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MAZ-Sommerserie "Rekorde im Havelland" Der höchste Berg
Lokales Havelland MAZ-Sommerserie "Rekorde im Havelland" Der höchste Berg
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12:54 04.08.2014
Eine Mischung aus Ikarus und Lilienthal: Ein Kunstwerk ehrt den Flugpionier an der einstigen Absprungstelle. Quelle: Marlies Schnaibel
Havelland

„Ommo.“ „Ommo?“ Der Junge fragt seinen Vater: „Was ist Ommo?“ Der weiß nicht so genau und nuschelt: „Irgendwas mit Fliegen.“ Hätte er Russisch in der Schule gehabt, hätte er die Inschrift lesen können, er wüsste, was aussieht wie unser kleines „m“ ist im Kyrillischen ein „t“. Otto ist gemeint, Otto Lilienthal.

Die Inschrift findet sich auf dem Gollenberg. Das ist mit 110 Metern über dem Meeresspiegel nicht nur der höchste Berg des Havellandes, sondern auch der Berg mit der höchsten Denkmaldichte. Den Ommo-Obelisken hatten die Angehörigen einer sowjetischen Radar einheit aufgestellt, die hier von 1962 bis 1994 stationiert waren. Schon am Fuße des Berges wird auf den Flugpionier Otto Lilienthal hingewiesen, ein buntes Relief stimmt den Besucher auf den Aufstieg ein. Der führt einen verträumten Weg hinauf durch einen lichten Mischwald.

Der Gollenberg - Eine Fotografie von 1920. Quelle: Repro

Auf halber Höhe des Berges das nächste Denkmal. Ein aus Findlingen gemauerter Miniberg liefert die Grundlage für einen Stein, der daran erinnert, dass hier einst Otto Lilienthal flog und stürzte. Die Verehrer haben sich dabei einer pathetischen Sprache bedient: „Es kann Deines Schöpfers Wille nicht sein/Dich Ersten der Schöpfung dem Staube zu weihn./ Dir ewig den Flug zu versagen.“ Gemeint ist der 9. August 1896, als Otto Lilienthal hier niederstürzte und sich so schwer verletzte, dass er am Tag drauf in Potsdam starb.

Der Gollenberg ist somit in die deutsche Fluggeschichte eingegangen. Nicht seine Größe und seine geologische Formation bewegen die Gemüter, sondern seine Verbindung zu Otto Lilienthal. Vor einhundert Jahren war der Berg nahezu kahl, heute ist er fast komplett bewaldet; er wäre es ganz, würde nicht der Nordhang offen gehalten werden. Von der Kuppe des Berges ergeht so der Blick Richtung Nordwesten, weit ins Havelländer Land. Er geht über Weiden mit grasenden Kühen, über Häuserdächer bis zu den Windrädern am Horizont. Der Wind stößt auf den Hang und geht nach oben, eine Tatsache die Otto Lilienthal sich zunutze gemacht hatte. Hier hatte er seine Flugversuche unternommen. Bis zu dem Todesflug vom 9. August 1896.

Kleine und große Flugobjekte am Gollenberg: Der Schachbrettfalter und eine IL 62, die heute „Lady Agnes“ heißt. Quelle: Marlies Schnaibel

Und obwohl es ein Ort des Sterbens ist, ist es heute ein heiterer Ort. Ruhig, sauber liegt der Berg da. In der Sonne tummeln sich besonders schöne Flugobjekte. Schwalbenschwänze, die schwarz-gelb gestreiften Schmetterlinge, flattern umher. Schachbrettfalter landen auf den Distelblüten. Hin und wieder erklimmen Besucher den Berg.

Das Heitere des Ortes liegt auch an dem Denkmal am höchsten Punkt des Havellandes. Nichts Martialisches, nichts Heroisches. Der Berliner Bildhauer Ernst Baumeister hatte es geschaffen, 2007 wurde es auf dem Gollenberg aufgestellt. Auf einem säulenartigen Sockel steht ein schmaler Körper, an den Armen flügelartige Schwungfedern. