle. Quelle: Tanja M. Marotzke

Die Falkenseer waren gekommen, um ihre Meinung zu sagen. Rayk Lagodka aus Waldheim war der erste, der das Wort ergriff und die Busflut für den beschaulichen Falkenseer Ortsteil beklagte. Die ÖPNV-Initiative von Havelbus und Landkreis stößt in Waldheim mehr auf Ablehnung als Begeisterung, weil nun viele (oft ungenutzte) Busse durch die kleinen Straßen rumpeln und die Häuser zum Erschüttern bringen. Die Sorgen des Waldheimers wurden am Dienstag nicht in Abrede gestellt, aber solche Detailfragen könne ein Verkehrsentwicklungsplan nicht lösen. Hier gehe es um die großen Zusammenhänge, um Strukturen und Entwicklungen. 150 Seiten und 20 Seiten Anhänge umfasst das Papierwerk, das Michael Schreiber versuchte, möglichst kurz vorzustellen.

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Konkrete Empfehlungen

Für Fußgänger: Querungshilfen an der Nauener Straße/Hansastraße; Fußgängerampel an der Falkenhagener Straße/Bredower Straße (Schulwegsicherung)

Für Radfahrer: bessere Abstellanlagen an allen Bahnhöfen, Radwege in Hansastraße und Sonnenstraße (vielleicht durch Teilasphaltierung), Aufhebung der Benutzungspflicht des Bürgersteiges für Radfahrer in der Bahnhofstraße, schnelle und sichere Radler sollen die Straßen nutzen dürfen.

ÖPNV: Haltestellengestaltung prüfen, transparente Seitenteile, barrierefreie Haltestellen (etwa Gesundheitszentrum), Anbindung an Bürgersteige (etwa Kölner Straße/Spandauer Straße)

Autoverkehr: Kreisverkehre prüfen für Karl-Marx-Straße am Hotel Kronprinz, Ampel für Kreuzung Straße der Einheit/Leipziger Straße prüfen, bessere Ampelschaltung an der Rudolph-Breitscheid-Straße/Dyrotzer Weg, Umgestaltung der Ecke Leipziger Straße/Barkhausenstraße.

Auch wenn Rayk Lagodka für seine Detailfrage keine Antwort aus dem Verkehrsentwicklungsplan bekam, so legte seine Frage doch eine spannendes Problem offen: nämlich einen permanenten Interessenkonflikt, den es bei fast allen Themen gab - Radfahrer auf Bürgersteigen führen zu Konflikten mit Fußgängern, Radfahrer auf der Straße zu Ärger mit Autofahrern; enge Straßen bieten keinen Raum für Radwege, wenn man die Bäume erhalten will; Bordsteine absenken ist gut für Radler, aber nicht für Sehbehinderte; Parkmöglichkeiten in Bahnhofsnähe sind gut für Pendler, ziehen aber auch mehr Verkehr in die Stadt.

Falkensee wächst zu schnell und saugt zu viel Verkehr an, in den Zügen haben wir morgens bald chinesische Verhältnisse“, rief ein Zuhörer in die Runde. Ganz so pessimistisch wollte das Michael Schreiber aber nicht sehen: „Falkensee steht nicht vor dem Verkehrsinfarkt.“ Die Stadt ist durchaus in der Lage, mit Problemen umzugehen. Der VEP ist ein Mittel dazu, er setzt den Rahmen, aus dem dann konkrete Handlungsaufträge abgeleitet werden. Einige Schwerpunkte haben Schreiber und das Büro LK.Argus dabei ausgemacht. An erster Stelle nannten sie die Förderung des Fuß- und Radverkehrs. Ziel solle ein sicheres Wegenetz sein. Damit trafen sie offensichtlich den Nerv vieler Zuhörer, denn gleich mehrere von ihnen forderten genau das, viele Falkenseer hatten genau das auch in der Onlinbefragung gewünscht. Guido Suffhoff forderte ein Netz von Radwegen, eine gute Infrastruktur könne mehr Menschen bewegen, ihr Auto stehen zu lassen. „Aber wir haben zu viele Lücken“, sagte er, dabei gäbe es durchaus gute Abschnitte, auch die ausgebauten Bereiche im Anliegerstraßenbau können dazu zählen. Der ADFC Falkensee setzt sich seit Jahren für einen Masterplan für den Radverkehr ein, das unterstrich Uwe Kaufmann am Dienstag erneut. Allerdings war er auch sehr skeptisch, was den neuen Verkehrsentwicklungsplan betrifft, schließlich würden im Plan von 2002 auch viele gute Dinge stehen, die aber nicht umgesetzt wurden. Nur ein neues Stück Papier mehr, nütze niemandem. „Wie wird abgesichert, dass auch etwas umgesetzt wird“, wollte Kaufmann wissen.

Die Frage ging in Richtung der anwesenden Abgeordneten und der Verwaltung. Anfang des Jahres 2018 soll der Plan nach fast dreijähriger, mitunter schleppender Bearbeitung von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden. „Wir wollen einen Strich ziehen, um in die Umsetzung einzusteigen“, sagte Bürgermeister Heiko Müller (SPD). Der neue Verkehrsentwicklungsplan soll dann durch spezielle Konzepte zum Parkraum und Radwegenetz ergänzt werden.

Dann gilt auch, Klarheit in die Klassifizierung von Straßen zu bringen, die Schreiber vorstellte: Hauptverkehrsstraßen, Hauptsammelstraßen, Sammelstraßen und Wohnstraßen. Was welche Kategorie bedeutet und wie sich das finanziell für die Anwohner etwa beim Straßenbau auswirkt, die Frage blieb am Dienstag offen. Eine lebhafte, interessante Debatte war es trotzdem, dank der vielen Fragen der Falkenseer Bürger. Die wollten vieles wissen: zur möglichen Anbindung der Ringpromenade an die Engelsallee, zu neuen Tunneln unter der Bahn, zur Sicherheit der Fußgänger an den geplanten Kreisverkehren, zur Anbindung von Bushaltestellen an einen Bürgersteig, zur sicheren Fahrradaufbewahrung. Auf eine unfruchtbare Debatte über die Nordumfahrung wollte sich an diesem Abend aber keiner einlassen.

Von Marlies Schnaibel