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Ketzin 20 Kubikmeter Müll aus Havel geholt
Lokales Havelland Ketzin 20 Kubikmeter Müll aus Havel geholt
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16:19 07.04.2019
Aktion Saubere Havel in Ketzin: Die Fracht einer Müllsammelfahrt wird entladen. Quelle: Wolfgang Balzer
Ketzin/Havel

Die Angler, Fischer und Jäger trauten ihren Augen nicht: Ein 1000-Liter-Fass zogen Angelvereinsmitglied Lutz Beier und Karl Rübe vom Anglernachwuchs an Land. An ihrem Schlauchboot im Schlepp hatten sie die seltene Fracht zum Vereinsgelände des Angler-Sportvereins des Havelländischen Kraftfutterwerks Ketzin gebracht.

Gefüllt mit Bauschaum

Vier Männer hatten zu tun, das große Plastefass, zur Hälfte mit ausgehärtetem Bauschaum gefüllt, auf einen Bootshänger zu hieven und in den unweit bereitstehenden Müll-Container mit dreizehn Kubikmeter Fassungsvermögen zu verfrachten.

Dieses Plastefass wurde aus der Havel gehievt. Quelle: Wolfgang Balzer

Der war inzwischen voll: Matratzen, eine komplette Couchgarnitur, eine Toilette noch mit dem Holzdeckel drauf, mehrere vergammelte Rettungsringe, eine komplette Autobank ragten bereits gut sichtbar über die Bordwand.

Zum fünften Mal unterwegs

Was eher nach einer Sperrmüllaktion aussah, war das Ergebnis der alljährlichen gemeinsamen Aktion der Angler, der Ketziner Fischerinnung und in diesem Jahr auch der Jagdpächter vom EJB-Trebelsee. Zum fünften Mal waren sie nun schon unterwegs, um mit ihrer Aktion „Saubere Havel“ den Fluss und deren Uferstreifen zwischen Paretz und dem Trebelsee und die Ketziner Bruchlandschaft vom Unrat zu säubern – immerhin rund 800 Hektar Wasserfläche.

Immer mehr Müll

„Ich dachte, nach vier Jahren Sammelaktion wird nicht mehr viel zu finden sein“, meinte Jens Zschirnt beim Start der Bootsbesatzungen. „Es ist unfassbar, wie einige Bürger mit unserer schönen und kostbaren Natur umgehen“, ärgerte er sich angesichts des bereits nach weniger als zwei Stunden mit Müll überquellenden Containers – etwa doppelt so viel wie in den Vorjahren.

Aktion Saubere Havel in Ketzin Quelle: Wolfgang Balzer

Fast alle der gut ein Dutzend Bootsbesatzungen fuhren gleich noch ein zweites Mal hinaus, weil sie nicht alle Müllfunde mit einer Bootsladung bergen konnten.

Standregner und Eisenkarre

Und bald ging es weiter: Eine große eiserne Handwasserpumpe, ein kompletter Standregner, eine Eisenkarre und jede Menge verrostetes Blech sowie mehrere volle Müllsäcke wurden entladen. Es ist schier unglaublich, was an diesem Sonnabendvormittag in rund zwei Stunden aus der schönen Naturlandschaft an der Ketziner Havel geborgen wurde.

Hilfe vom Landkreis

Zschirnt ist froh, dass der Anglerverein nicht auch noch die Entsorgungskosten des Mülls tragen muss. Die übernehme der Landkreis, lobte er. Und auch noch die MBS, die hätte den Müllsammlern eine finanzielle Spende bereitgestellt.

Conny Giersberg hat es mehrmals beobachtet: Autos fahren bis ans Wasser, Tür auf und die Müllbeutel fliegen ins Wasser, oft auch in die Straßengräben, ärgerte er sich, als er einige Holzscheite auf das Grillfeuer legte. Fischer und Jäger Jörg Valjeur hatte für diesen Tag ein Wildschwein spendiert und die Getränke standen auch bereits kühl. Verdienterweise wird nach der Aktion „Saubere Havel“ noch einige Zeit zusammen gesessen.

Sorge um Vereinsgelände

Bei den Gesprächen klingt aber auch die Sorge um ihr Vereinsgelände mit, in das sie viele Arbeitsstunden gesteckt haben. Das gesamte Gelände zwischen Seesportclub und Brandenburger Chaussee mit dem ehemaligen Kraftfuttermischwerk wurde an einen Investor verkauft. Was wann dort geschieht, ist bisher noch nicht bekannt.

Sauberes Wasser

Was die Sauberkeit des Wassers der Havel betrifft, gibt es jedenfalls eine positive Entwicklung. Die Sichttiefe betrage zeitweilig bis zu zwei, manchmal auch bis zu drei Meter, meinte Jörg Valjeur am Rande der Müllsammelaktion. Andererseits bringt das wieder Nachteile. So gäbe es fast keine Zander mehr, weil die Brut in dem klaren Wasser zu wenig Nahrung finde.

Guter Aalbestand

Der Aalbestand wiederum habe sich dank des alljährlichen Aussetzens von vielen Millionen Jungaalen durch den Schutzverein Havel Potsdam, durch die Ketziner Fischerinnung und von Fischermeister Lutz Schröder stabilisiert.

Dann breite sich in der Havel auch ein Zuwanderer immer mehr aus, den es bis vor zwei drei Jahren hier noch nicht gab – die hier nicht heimische Schwarzmaulgrundel.

Von Wolfgang Balzer

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