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Ketzin Freie Fahrt für Motorboote bald überall am Brückenkopf
Lokales Havelland Ketzin Freie Fahrt für Motorboote bald überall am Brückenkopf
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18:36 27.01.2020
Die Anwohner hoffen, dass bald alle Wasserwege im Brückenkopf mit Motorbooten befahrbar sind. Quelle: Wolfgang Balzer
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Ketzin/Havel

Die Kanäle am Pappelhain, an der Schumacherstraße, das Schleiloch und der zu den Löchern H und J führende Ziegeleikanal in Ketzin-Brückenkopf sind bereits zu Landesgewässern umgewidmet geworden und erlangten damit den Status der Schiffbarkeit für Motorboote. Jetzt schöpfen auch die rund 40 Bootseigner an den Löchern H und J zwischen dem Hecht- und dem Plötzenweg neue Hoffnung, dass auch diese Wasserwege zu schiffbaren Gewässern werden.

Stellungnahme des Kreises war negativ

Das ist bislang nicht geschehen, weil sich die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises (UNB) in einer gemeinsamen Stellungnahme mit der Unteren Wasserbehörde und der Unteren Abfall- und Bodenschutzbehörde im Juli 2019 gegen eine solche Umwidmung ausgesprochen hatte. Als Gründe wurden damals Stegrückbauten und neue Sammelstege an den Zufahrten vom Tremmener Scheidgraben (Ziegeleikanal) als Voraussetzung für eine Zustimmung gefordert. Zudem waren in einem Naturschutzgutachten mehrere Punkte aufgeführt, die gegen eine Befahrbarkeit der Löcher mit Motorbooten sprachen.

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Sinneswandel in der Kreisverwaltung

Inzwischen gab es einen Sinneswandel bei der UNB. Dazu beigetragen hatte ein Gespräch mit Vertretern der Stadtverwaltung Ketzin/Havel und der Bürgerinitiative „Gegen Motorbootverbot am Ziegeleikanal, Brückenkopf und in der Schumachersiedlung” vor wenigen Tagen. Als Reaktion darauf teilte die Kreisverwaltung dem Ketziner Bürgermeister mit, dass sie die negative Stellungnahme vom Juli 2019 zurückziehen werde. In dem Schreiben heißt es: „Im Widmungsverfahren als schiffbares Landesgewässer sind diese drei Unteren Behörden weder für die Erteilung einer Genehmigung noch einer Zustimmung zuständig.“

Bürgerinitiative hofft auf schnelle Lösung

Der Vorsitzende der BI Thomas Witkowski ist nun zuversichtlich, „dass es in absehbarer Zeit im Genehmigungsverfahren weitergeht.“ Es habe bereits Kontakte mit dem Umweltamt des Landes gegeben, in Kürze werde es einen offiziellen Termin geben. Witkowski ist deshalb optimistisch, weil laut einem Umweltgutachten der Umwidmung zu befahrbaren Landesgewässern nichts entgegenstehe. „Zudem waren die von der UNB 2019 genannten zu geringen Breiten für einen Begegnungsverkehr mit Motorbooten an den Engstellen reine Schätzungen“, sagt er. Persönlich vorgenommene Messungen hätten ganz andere Ergebnisse gebracht.

Von der UNB war damals auch kritisch angemerkt worden, dass das Loch J zwischen Plötzen- und Schleiweg zum Europäischen Vogelschutzgebiet gehöre. „Laut dem Gutachten stellt die saisonale Nutzung mit Motorbooten mit der nur geringen Störungsintensität dem Vogelschutz nicht entgegen“, erklärt der BI-Vorsitzende. Aus seiner Sicht könnte der Schutzstatus für das sehr kleine Gebiet nach einem entsprechenden Antragsverfahren über die Landesregierung bei der EU sogar aufgehoben werden, denn:„Im Ketziner Bereich gibt es artenreichere Gebiete für einen solchen Schutzstatus.“

Ketzin stellt Antrag auf Umwidmung

Ketzins Bürgermeister Bernd Lück sagte zu, dass die Stadtverwaltung demnächst an das Landesumweltamt einen Antrag auf Umwidmung der besagten Gewässer stellen werde. „Die BI würde beim dem Antrag gern mitwirken“, sagte Thomas Witkowski. Er hofft, dass der seit nunmehr sechs Jahren andauernde Behördenmarathon zwischen der Stadt, der UNB und der Landesregierung schnell zu Ende geht und das offiziell gestattet wird, „was dort seit mehr als 100 Jahren ohne Schaden praktiziert wird – das Befahren mit Motorbooten.“

Von Wolfgang Balzer