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Havelland Kita-Streik: Zwischen Verständnis und Genervtsein
Lokales Havelland Kita-Streik: Zwischen Verständnis und Genervtsein
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17:51 11.05.2015
Auch die Kita „Am See“ in Falkensee wird bestreikt Quelle: Schnaibel
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Havelland

In der Kita "Wirbelwind" wirbelte am Montag nichts. Kein Kind kletterte, rutschte oder schaukelte auf dem Hof, die Spielgeräte standen verwaist da. Ein Zettel an der Eingangstür informierte: "Kita-Streik vom 11. bis 13. Mai".

Die Falkenseer Kindertagesstätte beteiligt sich am Streik, der in Brandenburg die kommunale Kinderbetreuung auf den Kopf stellt. Die Gewerkschaft Verdi fordert für Erzieherinnen im Schnitt rund zehn Prozent mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen.

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 Service: Diese Kitas haben in Brandenburg geschlossen >

Ketzins Bürgermeister Bernd Lück (FDP) bekam den Streik schon am Freitag zu spüren: "Ich habe stundenlang nur mit Eltern telefoniert, die sich beschwerten", sagte er am Montag. Er konnte sie meist beruhigen, weil ja die Kommune nicht Schuld an den geschlossenen Häusern war. Aber er selbst konnte sich nicht richtig beruhigen, denn er ärgert sich vor allem über den Streik in der Paretzer Kita "Havelfrüchtchen". Die Mitarbeiter streiken nicht nur, um die Gewerkschaft bei ihren Verhandlungen zu unterstützen, sie fordern von der Stadt eine bessere personelle Ausstattung. "Die Lage ist durch Krankheit angespannt", bestätigte Bürgermeister Lück, aber er hält in solcher Situation eine 40-Stunden-Woche für machbar. Nicht für machbar hält er die Verknüpfung der Forderungen bei einem unbefristeten Streik. "Wir können auch anders", sagte er. Man könne zum Beispiel darüber nachdenken, die Kita an einen freien Träger zu übergeben.

Die Einrichtungen der freien Träger streiken nicht. Nicht direkt jedenfalls. In Falkensee gibt es durchaus eine Ausnahme. "Wir unterstützen die Forderungen der Kollegen aus den städtischen Einrichtungen", sagte Peggy Richter von der ASB-Kita "Tollhaus am Wald". Die Unterstützung ist handfest: Die Mitarbeiter nehmen am Dienstag an Sternenmarsch und Kundgebung vor dem Falkenseer Rathaus teil, dafür wird ihr Haus mit Kita und Hort auf eine Notbesetzung reduziert. "Wir haben die Eltern angesprochen, dass wir an der Kundgebung teilnehmen wollen, und sie gebeten, ihre Kinder Dienstag nicht in die Kita zu bringen", sagte Peggy Richter. Fast alle Eltern haben das unterstützt, vier Fünftel der Kinder bleiben zu Hause.

Lediglich am Dienstag schließt auch die Falkenseer Kindertagesstätte "Seegefelder Strolche". Die Mitarbeiter der städtischen Einrichtung nehmen an der Kundgebung teil, beteiligen sich aber sonst nicht an dem Streik. Damit sind sie eine Ausnahme, die meisten kommunalen Kindertagesstätten im Havelland blieben am Montag bereits dicht. Das großen Plakat "Kita-Streik" ist am Zaun von Falkensees kleinster Kita "Am See" nicht zu übersehen. "Es ist 5 vor 12" heißt es schwarzseherisch auf einem Plakat an der Kita in der Leipziger Straße. "Auch unsere Kita wird bestreikt", heißt es auf der Internetseite vom Falkenseer "Spatzennest". Der Vorsitzende des Fördervereins, Martin Wysterski, wirbt auf der Seite und per Facebook: "Und nicht vergessen: Dienstag von 11 bis 13 Uhr gibt es eine Demonstration vor dem Rathaus Falkensee. Geht hin und unterstützt die Erzieher in ihrem Anliegen!"

Dass nicht alle den Streik unterstützen, zeigt die Debatte auf Facebook. "Es nervt einfach gerade", schreibt Michel Erdmann, "keine Bahn, unsere Automaten sind leer und jetzt streikt auch noch die Kita."

Von Marlies Schnaibel

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