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Ketzin Konzept zur Stadtentwicklung soll her
Lokales Havelland Ketzin Konzept zur Stadtentwicklung soll her
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11:52 28.08.2019
Auf dem Areal der alten Zuckerfabrik, wo derzeit Futtermittel und Getreide lagern, sollen künftig viele Menschen wohnen. Quelle: Wolfgang Balzer
Ketzin/Havel

Wo will Ketzin hin? Wie soll sich die Stadt entwickeln? Wie viele Einwohner verträgt die Kommune? Spätestens nachdem ein potenzieller österreichischer Investor aufgetaucht ist, der das riesige Areal des ehemaligen Zuckerfabrik an der Havel neu beplanen und unter anderem mit 500 Wohnungen und Gewerbeeinheiten und bebauen will, sind die Diskussionen über die Notwenigkeit eines Stadtentwicklungskonzeptes für Ketzin/Havel wieder in Gang gekommen.

Insgesamt umfasst das Plangebiet des Investors etwa 18,2 Hektar und ist damit annähernd so groß wie zwei Drittel des Ketziner Altstadtbereiches. „Wegen der großen Ausdehnung sind von dessen Bebauung und damit verbundenen Nutzungen erhebliche Auswirkungen auf das Stadtgebiet zu erwarten“, sagt Bauamtsleiterin Sabine Pönisch.

Die Wünsche der Ketziner erfragen

Stellt sich also die Frage, ob die Wünsche der Ketziner mit den Wünschen des Investors übereinstimmen und wie die Genehmigungsbehörden zu dem Vorhaben stehen, wenn kein Gesamtkonzept für die Kernstadt vorliegt. So gab Stadtverordneter Bert Tschirner (Fraktion Grüne, Bürger, Piraten) im Hauptausschuss zu Bedenken: „Wenn wir für die Aufstellung eines Bebauungsplanes ’Zuckerfabrik’ stimmen, gibt uns dann nicht ein Investor vor, wie sich Ketzin entwickelt?“ Hinzu kommt, dass auch das zweiteneue Wohngebiet „Baumschulwiese“ in seinen Grundplanungen bereits feststeht.

Mehrere Verfahren parallel

Um wesentliche Aussagen zu bestehenden und künftigen Bedarfen und möglichen Lösungsszenarien treffen und eine optimale Integration des Plangebietes ’Zuckerfabrik’ in die Stadt ermöglichen zu können, soll eine informelle Planung als Grundlage für die Erarbeitung des Bebauungsplans „Zuckerfabrik“ erarbeitet werden, so Pönisch. „Es ist gängige Praxis, dass Verfahren parallel laufen, also die Stadt an einem Entwicklungskonzept arbeitet und ein Bebauungsplan aufgestellt wird, ja sogar die Änderung des Flächennutzungsplanes gleichzeitig angeschoben wird. Einige in dem B-Plan-Verfahren ’Zuckerfabrik’ gewonnenen Ergebnisse aus Gutachten können in städtische Planungen einfließen“, so die Bauamtsleiterin.

Aus ihrer Sicht kann nur ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (Insek) die Ziele für die gesamtstädtische Entwicklung Ketzins aufzeigen, wobei das Vorhaben „Zuckerfabrik“ eine Schlüsselrolle spielen würde.

Neue Bedarfe müssen begründet sein

Weil Ketzin/Havel laut dem Landesentwicklungsplan Hauptstadtregion (LEP HR) aber nicht zum „Gestaltungsraum Siedlung“ gehört, darf sich die Stadt nur in einem festgelegtem Umfang entwickeln. Würde das Vorhaben „Zuckerfabrik“ umgesetzt, „wären die Entwicklungsmöglichkeiten wahrscheinlich vollständig erschöpft, unter Umständen sogar bereits überzogen“, nimmt Sabine Pönisch an. Deshalb müsse die Stadt dringend in einem Konzept neue Bedarfe und Potenziale, Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken gegenüber der Landesplanung nachvollziehbar begründen. Allem vorausgehen müsse eine umfängliche Bestandsanalyse der Vor-Ort-Situation. Dabei werden auch Hinweise der Bürger mit einbezogen.

Über die weitere Verfahrensweise entscheiden die Ketziner Stadtverordneten am 9. September.

Von Jens Wegener

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