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Ketzin Durch Zufall Lok-Führer geworden
Lokales Havelland Ketzin Durch Zufall Lok-Führer geworden
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20:12 08.04.2019
Fachsimpeln zur Geschichte der Eisenbahnen: Helmut Stoll (l.) und Gerhard Gall. Quelle: Wolfgang Balzer
Tremmen

Ein gellender Pfiff und eine amtliche Durchsage: „Zurücktreten von der Bahnsteigkante…Tremmen Hauptbahnhof, eingefahren ist der Zug nach Röthehof“. Lothar Lehnhardt, Museumsvereinsvorsitzender und nun auch mal ganz amtlich Fahrdienstleiter, begrüßte mehr als 100 t Gäste zur Eröffnung der thematischen Ausstellung im Tremmener Dorfmuseum, die die Geschichte der Ost- und der Westhavelländischen Kreisbahnen dokumentiert.

Unter den Gästen waren auch viele Eisenbahner, die die Geschichte der Kreisbahnen oft über mehrere Jahrzehnte mitgeschrieben haben. Allen voran Jörg Schulze aus Brandenburg an der Havel, der – wie er selbst erzählte – einst Oberamtmann bei der Reichsbahndirektion Magdeburg war. Er hat als Experte gemeinsam mit Lothar Lehnhardt und mit Unterstützung ehemaliger Eisenbahner die Ausstellung zur Geschichte der Havelländischen Kreisbahnen gestaltet.

Mit einem Gesetz fing alles an

Begonnen hat diese mit dem Beschluss des Preußischen Kleinbahngesetzes im Jahre 1893. So entschieden sich der Landkreis Osthavelland, die Gemeinden Nauen und Ketzin sowie die Zuckerfabrik Nauen, das Kreisgebiet mit Eisenbahnstrecken zu erschließen. Als erste wurde die Kleinbahn Ketzin-Nauen am 4. Oktober 1893 für den Güterverkehr und am 13. Dezember für den Personenverkehr eröffnet. Wie Jörg Schulze erläuterte, kamen um 1904 die Strecken Nauen-Velten und von Bötzow nach Spandau hinzu.

Die Westhavelländischen Kreisbahnen betrieben die Strecke von Röthehof bei Wustermark bis zum damaligen Trennungsbahnhof Roskow und weiter auf zwei Strecken nach Brandenburg. Sie endeten am Krakauer Tor und in der Altstadt.

Champignons gesammelt

Gerhard Gall aus Brandenburg erzählte am Rande der Ausstellung, dass er als Lokführer während der Fahrt zwar keine Blumen gepflückt habe, aber manchmal als Lokführer von Güterzügen an einer Koppel bei Niebede angehalten habe. „In zehn Minuten war der Korb voll – mit Champignons“. Und Lokführer wäre er eher zufällig geworden.

Das war 1954. Angehende Lokführer hätten damals in Ketzin/Havel ihre Prüfungsarbeit geschrieben. „Ich wollte mir das ansehen, habe versuchsweise mitgeschrieben und sogar bestanden“, erinnerte er sich nicht ohne Stolz im Gespräch mit Helmut Stoll.

Ratte ins Uhrwerk gelegt

Der war selbst hier 41 Jahre Eisenbahner. Zu seinen Aufgaben gehörte das Aufziehen der Röthehofer Bahnhofsuhr. „Damals waren wir unter Kollegen gerne mal zu einem Streich aufgelegt“, schmunzelte er und musste das Echo ertragen. Kollegen hatten ihm eine Ratte ins Uhrwerk gelegt.

So verlief die Ausstellungseröffnung ebenso mit Episoden aus dem Eisenbahnerleben wie auch mit fachlichen Erinnerungen. Bernd Stenzel war unter anderem in den 90er-Jahren als Betriebsbezirksleiter in Rathenow tätig. Zu dieser Funktion gehörte es auch, zur Zeit des Schnellbahnbaues verschiedene Bahnhöfe zu entrümpeln. „Meine Garage ist voll. Vom Gepäcknetz bis zur Karbidlampe habe ich alles aufgehoben“, erzählte er.

Fotos sind Bereicherung

Die Erinnerungsstücke an die Eisenbahngeschichte sind zwar interessant, aber sie hätten die Kapazität des kleinen Dorfmuseums überschritten, meinte Lehnhardt. Aber immerhin sind mehrere Fotos eine Bereicherung der Ausstellung zur Kreisbahnengeschichte.

Auch Tremmen selbst, damals zum Kreis Westhavelland mit der Kreisstadt Rathenow gehörend, war mit dem Bahnhof mit den Westhavelländischen Kreisbahnen verbunden. 1901 wurde hier die Station an der Strecke von Röthehof nach Brandenburg/Krakauer Tor gebaut. Um in die Kreisstadt zu gelangen, musste man sich entweder zu Fuß von Röthehof zum Bahnhof Neugarten bewegen oder nach Groß Behnitz fahren. Das waren Stationen auf der Bahnstrecke nach Rathenow.

Über Nauen nach Berlin

Über Nauen konnten auch Güterzüge nach Berlin fahren. Für das Dorf Tremmen mit seiner reichen und intensiven Landwirtschaft war diese Transportmöglichkeit von Kartoffeln und Kohl nach Berlin, von Zuckerrüben zur Nauener Zuckerfabrik und von Schlachtvieh damals ein enormer Fortschritt, schreibt Lothar Lehnhardt in seiner Dokumentation.

Die diesjährige Ausstellung ist nicht nur für Eisenbahnfreunde sehenswert, sie ist auch ein Stück wirtschaftlicher Zeitgeschichte und mit viel Sorgfalt zum Detail erarbeitet worden.

Vier mal täglich nach Ketzin

Und auf den Fahrplänen aus der damaligen Zeit ist beispielsweise auch zu erfahren, dass man jeweils vier Mal täglich mit der Bahn von Nauen nach Ketzin/Havel und zurück fahren konnte. Wer um 8.25 von Nauen abfuhr, war auf der 15,6 Kilometer langen Strecke um 9.16 Uhr in Ketzin/Havel.

Geöffnet ist die Ausstellung jeweils an den Wochenenden und an Feiertagen von 13.30 bis 17 Uhr.

Von Wolfgang Balzer

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