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Havelland Kandidaten aus dem Wahlkreis 4 beim MAZ-Talk
Lokales Havelland Kandidaten aus dem Wahlkreis 4 beim MAZ-Talk
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16:56 22.08.2019
Die Direktkandidaten warten im Publikum auf den politischen Schlagabtausch auf der Bühne. Quelle: Foto: Uwe Hoffmann
Rathenow

Dieter Dombrowski (CDU) würde gern mit Christian Görke (Die Linke) paddeln – das verkündete der Landtagsvizepräsident am Mittwochabend beim MAZ-Talk im Saal der Mühle am Schwedendamm. Dazu hatte die MAZ alle Direktkandidaten des Wahlkreises 4 für die Landtagswahl am 1. September eingeladen. Und bis auf den AfD-Kandidaten Kai Berger, der offiziell aus terminlichen Gründen abgesagt hatte, waren alle dabei.

Elf Tage vor der Landtagswahl nahmen sechs Politiker am MAZ-Wahlforum in Rathenow teil. Bis auf Kai Berger von der AfD stellten sich alle Direktkandidaten des Wahlkreises 04 den Fragen.

Neben Dombrowski und Görke nahm Katja Poschmann für die SPD als einzige Frau in der Runde Platz. Uwe Litfin, der wieder für die Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegungen (BvB)/Freie Wähler antritt, nahm die Einladung ebenso an wie Stefan Behrens, seit 2018 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen, und Christian Engelland, seit 2017 Mitglied der FDP.

Persönliches am Beginn

Etwa 80 interessierte Gäste ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, die sechs Kandidaten näher kennen zu lernen – nicht nur politisch, sondern auch privat. Die entsprechenden Fragen dafür hatte MAZ-Redakteur Joachim Wilisch vorbereitet. Bevor er den Kandidaten einen Sessel auf der Bühne anbot, durften sie zur Auflockerung über Persönliches plaudern.

Rad und Yoga

Unter anderem wollte Wilisch wissen, wie sich die Kandidaten fit halten. Katja Poschmann macht Yoga, was sie körperlich fordert und geistig entspannt. Christian Görke hat sich gerade im Kitesurfen versucht und liebt es als ehemaliger Sportlehrer ohnehin sich sportlich zu betätigen.

Lesen Sie auch: Die privaten Vorlieben der Landtagskandidaten

Uwe Litfin steigt gern aufs Rad, wenn es die Zeit und die Gesund erlauben. Dieter Dombrowski versucht den Mangel an Bewegung mit gesunder Ernährung auszugleichen und Stefan Behrens hält sich mit Wein, Kaffee und kleinen Spaziergängen fit. Christian Engelland hält es mit Churchill: „No sports.“ – „Kein Sport“. Stattdessen holt der Analytiker seine Lego-Sammlung raus um abzuschalten.

Von links: Dieter Dombrowski, Uwe Litfin, Christian Engelland. Quelle: Uwe Hoffmann

Weil all das natürlich nichts darüber aussagt, wie die Kandidaten künftig das Land voranbringen wollen, ging es nach dieser lockeren Runde in die Vollen.

Lebhafte Debatte

Gleich das erste Thema Bildung sorgte für eine lebhafte Debatte. Engelland sprach von einer katastrophale Bildungslandschaft und kritisierte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), die nicht ohne Grund in Schleswig-Holstein abgewählt worden. Zudem verwies er auf den vorletzten Platz, den Brandenburg beim kürzlich veröffentlichtem „Bildungsmonitor 2019“ belegt.

Viel aufzuholen

„Die Bildung wurde in den letzten zehn Jahren runtergewirtschaftet“, so Engelland. Das wollte Dombrowski nicht unkommentiert stehen lassen: „Ich bin nicht der Meinung, dass die Bildung in Brandenburg am Boden ist und die Bildungsministerin kommt mir im Vergleich zu ihren Vorgängern am kompetentesten vor. Aber wir haben auch viel aufzuholen und sind nicht so gut, wie die Landesregierung es verkaufen muss“, machte der CDU-Mann deutlich.

Katja Poschmann verteidigte SPD-Positionen. Quelle: Uwe Hoffmann

Christian Görke hielt mit Zahlen dagegen: „Wir haben seit 2014 das Budget für die Bildung von 1,4 auf 2,3 Milliarden Euro erhöht – bei einem Haushalt von knapp zwölf Milliarden Euro eine durchaus beachtliche Entwicklung“, erklärte Görke und erinnerte daran, dass in den letzten fünf Jahren 5000 Lehrer neu eingestellt wurden.

