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Ketzin Dietmar Woidke über Retterprämie, Kitapersonal und Kartoffelpuffer
Lokales Havelland Ketzin Dietmar Woidke über Retterprämie, Kitapersonal und Kartoffelpuffer
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13:56 26.04.2019
Woidke in Ketzin April 2019 Quelle: Jens Wegener
Ketzin/Havel

 Dass Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gern Kartoffelpuffer macht und isst, und sein Schwiegervater zuhause auf seinem Grundstück den Rasen mäht – diese Informationen sorgten Donnerstagabend im Ketziner Bürgersaal für Gelächter und Staunen.

Aber der Landesvater war auf Einladung des Stadtverordnetenvorstehers Jürgen Tschirch (SPD) ja nicht in die Havelstadt gekommen, um über Persönliches zu sprechen.

Dietmar Woidke im Gespräch mit Ketzinern. Quelle: Jens Wegener

Die etwa 50 Vertreter von Feuerwehr, Sportvereinen, vom Seniorenrat, von Ortsbeiträten, Kitas und Schulen brachten in dem zweistündigen Frage-Antwort-Gespräch nahezu jedes aus Ketziner Sicht brisante Thema zur Sprache: fehlendes Kitapersonal, kaputte Landesstraßen, fehlende Radwege, nicht ausreichende Kurzzeitpflegeplätze und überfüllte Schulen.

Werdersche Straße wird ausgebaut

Obwohl er auf der SPD-Veranstaltung an diesem Abend eigentlich nur „Zaungast“ anwesend war, blieb es Bürgermeister Bernd Lück (FDP) vorbehalten, eine gute Nachricht zu verkünden. Es sehe so aus, als wenn die nur halbseitig gepflasterte Werdersche Straße, die als Landestraße 86 durch Ketzin bis zur Fähre führt, im nächsten Jahr in eine Gemeindestraße umgewandelt wird. „Zuvor soll sie komplett mit einseitigem kombinierten Rad- und Fußweg ausgebaut werden. Dafür wurde der Stadt eine 90prozentige Förderung in Aussicht gestellt“, so Lück. Eine entsprechende Vereinbarung mit dem Landesbetrieb Straßenwesen soll unterzeichnet werden.

Radwege fehlen

Den Wunsch vieler Ketziner, unter anderem des Sportbeauftragten der Stadt Burkhard Severon, nach einer durchgängigen Radwegeverbindung über Etzin nach Nauen und über Paretz, Uetz nach Potsdam, konnte Dietmar Woidke natürlich nicht erfüllen. „Wir haben in den letzten 20 Jahren nicht den Schwerpunkt auf den Ausbau der Infrastruktur sondern auf die Bildung gelegt. Aber das Land wird an der Förderung der Radwege an Landesstraßen festhalten, sie weiter fortsetzen. Sowohl was den Bereich der touristische Radwege angeht als auch der für die Verkehrssicherheit.“

Ausbildungsvergütung für Erzieher kommt

Die in Brandenburg nicht vorhandene Ausbildungsvergütung für Erzieher und Sozialassistenten bemängelte Stadtverordnete Doris Radtke. „Gerade in diesen Berufen müssen doch Anreize geschaffen werden, dass junge Leute diese Ausbildung machen. Es kann doch nicht sein, dass die in der Ausbildung kein Geld bekommen.“ Woidke unterstrich: „Wir brauchen diese Vergütung, Sie kommt ab 2020.“

Etwas überrascht zeigte sich der Ministerpräsident von der Frage des Paretzer Ortswehrführers Carsten Riemer. Der erachtet die vom Land jetzt zur Verfügung gestellte jährliche Retterprämie für ehrenamtliche Feuerwehrleute als nicht notwendig, denn: „Keiner der Feuerwehrleute macht diese ehrenamtliche Arbeit wegen des Geldes oder einer Prämie. Lieber sollte man das Geld in Technik und Ausrüstung investieren.“

Ziel: Beitragsfreie Kitas Mitte der 2020er-Jahre

Das jedoch sieht Dietmar Woidke anders. „Der Katastrophenschutz ist kein normales Ehrenamt. Die Feuerwehrleute übernehmen eine Pflichtaufgabe der Kommunen und riskieren dabei Leib und Leben. Mal abgesehen von der Zeit. Ich denke, dass diese Prämie geeignet ist, um mit der Familie mal Essen zu gehen oder auf einer Kurzreise ein paar gemeinsame Stunden zu verbringen.“

Wann endlich Licht ins Dunkel mit den Kitabeiträgen komme, wollte Silke Finke wissen, die eine Kita in freier Trägerschaft in Markee leitet: „Jede Kommune hat andere Satzungen. Die Eltern suchen sich natürlich oft die Einrichtungen aus, wo sie weniger bezahlen müssen. Am besten, die Kitabetreuung wäre für Eltern kostenfrei, dann gibt es diesen Ärger nicht mehr.“

Beim Stadtrundgang machte Dietmar Woidke auch an der Havelpromenade Station. Quelle: Jens Wegener

 

Mitte der 2020er-Jahre, so hofft der Ministerpräsident, werde es in Brandenburg die Beitragsfreiheit für alle drei Kitajahre geben. „Wenn wir dann noch den Betreuungsschlüssel senken, bei 0 bis 3-Jährigen auf maximal drei Kinder pro Erzieher und bei 3 bis 6-Jährigen auf maximal acht Kinder, dann sind das Mehrausgaben für das Land in Milliardenhöhe. Das Geld muss aufgebracht werden und kann nicht an anderer Stelle ausgegeben werden.“

Warten auf neue Sporthalle

Damit reagierte Woidke auch auf die Frage von Heiko Kersten vom SC Ketzin, der sich nach dem Termin für den Bau der geplanten neuen Sporthalle Am Mühlenweg erkundigte und auf Fördermittel vom Land hofft. Bürgermeister Bernd Lück verwies dabei auf das Sportstättenentwicklungskonzept der Stadt: „Dort ist die Turnhalle drin. Aber den nächsten Jahren werden wir andere Schwerpunkte setzen müssen.“

Von Jens Wegener

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