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Ketzin Bürgermeister: Ketzin gehen jährlich 100.000 Euro verloren
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19:06 22.11.2019
Ketzins Bürgermeister Bernd Lück. Quelle: Wolfgang Balzer
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Ketzin/Havel

Neue Wohngebiete entstehen in Ketzin/Havel. Auch in den Ortsteilen wurde in den letzten Jahren viel gebaut. Über die Entwicklung Ketzins sprach die MAZ mit Bürgermeister Bernd Lück (FDP).

Die aktuelle Prognose des Landes Brandenburg sagt ein Sinken der Ketziner Einwohnerzahl von aktuell 6621 auf rund 5980 im Jahre 2030 voraus. Ist das realistisch?

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Bernd Lück:Seit Jahren ärgere ich mich über die realitätsfernen Prognosen. So hätte die Stadt nach der Landesvorausschau von 2005 heute lediglich gut 5700 Einwohner haben dürfen, nach der von 2014 auch nur etwas mehr als 6000. Immer wieder weise ich sowohl den Landkreis und auch das Land auf diese unrealistische Situation hin. Nach unseren sehr vorsichtigen Schätzungen wird Ketzin/Havel im Jahr 2030 mit den neuen Wohngebieten „Baumschulwiese“ und „Zuckerfabrik“ etwa 1000 Einwohner mehr haben als jetzt. Nach der Vorhersage des Landes dagegen sollen 840 weniger sein – eine Differenz von mehr als 1800.

Was bedeutet das für die Stadt?

Das hat gravierende Auswirkungen. Denn nach diesen Prognosen verteilt das Land sowohl die allgemeinen als auch die investiven Schlüsselzuweisungen an die Kommunen, bezogen auf die zwei Jahre zuvor geltende Einwohnerzahl. Im Durchschnitt der letzten Jahre waren das je 100 Einwohner durchschnittlich 45.000 Euro, was also erhebliche finanzielle Einbußen für Ketzin bedeutete.

Der Einwohnerzuwachs zwingt die Stadt aber speziell im sozialen Bereich zum Handeln.

Ja, so positiv die steigende Bevölkerungsentwicklung ist, stellt sie uns vor infrastrukturelle Probleme, die es in dieser Form in Ketzin/Havel noch nicht gab. Beide Schulen und alle Kitas stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Es wird schwer nachzusteuern, aber wir sind dabei. Sowohl in dem in Arbeit befindlichen Stadtentwicklungskonzept als auch im Bebauungsplan „Zuckerfabrik“ wird der Einwohnerzuwachs berücksichtigt. Eine Schule, eine Kita und Senioreneinrichtungen sind im neuen Stadtteil unverzichtbar. Einzelheiten werden mit dem Bebauungsplan festgelegt und im städtebaulichen Vertrag mit dem Investor geregelt.

Sie äußerten in der Vergangenheit immer wieder ihre Unzufriedenheit mit der Regionalplanung Berlin-Brandenburg und darüber, dass Ketzin/Havel dort kein Stimmrecht hat. Das Blatt hat sich gewendet.

Glücklicherweise ist die Grenze, ab der Kommunen ein Stimmrecht in der Regionalen Planungsgemeinschaft Berlin-Brandenburg haben, von 10.000 auf 5000 Einwohner gesenkt worden. Jetzt haben wir eine Stimme, zudem wurde ich in der konstituierenden Sitzung der neu zusammengesetzten Planungsgemeinschaft im Oktober in den Vorstand gewählt. Damit ist unsere Region mit Landrat Roger Lewandowski, Bürgermeister Bodo Oehme aus Schönwalde-Glien, dem Direktor des Amtes Beetzsee, Guido Müller, und mir im achtköpfigen Vorstand gut vertreten.

Was können Sie dort für die Stadt bewegen?

Diese Konstellation macht es möglich, auf den Inhalt des in Arbeit befindlichen Regionalplanes besser Einfluss zu nehmen. Beispielsweise darauf, welche Eignungsgebiete für Windräder oder Standorte für Fotovoltaikanlagen ausgewiesen werden.

2010 wurde Ketzin/Havel der Status als Grundzentrum aberkannt. Warum eigentlich?

Es ist nicht nachvollziehbar. Damals wie heute hat die Stadt die Voraussetzungen erfüllt. Dazu zählen unter anderem Schulen, Kitas, ärztliche Versorgung ebenso wie Apotheke und Einzelhandel. Die Nichtanerkennung bedeutet: Der Stadt gehen jährlich 100.000 Euro an Zuwendungen verloren. Das summiert sich bisher auf die stolze Summe von einer Million Euro.

Bleibt ihr Wunsch, dass Ketzin/Havel als „Grundfunktionaler Schwerpunkt“ anerkannt wird?

Gemeinsam mit den Mitgliedern anderer Orte, die in einer vergleichbaren Situation sind, habe ich dafür gestimmt und letztlich mit durchgesetzt, dass die Regionale Planungsgemeinschaft die Voraussetzungen für die Einstufung als „Grundfunktionaler Schwerpunkt“, wie es heute heißt, für Ketzin/Havel und die vergleichbaren Orte prüft. Und zwar als Nummer eins auf der Prioritätenliste der Regionalen Planungsgemeinschaft.

Von Wolfgang Balzer

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