Gleichwertige Abschlüsse

Litfin plädierte für gleichwertige Abschlüsse und zwar länderübergreifend und Behrens erwartet von der Regierung eine „gewisse Vorausschau“. Zudem sieht er gravierende Bildungslücken bei den Schulabgängern.

Nicht vorhersehbar

Dass es noch viel zu tun gibt, wollte auch Katja Poschmann nicht abstreiten. Sie erinnerte daran, dass Brandenburg in den 1990er Jahren von Wegzug geprägt war. Insofern sei die Entwicklung, wie sie sich jetzt zeigt, keineswegs vorhersehbar gewesen.

Wie hält es Dieter Dombrowski mit de Wolf? Quelle: Uwe Hoffmann

Einen weiteren Schlagabtausch lieferten sich Görke und Dombrowski zum Wolf. Während der CDU-Mann meint, der Wolf müsse wissen, wo ihm Gefahr droht und sich für die Schutzjagd aussprach, lehnt Görke diese ab. Er will stattdessen Mittel für präventive Maßnahmen und Entschädigungen bereitstellen.

Klare Worte

Das Thema Integration warf Joachim Wilisch in die Runde und wollte von Stefan Behrens wissen, ob es dafür nicht schon zu spät sei. „Ich sehe in Menschen, die zu uns kommen eine Bereicherung“, machte der Grünen-Politiker deutlich und fügte hinzu. „Es geht aber nicht nur um die Integration von Zuwanderern, sondern auch von Menschen, die sich dagegen wehren und AfD wählen. Alles, was nicht Integration ist, ist für mich unmenschlich.“

Unterlagen und Notizen

Die anderen Kandidaten verzichteten auf ein Statement. Dieter Dombrowski übte sich derweil im Multitasking. Während die politische Konkurrenz argumentierte, vertiefte er sich immer mal wieder gelassen in seine Unterlagen oder schaute aufs Handy.

Lob von Dombrowski: Christian Görke. Quelle: Uwe Hoffmann

Dabei schien er keineswegs abzuschalten. Im Gegenteil, er mischte sich immer wieder in die Diskussion ein. Spannend wurde es, als Dombrowski anfing seinen politischen Gegner zu loben: „Die Abgeordneten der Linken leisten in den Ausschüssen gute Arbeit. Im Gegensatz zu den Sozialdemokraten, die den Eindruck erwecken, sie hätten gar keine Lust mehr.“

Positive Ansätze

Dombrowksi hofft, dass am 1. September die zum Zug kommen, die sich bisher nicht beweisen konnten. Eine Zusammenarbeit mit der AfD – auch in der Opposition – schloss er aber kategorisch aus: „Es wird keine gemeinsamen Anträge geben“. Auch Behrens meint, „nach 30 Jahren SPD ist es Zeit für einen Wechsel“. Die Partei sei verbrannt und hätte keine Visionen mehr. Mit der CDU sehe er aber durchaus positive Ansätze.

Mehr für Dörfer tun

Noch mehr Gegenwind kam von Uwe Litfin. Die gravierenden Unterschiede zwischen Stadt und Land sei eine Fehlentwicklung, die von langer Hand vorbereitet wurde. Die SPD habe vor Jahren bewusst allein den Speckgürtel gefördert. „Jetzt müssen die ländlichen Räume verstärkt bei Investitionen bedacht werden“, forderte Litfin.

Guido Gericke aus Jerchel befragt die Kandidaten. Quelle: Uwe Hoffmann

Katja Poschmann verteidigte ihre Partei nach Kräften, obwohl sie selbst erst 2017 in die SPD eintrat und für eine neue Politikergeneration steht. Sie wünscht sich, dass sich die Menschen künftig mehr einbringen: „Die Gesprächsbereitschaft ist leider nicht so groß, wie wir es und wünschen.“

Wer mit wem?

Am Ende warf Wilisch die Frage in die Runde, wer mit wem zu einer Paddeltour auf der Havel in ein Kanu steigen würde. Wie bereits erwähnt entschied sich Dombrowski für Görke, angeblich nicht nur aus politischen Gründen. Görke zieht es aber vor, mit Katja Poschmann zu paddeln. „Dann haben wir Zeit uns gemeinsam darüber Gedanken zu machen, wie die Kitabitragsfreiheit finanziert werden kann“, so Görke.

Von Christin Schmidt

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