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Havelland Kreis lässt Asylbewerber zu Altenpflegehelfern ausbilden
Lokales Havelland Kreis lässt Asylbewerber zu Altenpflegehelfern ausbilden
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17:38 21.10.2018
Insgesamt 15 Kursteilnehmer begannen ihre Qualifizierung zum Altenpflegehelfer.
Insgesamt 15 Kursteilnehmer begannen ihre Qualifizierung zum Altenpflegehelfer. Quelle: Uwe Hoffmann
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Rathenow

Seit dem 3. September lernen 15 Asylbewerber verschiedener Nationen aus dem gesamten Landkreis gemeinsam, um eine Qualifizierung zum Altenpflegehelfer absolvieren zu können.

Erstmals im Kreis

Das erstmals im Havelland stattfindende, durch das Landesprogramm „Bündnis für Brandenburg” finanziell geförderte, Projekt ist eine Kooperation des Landkreises mit den Bildungsträgern Institut für Kommunikation und Wirtschaftsbildung (IKW) und Ländliche Erwachsenenbildung Prignitz-Havelland (LEB) sowie der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Während ihres täglichen Unterrichts erhielten die Kursteilnehmer am Donnerstag zu ihrem Unterrichtsstart jetzt offiziell eine Schultüte, gefüllt mit Schulbedarf und Hygieneartikeln, überreicht, die sie neugierig auspackten.

Die Kursteilnehmer packen gespannt ihre Schultüten aus. Quelle: Uwe Hoffmann

„Die durch die Awo, und andere die Asylbewerber betreuenden Organisationen, angesprochenen Asylbewerber verfügen über einen unterschiedlichen Aufenthaltsstatus wie auch Zugangsvoraussetzungen. Zuvor absolvierten alle jedoch einen Deutsch-Kurs”, so der Gesundheitsdezernent und Vizelandrat des Landkreises, Wolfgang Gall. Gall weiter: „Mit diesem Projekt erhalten die Flüchtlinge aus Staaten mit geringer Aussicht auf positive Entscheidung ihres Asylverfahrens eine bessere Bleibeperspektive. Einerseits werden diese hier lebenden Asylbewerber so besser integriert und können durch ihren Abschluss gezielt den Arbeitskräftemangel im Bereich Pflege entspannen.”

1000 Pflegekräfte werden gebraucht

Aus dem im März durch den Kreistag beschlossenen Pflegebedarfsplans des Landkreises bis 2030/2032 geht hervor, dass die Zahl der Pflegebedürftigen vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung von derzeit rund 6000 auf 9000 steigen wird. Demzufolge wurde, ausgehend von den Beschäftigtenzahlen des Jahres 2016 errechnet, dass weit über 1000 zusätzliche Pflegekräfte bis zum 2032 gebraucht werden.

Die Qualifizierung zum Altenpflegehelfer erfolgt über zwei Stufen. Bis Ende April 2019 werden die Kursteilnehmer durch Lehrer des IKW und der LEB im wochentäglichen Unterricht zum Hauptschulabschluss geführt. Danach erfolgt, mit Beginn des neuen Schuljahres, die 200 Stunden umfassende fachliche Qualifizierung.

Gesundheitsdezernent Wolfgang Gall überreichte den Kursteilnehmern kleine Schultüten. Quelle: Uwe Hoffmann

„Der Kurs ist anspruchsvoll. Die Teilnehmer haben die Herausforderung angenommen und sind motiviert und ich hoffe, dass so viele wie möglich durchhalten und den Abschluss erreichen”, so Ulf Hofmann, Koordinator des Unterrichts beim IKW. „Die Schüler werden mit täglicher Anwesenheitspflicht konfrontiert, müssen, unterstützt durch eine Sozialarbeiterin der Awo, Hausaufgaben erfüllen und Prüfungen ablegen.”

Aus verschiedenen Ländern

Die Asylbewerber kommen aus Staaten wie Kenia, Somalia, Afghanistan, Algerien und Tschetschenien. Zu denen mit beruflicher Erfahrung im Pflegebereich gehört Sylvie Nyatcham. 2015 flüchtete sie aus ihrer Heimat Kamerun und lebt seitdem in Deutschland. „Nach zweijähriger Ausbildung habe ich schon sechs Jahre als Krankenhelferin in meiner Heimat gearbeitet”, erzählt die in der Rathenower Gemeinschaftsunterkunft lebende Sylvie Nyatcham. „Ich würde mich freuen, wenn ich in meinem Beruf weiter arbeiten könnte. Bei der Diakonie und im Seniorenheim habe ich bereits jeweils ein Praktikum absolviert.”

Von Uwe Hoffmann

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