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Ketzin Doku aus dem Havelland: Wie Pferde helfen, Kriegstraumata zu überwinden
Lokales Havelland Ketzin Doku aus dem Havelland: Wie Pferde helfen, Kriegstraumata zu überwinden
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15:55 17.02.2019
Beim Filmgespräch in Babelsberg zum Dokumentarfilm „Stiller Kamerad“ schilderte Soldatin Mandy (l.) ihre Therapie-Erfahrungen. Quelle: Wolfgang Balzer
Paretz/Potsdam

Claudia hat mir nach einigen erfolglosen Therapien mehrfach das Leben gerettet“, gab Soldatin Mandy am Freitagabend im Babelsberger Filmtheater Thalia nach der Brandenburg-Premiere des Films „Stiller Kamerad“ im Filmgespräch sehr persönliche und intime Einblicke in ihr Seelenleben. Nach mehrfachen Kriegseinsätzen im Kosovo und in Afghanistan litt sie, wie viele andere Soldaten auch, an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

Nach mehreren herkömmlichen aber erfolglosen Therapien galt die Luckenwalderin als austherapiert. Leonhard Hollmann, auch Produzent des viel beachteten Ketziner Imagefilms, begleitete in seiner bewegenden, emotional hoch geladenen und durchweg spannenden Dokumentation Mandy und zwei weitere Bundeswehrsoldaten, denen auf dem Paretzer Pferdehof von Claudia Swierczek ein neuer Weg eröffnet wurde, mit Pferden Zugang zu ihrem Innenleben zu finden.

Pferde als Co-Therapeuten

„Man fragt sich, ob das denn helfen kann, das eigene Kriegstrauma zu überwinden“, schildert Oliver am Anfang des Films seine Zweifel. Die Behandlung scheint auf den ersten Blick unkonventionell, Pferde als Co-Therapeuten einzusetzen.

Regisseur Leonhard Hollmann hat auch den Imagefilm für Ketzin/Havel gedreht. Quelle: Wolfgang Balzer

Zugang zum Seelenleben

Es ist im Film überaus beeindruckend, wie die Soldaten in Gemeinschaft mit dem Pferd so eine Art beruhigende Kameradschaftlichkeit empfinden. Die sensiblen Tiere helfen ihnen einen Zugang zu ihrem inneren Seelenleben zu finden.

So begleitet der Film mehr als eineinhalb Jahre die Soldaten auf ihrem Weg, die Traumata zu verarbeiten, zu überwinden, wieder in ein normales Leben zurückzufinden. Mit unaufdringlicher Kameraführung, sowohl bei den Nah- als auch bei den Übersichtsaufnahmen, bilden die Dokumentarfilmer sehr feinfühlig die Gedanken der drei Protagonisten ab. Sie lassen sie freimütig erzählen, auch über ihre Gedanken über Schuldgefühle für das Geschehen, welches Im Kriegseinsatz auch Menschenleben kostet. Es sind keine politischen, aber sehr persönlichen Aussagen.

Kontrastprogamm

Für den unbeteiligten Zuschauer erschließt sich nicht unmittelbar, wie die sensiblen Tiere Einfluss auf das innere Fühlen ihrer Protagonisten nehmen. Claudia Zwierczek schildert es, oft eher beiläufig, oft auch im kurzen Gesprächseinblendungen. Wie ein Kontrastprogramm zur Ponyhof-Idylle in Paretz wirken die Aufnahmen in den langen kahlen Zimmern und Fluren der Bundeswehrkrankenhäuser. Kann man hier PTBS überwinden? Einer der mit dem Film begleiteten Soldaten schraubt lieber in der privaten Werkstatt eines Freundes am Motorrad als „dort Vogelhäuschen zu bauen“.

Wie es Mandy während der mehrjährigen Therapie mit den Pferden und einem inzwischen auch persönlich sehr engen freundschaftlichen Kontakt mit der Therapeutin gelang, ihre Traumata weitestgehend zu überwinden, erzählte sie während des Filmgesprächs am Freitag. „Ich bin wieder dienstfähig“, ihr erfreuliches Fazit dieser wohl noch immer unkonventionellen Therapie, welche als solche von der Bundeswehr auch nach mehreren Jahren noch nicht anerkannt wird, zumindest finanziell.

Bezahlt aus Spenden

Wie Mandy und Regisseur Leonhard Hollmann anmerkten, werden die Kosten für diese Therapie noch immer nicht übernommen, die Therapie der im Film agierenden Soldaten wurde aus Spendenmitteln finanziert.

Wie aus den Reihen der Zuschauer von einem Mitglied des Bundeswehrverbandes angemerkt wurde, gäbe es zwar Studien zu diesem Thema, aber es dauere noch. Er sprach sich für die Aufnahme der Therapie mit Pferden in die offizielle Behandlung aus. Die drei Bundeswehrsoldaten sind heute psychisch stabil, nehmen am Alltagsleben teil, haben Partner und insgesamt nur noch geringe Einschränkungen.

Noch bis Dienstag zu sehen

Der über 90 Minuten dauernde spannungsgeladene Dokumentarfilm mit unvergesslich berührenden Bildern wurde nach der ausverkauften Aufführung mit langanhaltendem Beifall bedacht. Er ist im Thalia noch bis Dienstag zu sehen.

Von Wolfgang Balzer

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