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Ketzin Federballspiele im Schloss
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18:03 06.01.2019
Interessant war es für die Kinder auch in der Kutschenausstellung in der Remise des Schlosses.
Interessant war es für die Kinder auch in der Kutschenausstellung in der Remise des Schlosses. Quelle: Wolfgang Balzer
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Paretz

Wie verbrachte die Königsfamilie den Alltag im Schoss, was wurde gegessen, welche Spiele spielten die Königskinder? Schlossführerin Dörte Gussmann konnte alle diese Fragen am Sonntag erschöpfend beantworten.

Das Paretzer Schloss hatte zur ersten diesjährigen Familienführung „Raus aufs Land“ eingeladen. Raus aufs Land bedeutete für König Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Königin Luise vor rund 200 Jahren, die Sommermonate in Paretz zu verbringen, und das weitab vom Prunk der preußischen Residenzstadt Berlin.

Überraschung im Billardzimmer

In dem ländlich geprägten Schloss genossen sie ein „bürgerliches“ Familienleben auf dem Land. Und Spiele standen offensichtlich ganz oben auf der Liste ihrer Freizeitgestaltung. So staunten die Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern im Billardzimmer nicht schlecht, dass die Königskinder damals schon „Blinde Kuh“ oder „Verkleiden“ für improvisiertes Kindertheater spielten.

Das hatten sie auf den Gemälden auch gleich richtig erraten. Munter zählten die Kinder auf die entsprechende Frage von Dörte Gussmann auf, was es zu der Zeit alles nicht gab: Handy, Telefon, Fernseher, Autos…. So habe die Königin sehr viele Briefe geschrieben, erzählte sie, ein dickes Buch voll. Und recht liebevolle auch an ihre Kinder. Darunter ein Dankeschön für die Möhren, den Kohl oder den Salat, den die ältesten ihrer zehn Kinder im eigenen Garten angebaut hatten.

Papier aus Lumpen

Nicht die große Staatspolitik wurde im königlichen Arbeitszimmer erklärt, vielmehr die heute ganz unüblichen Dinge. Kugelschreiber gab es noch nicht und so zeigte Dörte Gussmann eben den damals als Schreibgerät genutzten Federkiel und ein recht dickes Blatt Papier, hergestellt aus Lumpen. Geschrieben wurde mit Tinte aus Holzkohlenmehl.

Frank Roffeis war begeistert, wie kindgerecht diese Führung gestaltet wurde, bei der die Sechs- bis Zwölfjährigen immer wieder gefragt waren. So erkannte Enkeltochter Elsa (8) beim Betreten des nächsten Raumes anhand der wertvollen Tapeten, dass es sich um den Gartensaal handeln könnte.

Die Kutschen beeindruckten

Ungläubige Blicke im nächsten Raum, dem recht kleinen Gesellschaftssaal. Hier wurden Gäste empfangen, man trank Tee, tanzte und spielte auch hier – sogar Federball. Noch ein Höhepunkt erwartete die Besucher: Die Kutschen- und Sänftenausstellung in der Remise mit dem Glanzstück: die einst von acht Pferden gezogene Staatskarosse Friedrich Wilhelms II..

„Super, wie die Kinder in diese interessante Führung einbezogen werden. Mir hat sie gut gefallen“, lobte dann auch Stephanie Pfitzner, die erst seit Kurzem in Paretz wohnt. Die Familienführung wird am 3. Februar und erneut im März wiederholt. Auf Grund der begrenzten Teilnehmerzahl wird sie um Voranmeldung unter 033233/ 73611 oder schloss-paretz@spsg.de gebeten.

Von Wolfgang Balzer