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Ketzin Neue Mitte und ein fünfter Ortsteil
Lokales Havelland Ketzin Neue Mitte und ein fünfter Ortsteil
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15:17 25.04.2019
Die neue Mitte Ketzins aus der Vogelperspektive. Quelle: Tanja M. Marotzke
Ketzin/Havel

Mit einem Rechtsstreit, der erst 2017 endgültig entschieden wurde, begann 2014 die Legislaturperiode des neu gewählten Ketziner Stadtparlaments. Auslöser war SPD-Mann Thomas Seelbinder. Der hatte zwar einen der sieben Sitze der SPD bei der Wahl erreicht, durfte sein Mandat aber nicht annehmen.

Laut Brandenburger Wahlgesetz, so alle gerichtlichen Instanzen, ist seine berufliche Tätigkeit als Vorsteher des Wasser- und Abwasserverbandes Havelland (WAH), zu dem Ketzin/Havel gehört, nicht vereinbar mit einem Engagement in der Ketziner Lokalpolitik. Deshalb rückte Michael Werner für die SPD-Fraktion anstelle von Thomas Seelbinder ins Stadtparlament ein.

Wenig personelle Änderungen

Es sollte eine der wenigen personellen Veränderungen in der Besetzung der Stadtverordnetenversammlung bleiben. Lediglich CDU-Fraktionschef Roman Lange zog sich 2016 aus der Kommunalpolitik zurück, wurde Büroleiter des Landrates Roger Lewandowski. Für ihn zog Christel Zimmer ins Parlament, die auch gleich die Führung der Fraktion übernahm.

Ketzin/Havel ist eine amtsfreie Kleinstadt im Havelland.

Einwohner: 6598

Fläche: 92,80 km²

Ortsteile: Etzin, Falkenrehde, Paretz, Tremmen, Zachow

Rutsche im Strandbad

Wer auf die vergangenen fünf Jahre Ketziner Stadtentwicklung zurückblickt, kommt zu der Aussage: Es hat sich einiges bewegt, obwohl die Havelstadt nicht im direkten Speckgürtel liegt und dadurch von der einen oder anderen Fördermöglichkeit abgeschnitten ist. Vor allem auf den Tourismus, genauer gesagt, auf den Wassertourismus, zu setzen, ist die Chance, die die Kommune genutzt hat.

Rückblick auf kommunalpolitische Ereignisse in Ketzin/Havel seit 2014.

Auch, weil sich alle Parteien und Wählergruppen in der Zielrichtung einig waren und sind. Das Strandbad hat endlich eine Rutsche bekommen, der Biwakplatz wurde aufgewertet. Gleich nebenan ist ein großer Kunstrasenplatz entstanden, der nicht nur Vereinen zur Verfügung steht.

Modernes Wohngebäude in der Feldstraße

Prunkstück ist die Neue Ortsmitte. Der umgebaute alte Späth’sche Gutshof mit dem neuen Edekamarkt und der „Cantina“ können sich sehen lassen, auch, wenn die Stiftung Paretz immer noch angehalten ist, mehr Leben auf diesen Platz zu bringen. Die Stadtverordneten und die Verwaltung hatten ihren Anteil daran, dass die Ruine des „Roten Schlosses“ an der Feldstraße verschwunden ist und dort die GWV Ketzin ein Mehrfamilienhaus mit 20 Wohnungen errichtet hat.

Wer regiert jetzt?

Bürgermeister: Bernd Lück (FDP)

Stadtverordnetenversammlung:

SPD – 7 Sitze

CDU – 4

Die Linke – 2

FDP – 1

Freie Wähler für Zachow 2008 – 1

Freie Wählergemeinschaft Falkenrehde – 1

Freie Wähler Etzin – 1

Bündnis 90/Die Grünen – 1

So manch frischen Wind ins Stadtparlament brachte die einzige Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen. Gabriele Bieber-Langenströher aus Etzin war neu, stellte Fragen, brachte das eine oder andere Thema aus grüner Sicht ein. Sie bildete schließlich eine Fraktion mit den Linken.

Bei der vor allem von Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Tschirch (SPD) geforderten Bürgerbeteiligung gibt es Luft nach oben. Das zeigte sich bei der geringen Beteiligung an den Umfragen zu den Bürgerhaushalten und beim Servicebarometer.

Logistikzentrum in Etzin

Wirtschaftlich ist die Stadt Ketzin/Havel keine Hochburg, wird es wohl auch nicht werden. Selbst, wenn es mit der Ansiedlung des Hermes-Logistikcenters in Etzin, neben Mosolf, einen Schub gegeben hat. Doch die Freude über die Arbeitsplätze und die Steuereinnahmen werden getrübt wegen der Beschwerden über kaputte Straßen und Lärm, den die vielen Logistik-Lkws verursachen.

Wer tritt am 26. Mai 2019 zur Wahl an?

SPD – 11 Kandidaten

CDU – 8

Die Linke – 4

Bündnis 90/Die Grünen – 7

FDP – 5

Freie Wähler Falkenrehde – 2

Freie Wähler Zachow 2008 – 2

Freie Wähler Tremmen – 5

Einzelbewerber: Bert Tschirner

Piratenpartei Deutschland – 1

„Der schlechte Zustand der Abschnitte der Landesstraße in und um Etzin sowie in Wernitz ist seit 20 Jahren bekannt. Auf Dauer nur auf Verschleiß zu fahren, kann nicht gutgehen“, schimpft Bürgermeister Bernd Lück (FDP) seit Jahren. Doch auch ihm ist es nicht gelungen, das Land konkret in die Pflicht zu nehmen. Wenn er im September 2019 bei der Bürgermeisterwahl wieder antritt und gewinnen sollte, ist das eine der wichtigsten Aufgaben.

Kitaplätze sind knapp

Wie viele andere Kommunen im Havelland, hat Ketzin beim Thema Kita-Plätze nicht zeitig gehandelt. Den durch den Zuzug gestiegenen Bedarf konnte man über Monate nicht decken, man hangelte sich von Sondergenehmigung zu Sondergenehmigung, reizte die Kapazitätsgrenze der kommunalen Kitas aus. Dass in Falkenrehde jetzt eine private Kita entsteht, kann davon nicht ablenken. Auch nicht die Tatsache, dass im künftigen Wohngebiet Baumschulwiese der Eigentümer eine Kita bauen will.

Schiffbarkeit für Motorboote erreicht

Für die Paretzer hat sich in der zurückliegenden Wahlperiode ein Wunsch erfüllt – man ist Ortsteil geworden, damit gleichberechtigt mit Tremmen, Zachow, Falkenrehde und Etzin. Alle Fraktionen hatten dieses Anliegen unterstützt. In Tremmen freuen sich die Sportler über das neue Sozialgebäude. Und sogar das schwierige Problem der Schiffbarkeit der Gewässer am Brückenkopf mit Motorbooten ist gelöst, jedenfalls deuten alle Aussagen der Verantwortlichen darauf hin.

Alles in allem ist die Kommune Ketzin/Havel finanziell stabil, die Einwohnerzahl ist entgegen aller Prognosen des Landesamtes für Statistik gewachsen, auch wenn die 7000er-Marke noch nicht geknackt wurde.

Von Jens Wegener

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