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Havelland Landkreis Havelland bleibt bei der Einführung von Restmüll-Mindestleerungen
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Landkreis Havelland bleibt bei der Einführung von Restmüll-Mindestleerungen

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17:28 25.11.2021
In Schwanebeck landet der Müll aus dem Havelland. Für die Entsorgung ist die Havelländische Abfallwirtschaftsgesellschaft zuständig. Ein Ärgernis sind mit Restmüll gefüllte Papierkörbe.
In Schwanebeck landet der Müll aus dem Havelland. Für die Entsorgung ist die Havelländische Abfallwirtschaftsgesellschaft zuständig. Ein Ärgernis sind mit Restmüll gefüllte Papierkörbe. Quelle: fotos: Markus kniebeler, privat, tJens Wegener
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Rathenow

Auch nach einer ausführlichen Diskussion im Kreisausschuss des Kreistages bleibt es dabei, dass es ab dem kommenden Jahr eine Restmüll-Mindestleerung geben soll.

Kreisumweltdezernent Michael Koch erklärte einmal mehr, was das bedeutet: „Wir haben errechnet, dass für jeden Einwohner im Kreis pro Jahr im Durchschnitt 723 Liter Restmüll anfallen. Etwa ein Drittel dieser Kennzahl haben wir für die Mindestentleerung festgelegt.“

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Wenn der Kreistag die neue Satzung zu den Müllgebühren beschließt, müssen Einwohner mit einer 60-Liter-Restmülltonne diese wenigstens vier Mal zur Entleerung durch die Havelländische Abfallwirtschaftsgesellschaft mbH bereitstellen. Hat ein Haushalt eine 120-Liter-Tonne, muss diese zweimal geleert werden.

Bisher gab es das nicht

Bisher hat es eine Mindestleerung im Landkreis Havelland nicht gegeben. Ein wichtiger Aspekt, weshalb diese Mindestleerung zwingend vorgeschrieben werden muss, sei die Einführung der Gelben Tonne für Leichtverpackungen.

Gelbe Tonnen und gelbe Säcke

Im Landkreis Havelland gibt es bereits Haushalte mit Gelben Tonnen. Hierin wird aber offenbar mehr entsorgt als nur Leichtverpackungen. Koch rechnete vor: „Im Bundesdurchschnitt fielen im vergangenen Jahr 28 Kilogramm Leichtverpackungen pro Einwohner im Jahr an. Im Havelland sind im gleichen Zeitraum 45 Kilogramm pro Einwohner angefallen.“

Ein Fahrzeug der Havelländischen Abfallwirtschaft. Quelle: privat

Das lasse den Schluss zu, dass in der Gelben Tonne zahlreiche – wie es im Expertenjargon heißt –, „Fehlwürfe“ zu finden sind.

Das Duale System sei mit der Einführung der Gelben Tonne nur einverstanden, wenn gleichzeitig eine Mindestleerung für Restmüll in der Gebührensatzung steht. „So wollen wir den Fehlwürfen in der Gelben Tonne entgegenwirken“, verdeutlichte Michael Koch im Kreisausschuss.

Wo sind die Tonnen?

Die Sprache kam auch noch einmal auf 7500 Restmülltonnen, die im Landkreis noch nie zur Leerung bereitgestellt wurden. „Wir wissen, wo diese Tonnen hingehören“, so Koch. Aber er habe nicht das Personal, um stets zu kontrollieren, warum einzelne Restmüll-Tonnen nicht bereitgestellt werden. „Wir machen aber immer wieder Stichproben.“

Kreisumweltdezernent Michael Koch. Quelle: Joachim Wilisch

Ob jemand ein Müllsünder ist, das wäre mit einer Restmülltonne, die nie geleert wurde, noch nicht bewiesen. Richtig ist aber, dass Bürgermeister und Amtsdirektoren dar-über geklagt hatten, dass immer wieder Restmüll in den öffentlichen Abfallbehältern oder der Natur entsorgt werde.

Mülltonnen in allen Farben am Straßenrand. Quelle: Bernd Gartenschläger

Nachdem die Pläne der Kreisverwaltung zur neuen Müllgebührensatzung bekannt wurden, gab es lauten Protest. Es meldeten sich Kreiseinwohner zu Wort, die weniger als 240 Liter Mindestrestmüll haben.

Wer seinen Abfall strikt trenne, der werde bestraft, hieß es. Michael Koch betonte, man könne in Einzelfällen das Thema besprechen. Pauschal bleibt es bei den 240 Litern.

Ausnahme Biotonne

Da rund 45 Prozent der Abfälle in Restmülltonnen organische Abfälle sind, macht der Kreis noch eine Ausnahme. Wenn es in einem Haushalt eine Biotonne gibt, dann fallen nur 120 Liter Mindestrestmüll an. Das sind eine große 120-Liter-Tonne oder zwei 60-Liter-Tonnen.

Das Schlusslicht

Die Aufregung sei zwar groß, räumte der Umweltdezernent ein. Andererseits sei der Landkreis Havelland einer der wenigen Landkreise, in denen es noch keine Mindestleerung für Restmüll gibt.

Ein Ärgernis: Abfallbehälter, in denen Restmüll entsorgt wird. Quelle: Stadt Rathenow

Koch sieht nur einen einzigen Weg, die Mindestleerungen aufzuschieben: „Wir verzichten auf die Gelbe Tonne und bleiben bei den Säcken.“ Koch: „Die ganz überwiegenden Mehrheit der Haushalte stellt die Restmüllbehälter öfter raus, als sie mit der Mindestleerung zahlen müsste. Der Landkreis geht davon aus, dass über 90 Prozent der Haushalte von der Neuregelung zur Entleerungsgebühr nicht betroffen sind.“

Angemessene Erhöhung

Neben der Mindestleerung ist die Erhöhung der Gebühren das zweite Thema. Grund dafür sei die Steigerung der Entsorgungskosten für Sperrmüll, bedingt auch durch die Corona-Situation. Weitere Preissteigerungen ergeben sich durch die Entsorgung aussortierter Abfälle in externen Anlagen und die Deponierung des Rotteproduktes aus der mechanisch-biologischen Behandlung von Abfällen.

Wer eine Biotonne hat, nimmt nur mit 120 Liter Restmüll an der Mindestleerung teil. Quelle: Maz

Die Erhöhung macht fünf Euro pro Person und Jahr aus. In einem Vier-Personen-Haushalt wären es also 20 Euro. Im Kreisausschuss stimmte die große Mehrheit für die Weitergabe der neuen Satzung an den Kreistag.

Von Joachim Wilisch