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Ketzin Aufräumen auf der Havel
Lokales Havelland Ketzin Aufräumen auf der Havel
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00:27 11.04.2018
Boot für Boot werden prall gefüllte Müllsäcke an Land gebracht.
Boot für Boot werden prall gefüllte Müllsäcke an Land gebracht. Quelle: Wolfgang Balzer
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Ketzin/Havel

Heiko Jantz schiebt einen Edeka-Einkaufswagen auf das Vereinsgelände des Angler-Sport-Vereins des Havelländischen Kraftfutterwerk Ketzin (HKW). Darauf ein gelb-grünes luftloses Schlauchboot und ein Reifen. Das sieht komisch aus, lachen kann darüber aber niemand. Aus dem Wasser gefischt hatte Heiko Jantz das alles gleich nebenan am Hafenbecken. „Unverantwortlich, das kann auch zu erheblichen Schäden an den Booten und Motoren führen“, meint er. Fast gleichzeitig legt ein Boot an. An Bord drei prall gefüllte blaue Müllsäcke und ein weiterer Reifen.

So ging es am Sonnabendmittag in kurzen Abständen weiter. Einige Bootsbesatzungen fuhren gleich wieder raus, weil sie mit einer Ladung nicht allen gesammelten Müll abtransportieren konnten.

Zehn Besatzungen unterwegs

Um 10 Uhr waren an diesem Tag zehn Bootsbesatzungen der Ketziner Anglervereine und der Fischerinnung zu Ketzin/Havel e. V. zum gemeinsamen alljährlichen Frühjahresputz gestartet. Ihr Ziel waren die Havel und die Uferstreifen zwischen Paretz und dem Trebelsee sowie in der Ketziner Bruchlandschaft. Das seien rund 800 Hektar Wasserfläche, wie Jörg Valjeur von der Fischerinnung informierte.

Von Fahrrad bis Zelt

Kühlschränke, Zelte, Ölfässer, Bierzeltgarnitur, Fahrräder, Stühle, Videorekorder, nennt er Beispiele für Dinge, die in den letzten Jahren nach dem Frühjahrsputz im Sammel-Container landeten.

Durchschnittlich sieben bis acht Kubikmeter Müll sammeln die Angler aus und an den Uferstreifen ein. Und soviel wurden es auch an diesem Sonnabend wieder. „Solch eine Menge ist immer wieder erschreckend. In nur gut zwei Stunden einschließlich An- und Abfahrt eingesammelt“, kommentierte Andreas Dietze, Vorsitzender des Anglervereins HKW, das Ergebnis und sagte es auch drastisch: „Da waren die Dreckschweine wieder aktiv.“

Aktion saubere Havel

„Wir sind ein gemeinnütziger Verein“, fügte Jens Zschirnt hinzu. Deshalb sei diese „Aktion saubere Havel“ gestartet worden. Die Müllmenge beweise, wie notwendig es sei, die Gewässer und Ufer alljährlich zu reinigen, sagte er und war froh, dass sich die Stadt Ketzin um die Entsorgung dieses Mülls kümmert.

Zander wird seltenHKW, Angel-Sport-Verein, Frühjahrsputz,

Die Wasserqualität der Havel ist in den letzten Jahren immer besser geworden. Damit nimmt die Sichttiefe bis auf zwei bis manchmal sogar drei Meter zu. Das wäre für den Fischbestand und die Natur einerseits gut, bringe andererseits auch erhebliche Nachteile mit sich, erzählte Jörg Valjeur am Rande der Reinigungsaktion. Wegen des klaren Wassers gäbe es so gut wie keinen Zanderbestand mehr. Die Brut finde in dem klaren Wasser zu wenig Nahrung. Außerdem bereite das ungehemmte Krautwachstum Probleme.

Neue Fischart macht sich breit

Wie Valjeur sagte, seien die Randbereiche der Gewässer in den Sommermonaten kaum noch befahrbar. Außer beim Zander sei aber der Fischbestand in den Ketziner Gewässern, beispielsweise bei Barschen, Hechten und Aalen, recht gut. Allerdings hat sich auch eine Fischart breit gemacht, die hier nicht zuhause ist: die Schwarzmaulgrundeln. Ob dieser rund 20 Zentimeter lange Zuwanderer für das Gleichgewicht des Fischbestandes gut oder negativ sei, ließe sich noch nicht feststellen, meinte Valjeur.

Da inzwischen nach erfolgreicher Müllsammelaktion die Bratwürste auf dem Grill brutzelten und die Getränke kalt standen, bedankten sich Andreas Dietze und Jörg Valjeur bei allen. Sie hätten ehrenamtlich und auf eigene Kosten einem Stück unserer Umwelt den Erlebniswert erhalten.

Von Wolfgang Balzer