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Ketzin Gaststätte „Am Markt“: Traditionshaus ist dicht
Lokales Havelland Ketzin Gaststätte „Am Markt“: Traditionshaus ist dicht
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15:36 28.12.2018
Die Gaststätte schließt nach 200 Jahren. Quelle: Augustiniak
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Ketzin/Havel

Ein Jahr vor ihrem 200-jährigen Bestehen schließt die Gaststätte „Am Markt“ in Ketzin/Havel ihre Pforten. „Am 2. Weihnachtsfeiertag haben wir zum letzten Mal unsere Gäste bewirtet und uns gänzlich aus der Gastronomie verabschiedet“, sagte Inhaberin Zsuzsa Konczos. „Wir sind darüber sehr traurig, denn es liegt nicht am Gästemangel, sondern am Fachkräftemangel“.

2009 hatte sie von ihrem Onkel Dietmar Herzog den Betrieb übernommen. „Seit mehreren Jahren suchen wir geeignetes Personal zur Unterstützung unserer beiden Köchinnen, die ihren Beruf seit vielen Jahren mit Herzblut und Leidenschaft ausfüllen.“ Auch mit Anzeigen auf Internetplattformen und in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt sei es nicht gelungen, Fachkräfte auf Dauer einzustellen. „Nun blicken wir auf zehn Jahre mit vielen Höhen und einigen Tiefen zurück. Wir sehen uns außer Stande, das Restaurant „Am Markt“ in gewohnter Weise zu bewirtschaften und stellen uns daher einer neuen beruflichen Herausforderung“.

50 Jahre war das Restaurant in Familienbesitz, sagte auch Dietmar Herzog:„Es stimmt einen traurig, dass die gegenwärtig herrschenden wirtschaftlichen Verhältnisse kleinen Betrieben das Leben erschweren.“ 1969 hatte er die Gaststätte übernommen und 1971 umgebaut. Dabei entdeckte er eine eingemauerte Flaschenpost des Erbauers. Es war der aus Gleine bei Ziesar stammende Kaufman Friedrich Wilhelm Kennler, der 1820 den ersten Kolonialwarenhandel in Ketzin gründete. Als 1840 das Geschäftshaus einem Großbrand zum Opfer fiel, baute er das Haus mit der Gaststätte wieder auf. Dabei erfuhr er viel üble Nachrede von Mitbürgern. Seine Flaschenpost enthielt einen Brief. Er warnte die Nachwelt, den Menschen nicht zu viel Vertrauen entgegen zubringen. Kennlers Schwiegersohn, der Lehrer und Organist Adolf Kaselitz entdeckte einst die Tonvorkommen bei Ketzin und errichtete die erste Ziegelei.

Es gibt einige Bewerber, die die ehemaligen Gaststättenräume nutzen wollen. Zsuzsa Konczos und ihr Ehemann haben sich noch nicht für einen entschieden.

Von Helmut Augustiniak