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Ketzin 50 Jahre Kinderbetreuung: Von der Bummi-Krippe zum Havel-Hort
Lokales Havelland Ketzin 50 Jahre Kinderbetreuung: Von der Bummi-Krippe zum Havel-Hort
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00:19 22.01.2019
Nadin Scholz besuchte einst selbst die Einrichtung. Sie kam mit Tochter und Nichte in die Ausstellung.
Nadin Scholz besuchte einst selbst die Einrichtung. Sie kam mit Tochter und Nichte in die Ausstellung. Quelle: Wolfgang Balzer
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Ketzin/Havel

 Den Enkeln die Babywaage mit dem Schiebegewicht und den Inhalator erklären, noch einmal über die alten Strampler und Windelhöschen streichen, vor allem aber mit sichtlichem Spaß Fotos aus fünf Jahrzehnten betrachten – das war für viele ein emotionales Erlebnis. 194 Erzieherinnen und 1189 ihnen Anvertraute hat der heutige Hort Havel-Kids in den 50 Jahren des Bestehen gezählt. Am Freitagabend kamen einige von ihnen zu einer Feierstunde in Ketzin zusammen.

Die zehn Erzieher hatten für die Jubiläumsgäste eine Ausstellung über die Betreuung und Erziehung in den vergangenen 50 Jahren zusammengestellt. Da fehlten selbst die Nachweisbücher über die Arbeitsschutzbelehrungen nicht.

Mit einer Krippe fing es an

Am 17. Januar 1969 wurden in der Einrichtung, die damalige Bummi-Krippe, die ersten Kinder zur Betreuung empfangen. Eigentlich sollte die Eröffnung bereits am 1. Januar 1968 erfolgen. Aber es habe Probleme am Bau gegeben, so ist es in einem der drei dicken Wälzer, der Chronik des Hauses, sorgfältig vermerkt. Und weiter heißt es: „Im Dezember 1968 waren Schwester Käthe (Käthe Taterra war die erste Leiterin der Kinderkrippe) und Schwester Doris dabei, trotz Murren der Bauarbeiter in einigen Räumen der Krippe zu arbeiten.“

Sprachförderung gelobt

Sirke Schwarz gehörte zu den ersten, die in der Krippe betreut wurden. Mama Hedda Schwarz ist noch heute des Lobes voll. „Hier wurden die Kinder nicht nur aufbewahrt, es gab altersgerechte Beschäftigungen, unter anderem auch zur Sprachförderung. Die Betreuung war gut und zuverlässig“, sagte sie am Jubiläumstag. Es sei jede Woche ein Kinderarzt in die Krippe gekommen. Die medizinische Betreuung gehörte ebenso dazu wie die Gesundheitserziehung, erinnerte sie sich.

Eigene Milchküche

Birgit Plückhahn merkte an, dass es in der Krippe eine eigene Milchküche gab. Milch und Brei wurden für Kinder bis zu einem Jahr frisch zubereitet, Sauger und Fläschchen anschließend im Sterilisator, ebenso wie die Geräte des Kinderarztes, keimfrei gemacht.

Kay Jäkel (Jahrgang 1991) stöberte in Bergen alter Fotos und hörte sich das alles schmunzelnd an. „Ich habe hier im Hort schöne Jahre erlebt“, erinnerte er sich. Er war Freitag mit Freundin Sophie Küsel und Töchterchen Lara gekommen.

Veränderung im Laufgitter

Aber in der Kinderbetreuung hat sich vieles verändert, wie Silke Liebert erzählte, nicht nur beim Windeln. Sie hatte 1979 ihre Lehre begonnen. Der Alltag verläuft wohl in so mancher Sicht anders, wie beim Betrachten alter Fotos durch die Ehemaligen klar wurde. „Bummi“-Kinder in der Reihe auf dem Töpfchen und gemeinsames Krabbeln im Laufgitter. „Das gibt es nicht mehr“, betonte Marina Thierbach. Sie hat hier 1978 ihre Ausbildung begonnen und ist heute Leiterin des Hortes. Das werde heute als unangemessener Zwang und Einschränkung der Freiheit angesehen.

Hort für die Europaschule

Krippe war die Einrichtung bis 1992. Dann waren hier Krippe und Kindergarten kombiniert und schließlich ist es seit dem Jahre 2006 der Hort Havel-Kids für die Schüler der benachbarten Europaschule. Beeindruckt hat die Besucher, wie vielfältig heute die Kinder im Hort betreut werden. Theater, Tanzen, Sport sind einige der Arbeitsgemeinschaften im Hort selbst, weitere, so an die 20, gibt es in der Europaschule.

Die Erzieherinnen unternehmen vielgestaltige Ausflüge und Wanderungen. Wie ein Dankschreiben zeigt, lernen sie die Natur auf vielfältige Art kennen. So wie bei der Aktion „Kids für Kitz“, als sie auf der Wiese eines Landwirtschaftsbetriebes nach Rehkitzen schauten, um sie vor der Grasmahd zu schützen. Beim alljährlichen Fischerfest gestalteten sie mit selbst gebastelten Utensilien ein eigenes Bild beim Festumzug und die nächste gemeinsame Fahrt steht auch bevor, zum Köthener See wird es gehen.

Schöne Erinnerungen

Nadin Scholz hat selbst ab Ende der siebziger Jahre die Einrichtung besucht und war mit Tochter Cecile (9) zum Jubiläum gekommen. Sie lobte alle diese Aktivitäten, besonders die im Freien, wie die Wanderungen in der Umgebung. Einige Erzieher mehr würde sie sich aber schon wünschen. Gegenwärtig betreuen zehn Mitarbeiter immerhin 170 Hortkinder.

Von Wolfgang Balzer