Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Ketzin ebnet den Weg für 220 Meter-Riesen
Lokales Havelland Ketzin ebnet den Weg für 220 Meter-Riesen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:45 10.01.2017
17 neue Windkraftanlagen sollen auf Ketziner Gemarkung aufgestellt werden.
17 neue Windkraftanlagen sollen auf Ketziner Gemarkung aufgestellt werden. Quelle: Konrad Radon
Anzeige
Ketzin/Havel

Noch steht die Schallmauer von 150 Metern. Die Stadtverordneten hatten erst im vergangenen Oktober diese maximale Höhe von Windkraftanlagen in der Gemarkung Ketzin/Havel per Beschluss bestätigt. Doch nun scheint diese Schallmauer einzustürzen. Einstimmig gaben die Mitglieder des Ketziner Bauausschusses am Montagabend die Empfehlung ab, in einigen Bereichen der bestehenden Bebauungspläne zur Windenergie auch neue Anlagen mit einer Gesamthöhe von 220 Metern zuzulassen.

Es ist eine Art Kompromiss, den man mit den Investoren der Anlagen ausgehandelt hat. Die verzichten im Gegenzug darauf, auch in den Randgebieten hin zur Wohnbebauung (zum Beispiel Falkenrehde) 220-Meter-Riesen aufzustellen und belassen es dort bei Anlagen mit einer Höhe von 200 Metern. Außerdem, so deutete es SPD-Fraktionschef Heinz Irmer an, hätten die Investoren zugesichert, die Kommune bei bestimmten freiwilligen Aufgaben zu unterstützen.

„Wir können es uns aufgrund der finanziellen Lage der Stadt nicht mehr leisten, solche Investoren zu verprellen“, sagte Irmer. Ausschussvorsitzender Erhard Zeine (FDP) schloss sich dieser Meinung an. Evelin Sens (Linke) meinte, dass sie mit dieser Entscheidung für 220 Meter leben könne: „Mir ist bislang keine Beschwerde oder kein Hinweis von Bürgern aus Ketzin/Havel wegen möglicher höherer Windräder zu Ohren gekommen, obwohl das Thema ja schon Monate bekannt ist.“

Ausgangspunkt für das Ansinnen der Investoren MDP GmbH, Rübsamen Windenergie GmbH und UKA Meißen Projektentwicklung GmbH & Co. KG ist die Neufestsetzung der Windeignungsgebiete (darunter die Nauener Platte), was mit Inkrafttreten des Regionalplanes Havelland-Fläming 2020 Ende 2015 erfolgte. In der Gemarkung Ketzin/Havel sind vier Windparks betroffen. Dort sollen insgesamt 17 Anlagen aufgebaut werden.

Im Dezember 2016 gingen im Ketziner Rathaus die ersten Anträge für zehn neue Windräder ein, was das Thema Höhenbegrenzung erneut auf die Tagesordnung brachte. Denn: „Aus wirtschaftlichen Gründen sind neue Anlagen unter 200 Meter Gesamthöhe beim heutigen Stand der Technik kaum noch darstellbar“, erklärte Frank Buchholz vom UKA Meißen am Montag im Bauausschuss.

Deshalb hatten die Investoren um einen Vor-Ort-Termin mit den Fraktionsvorsitzenden, dem Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeitern gebeten. Man sah sich eine 200-Meter-Windkraftanlage bei Wernitz an und verständigte sich auf den genannten Kompromiss mit höheren Anlagen in der Kernzone des Windeignungsgebietes und niedrigeren am Rand. In der Folge bereitete die Stadtverwaltung eine Entscheidungsgrundlage für den Bauausschuss vor.

Die favorisierte Variante sieht im Einzelnen vor: Sieben neue Anlagen im Bereich Neu-Falkenrehde werden auf Wunsch der Kommune nur mit einer Gesamthöhe von 200 Metern errichtet. Das sind also 14 Meter weniger als in dem bereits laufenden Genehmigungsverfahren festgesetzt, so Frank Buchholz. Die weiteren sieben Windräder – zwei sind noch nicht im Genehmigungsverfahren – würden eine Gesamthöhe von 214 Meter haben.

Sollten die Ketziner Stadtverordneten dem Votum des Bauausschusses folgen, werden die entsprechenden Bebauungspläne zur Windenergie geändert und erneut zur Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Bürger ausgelegt. Der Zeitraum steht noch nicht fest.

Von Jens Wegener

10.01.2017
10.01.2017