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Ketzin Nach 24 Jahren: Stadtbrandmeisterin Elke Lemke tritt nicht mehr an
Lokales Havelland Ketzin Nach 24 Jahren: Stadtbrandmeisterin Elke Lemke tritt nicht mehr an
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19:15 10.04.2019
Am 31. Mai endet die Amtszeit von Elke Lemke. Quelle: Tanja M. Marotzke
Ketzin/Havel

Die einzige Frau an der Spitze einer großen Feuerwehreinheit im Landkreis Havelland zieht sich aus der ersten Reihe zurück. Ketzins Stadtwehrführerin Elke Lemke, die Mittwoch ihren 60. Geburtstag feierte, wird diese ehrenamtliche Aufgabe ab 31. Mai nicht mehr ausüben. „24 Jahre in dieser Funktion sind genug. Jetzt können andere übernehmen“, sagt die Ketzinerin, für die Feuerwehr, neben der Familie, alles bedeutet. „Deshalb höre ich auch nicht ganz auf, den Job als zweite Stellvertreterin des Ketziner Ortswehrführers werde ich weiterhin machen.“

Als die Frauenabteilung gegründet wurde

Vor 35 Jahren, als in der Ketziner Feuerwehr eine Frauenabteilung ins Leben gerufen wurde, stand für Elke Lemke fest: „Da gehe ich hin.“ Zumal ihr Mann Jürgen auch in der Feuerwehr war (und noch immer in der Altersabteilung mitmischt). Damals waren die Frauen nur für die Versorgung der Kameraden und organisatorischen Dinge zuständig. Das änderte sich schnell. Elke Lemke absolvierte in zehn Jahren die Ausbildungen zum Truppman, Truppführer, Gruppenführer, Zugführer und zum Leiter einer Feuerwehr. 1995 übernahm sie die Führung der damaligen Feuerwehren des Amtes Ketzin als Amtsbrandmeisterin.

Gleich den ersten Einsatz hat sie in keiner guten Erinnerung: „Ich kam zu einem Verkehrsunfall in Falkenrehde, bei dem ein Lkw-Fahrer am Steuer verbrannt ist. Dieses Bild werde ich nicht vergessen“, sagt sie noch heute. So etwas wie Seelsorger gab es bei der Feuerwehr damals noch nicht. „Man musste das selbst verarbeiten.“

Bei mehr als 300 Einsätzen direkt dabei

„In den vielen Jahren als Amts- und Stadtbrandmeisterin hat Elke Lemke immer gute ehrenamtliche Arbeit geleistet. Sie hat die Frauenquote angehoben, auch deshalb ist es schade, wenn sie jetzt kürzer tritt“, sagt Kreisbrandmeister Lothar Schneider und ergänzt: „Ihre direkte Art hat mir gefallen. Sie hat stets die Sorgen angesprochen und nicht hintenrum irgendwo geklagt.“

Bei mehr als 300 Einsätzen der Feuerwehren aus Ketzin und den Ortsteilen war Elke Lemke direkt dabei, auch wenn sie selbst keinen Führerschein hat. „Irgendein Kamerad hat mich abgeholt, dass hat funktioniert.“ Wegen einer Schwäche beim räumlichen Sehen und „totaler Nachtblindheit“, wie sie sagt, habe sie keine Fahrerlaubnis gemacht.

Geschenke bekam Elke Lemke Mittwoch zum 60. Geburtstag und zur Verabschiedung als Stadtbrandmeisterin. Quelle: Tanja M. Marotzke

Aber mit dem Fahrrad ist sie ständig unterwegs, auch zwischen ihrer Wohnung im Fischerviertel und dem Depot in der Feldstraße.

Zachower Feuerwehr musste schließen

Dass das Ketziner Feuerwehrgebäude 2001 eine Fahrzeughalle bekam, dass die Fahrzeugflotte heute eine moderne ist und dass sich der Kontakt zur Ketziner Stadtverwaltung stetig verbessert hat, bezeichnet die Stadtbrandmeisterin als ihre größten Erfolge. „Meine bitterste Niederlage war die Schließung der Feuerwehr in Zachow. Zwei Jahre hatte ich versucht, sie mit Notlösungen am Leben zu halten. Das war aus heutiger Sicht falsch, ich hätte eher einen Strich ziehen sollen.“

Wer ihre Nachfolge antritt, ist noch offen. Donnerstag beraten darüber die Verantwortlichen aller Wehren der Stadt Ketzin und der Ortsteile sowie der Kreisbrandmeister. Favorit dürfte der bisherige Stellvertreter Steffen Vogeler sein. Der arbeitet seit 2004 mit Elke Lemke zusammen: „Mir persönlich war es eine Ehre, unter der Leitung von Elke Lemke in der Stadtwehrführung mitgewirkt zu haben. Ich hoffe, dass sie ihre Erfahrungen an die neue Wehrführung weitergeben wird und zur Verfügung steht, wenn es mal wieder ’brennt’“.

Lob vom Bürgermeister

Auch Ketzins Bürgermeister Bernd Lück würdigte die 24 Jahre Elke Lemkes in verantwortungsvoller Position bei der Ketziner Feuerwehr: „Sie haben das alles auf sich genommen, weil es ihre Lebensphilosophie war und ist, etwas für andere Menschen, etwas für das Gemeinwesen zu tun. Sie haben sich, wie ich selber erlebt habe, in manchmal zähen Verhandlungen mit den Stadtverordneten dafür eingesetzt, die Ausrüstung ihrer Mannschaft auf den neuesten Stand zu bringen. Sie haben die Leute motiviert, bei der Feuerwehr mitzumachen, und sie haben sie motiviert, dabei zu bleiben.“

Von Jens Wegener

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