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Havelland Langjähriger ASB-Kapitän geht von Bord
Lokales Havelland Langjähriger ASB-Kapitän geht von Bord
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17:30 19.04.2018
Mit Geduld zum Erfolg: Ulf Hoffmeyer-Zlotnik. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Falkensee

„Ich falle in kein Loch“, sagt Ulf Hoffmeyer-Zlotnik, „vielleicht gibt es ein paar Momente der Wehmut.“ Der Mann, der in Falkensee ASB-Geschichte geschrieben hat, geht in Rente. Morgen ist offiziell sein letzter Arbeitstag, seine Nachfolgerin – Jutta Kleber – ist schon im Amt.

Ulf Hoffmeyer-Zlotnik, er feierte vor Kurzem seinen 66. Geburtstag, wird Rentner. „Ich mag inzwischen Falkensee, weil ich mich zu Hause fühle“, sagt er, „weil ich hier viele Menschen kenne.“ Menschen haben für ihn immer mehr gezählt als Dinge oder Sehenswürdigkeiten. Das hat seinen Lebensweg geprägt.

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Geboren (schon da mit dem auffälligen Doppelnamen) in Schleswig-Holstein, zogen die Eltern nach Berlin, als er sieben Jahre alt war. Mehrfach umgezogen, lebte er die meiste Zeit in Spandau. Schon früh zog es ihn zur Kinder- und Jugendarbeit in der Kirche, im Jugendverband und er war im Bundesjugendrat aktiv. „Ich bin da reingewachsen“, sagt er heute. Was ihn dann allerdings getrieben hatte, Wirtschaftsingenieur werden zu wollen, weiß er nicht mehr. Aber das: „Über den Bereich Werbepsychologie bin ich zur Psychologie gekommen“, da entdeckte er: „Das liegt mir.“ Dieses Auseinandersetzen mit Menschen, das Psychologische, das Pädagogische.

Politisch engagierte er sich in der SPD, war Abgeordneter in der Spandauer Bezirksverordnetenversammlung. Unvergessen ist für ihn der Mauerfall. „Da saßen wir in einem Bus auf dem Weg zur Klausurtagung in Schleswig-Holstein. Dort angekommen, sahen wir im Fernsehen, was los war, und sind wieder umgedreht“, erzählt er. Am Sonntag drauf saß er im Rathaus und hat Begrüßungsgeld ausgezahlt. Dann die Öffnung der Straße nach Falkensee. Das waren bewegende Momente. Bald überschlugen sich die Ereignisse. Hoffmeyer-Zlotnik war Vorsitzender des Ausschusses zur Integration von West-Staaken nach Spandau. Er gehörte zu denen, die Kontakt zur Jugendhilfearbeit im Kreis Nauen aufnahmen.

„Wir waren im Haus am Anger von Falkensee, haben die Jugendklubs in Ketzin und Paulinenaue besucht“, erinnert er sich an die Anfänge. Im Sommer 1990 hat er ein Ferienlager für Jugendliche aus Spandau, aus der Türkei und aus Wustermark organisiert, durchgeführt in der Jugendherberge von Brieselang. Der ASB übernahm das Kinderheim „Clara Zetkin“ in Falkensee und als dort ein Heimleiter gesucht wurde, bewarb sich Ulf Hoffmeyer-Zlotnik. Das war 1991, einige Jahre später zog er mit seiner Familie nach Falkensee.

Der Namen ist etwas kompliziert: „ASB - gemeinnützige Gesellschaft für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe im Havelland mbH“. Ulf Hoffmeyer-Zlotnik ist Geschäftsführer dieser Gesellschaft, die sich um komplizierte Dinge kümmert. Es geht um Kindeswohlgefährdung. Hier wird Kindern geholfen, deren Eltern gestrauchelt oder gescheitert sind, die selbst Hilfe brauchen. „Die typische Problematik ist die überforderte alleine erziehende Mutter“, sagt Ulf Hoffmeyer-Zlotnik. Aber was ist mit alleinerziehenden Vätern? Auch da haben die Falkenseer ein maßgeschneidertes Betreuungsangebot geschaffen. Elternarbeit ist genauso wichtig wie die Betreuung der Kinder und Jugendlichen. „Die Zahl der psychisch kranken Eltern hat zugenommen“, beschreibt er eine Entwicklung in der Gesellschaft.

Schulverweigerer, eingesperrte, misshandelte Kinder – Ulf Hoffmeyer-Zlotnik hat viele Probleme gesehen und trotzdem seine grundfreundliche Ausstrahlung nicht verloren. Sein ruhiges Naturell half ihm in seiner Arbeit. „Ich hatte immer viel Geduld, konnte zuhören“, sagt er selbst über sich. Manchmal war er zu geduldig, meinen einige, ohne die Leistung von Ulf Hoffmeyer-Zlotnik kleinreden zu wollen. Der ASB führt das Kinderheim, bietet verschiedene Betreuungsangebote an, führt Kindertagesstätten und Jugendklubs. Ein ganzes Netz von Angeboten ist da seit der Wende geknüpft worden. Rund 350 Mitarbeiter sind beschäftigt, am Anfang waren es 48.

Ganz wird sich Ulf Hoffmeyer-Zlotnik nicht aus dem ASB zurückziehen. Die Fahrt zur Leipziger Buchmesse und das Fastenbrechen möchte er gern weiter organisieren und hat auch sonst genug zu tun. Er will die Zeit nutzen, für das, was man mit Hobby umschreibt: Lesen, Mokkatassen sammeln und die handschriftlichen Memoiren seiner Großmutter und seines Vaters sichten.

Von Marlies Schnaibel