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Havelland Kreis streicht Geld für Jugendarbeiter
Lokales Havelland Kreis streicht Geld für Jugendarbeiter
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14:28 14.08.2019
Im Freizeithaus Mühle in Rathenow fühlen sich Kinder und Jugendliche wohl – nun will der Kreis an dieser Stelle die Unterstützung für Personalkosten streichen. Quelle: Markus Kniebeler
Havelland

Der Brief, den Kreissozialdezernent Wolfgang Gall (CDU) an die Bürgermeister und Amtsdirektoren verschicken ließ, verheißt nichts Gutes. Das Kreisförderprogramm „Offene Jugendarbeit“ soll Ende des Jahres auslaufen. Dabei war es für 2018 erstmals aufgesetzt worden. Und nicht nur das: bei den so genanten PKR-Stellen war geplant, die Vergütung schrittweise zu erhöhen. Auch das wurde vorerst gestoppt.

Steigende Kosten

Hintergrund sei, so erläutert Wolfgang Gall, der steigende Kostenbedarf bei der Kinderbetreuung. Es werden immer mehr Kinder betreut, es müssen neue Kita-Plätze geschaffen werden und das letzte Kita-Jahr ist kostenfrei. „Dadurch entsteht auf den Kreis, die Städte und Gemeinden ein enormer Kostendruck, der vom Land nicht vollends abgefangen wird.“

Nicht nur Jugendarbeit

Es muss also gespart werden, um die Kinderbetreuung ab 2020 auskömmlich zu finanzieren. Und wie es aussieht, sind das Programm für Jugendarbeit und die PKR-Stellen nicht die einzigen Themen, die in dem Zusammenhang erörtert werden. So war zu hören, dass auch in dem Stellenprogramm für Vereine, mit dem Vereine und Verbände Stellen besetzen können, betroffen ist.

Im Freizeithaus Mühle Rathenow gibt es viele Angebote. Quelle: Norman Giese

Der Landkreis hält eine Vielzahl weiterer freiwilliger Programme vor. Der „Goldene Plan Havelland“ zur Förderung von Sportstätten und Sportinfrastruktur, das Schulausstattungsprogramm, ein Tourismuskleininvestitionsprogramm und nicht zu vergessen ein Förderprogramm für Feuerwehren, das ebenfalls gerade erstmals aufgelegt wurde.

Vorerst keine Auskunft

Wo wird also noch gespart? Auskunft darüber könnte die Finanzbeigeordnete Elke Nermerich (SPD) geben. Landrat Roger Lewandowski (CDU) ist zurzeit im Urlaub. Aber Elke Nermerich hatte wissen lassen, dass sie zu diesen Fragen vorerst keine Stellung bezieht. Erst müsse es weitere Beratungen geben. Der Haushaltsentwurf soll im Herbst offiziell vorgestellt werden.

Seeger beklagt sich

Rathenows Bürgermeister Ronald Seeger bezeichnete bei einer Sitzung des Sozialausschusses der Rathenower Stadtverordneten die Pläne der Kreisverwaltung als „Katastrophe“. Drei Jugendarbeiter werden auf dem Weg finanziert. Die Personalkosten tragen anteilig Kreis und Stadt je zur Hälfte. Betroffen sind die Jugendzentren Freizeithaus Mühle und das Jugendzentrum Oase.

Kreissozialdezernent Wolfgang Gall (rechts) mit Rathenows Ronald Seeger. Quelle: Uwe Hoffmann wort+bild

Auch in anderen Städten würden die Pläne einen Einschnitt bedeuten. In Falkensee ist eine Stelle vergeben. Diese ist zurzeit wegen des Fachkräftemangels aber nicht besetzt. Im Gebiet der Stadt Nauen gibt es derzeit keine Stelle, die aus dem Topf finanziert wird. Das gilt auch für das Amt Friesack.

Bisher zehn Stellen

Insgesamt gebe es zehn Stellen aus dem Programm, für das über 200 000 Euro zur Verfügung stehen, so Wolfgang Gall. Von den zehn Stellen seien acht vergeben. Aber nicht alle Stellen konnten aufgrund des Fachkräftemangels besetzt werden.

Erster Protest

Ob diese Pläne, die für den Haushalt 2020 greifen sollen, vom Landrat und seiner Finanzbeigeordneten so durchzusetzen sind, ist nicht sicher. Rathenows Bürgermeister Seeger appellierte an Kreistagsabgeordnete aus allen Fraktionen, sich für die Jugendarbeit stark zu machen. Diana Golze (Die Linke) sagte bereits zu, dass darüber in den Kreistagsgremien noch zu reden sei.

Auf dem Märkischen Platz in Rathenow kommt es immer wieder zu Schlägereien und Übergriffen, an denen Jugendliche beteiligt sind. Quelle: Kay Harzmann

Das betont auch der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion, Michael Koch. „Auch mit Blick auf die Übergriffe von Jugendlichen auf dem Märkischen Platz in Rathenow kann ich das so nicht akzeptieren.“ Die Summe, die der Kreis einspare, werde „den Haushalt nicht retten“. Zudem sei zunächst zu erörtern ob der Haushalt überhaupt „gerettet“ werden muss.

Suche nach einer Mehrheit

Da Landrat Roger Lewandowski keine Zählgemeinschaft mehr hinter sich weiß, die ihm im Kreistag Mehrheitsentscheidungen sichert, wird es für die Kreisverwaltung schwer werden, das Programm für Jugendarbeiter tatsächlich ganz vom Netz zu nehmen.

Das Trostpflaster

Ein Trostpflaster würde Wolfgang Gall allerdings aufkleben. „Mit Hilfe eines Landesprogrammes können wir bei den Schulsozialarbeitern aufstocken.“ Das ergebe sicher eine Chance zur Weiterbeschäftigung für Personen, die aus dem Jugendarbeiterprogramm herausfallen.

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Von Joachim Wilisch

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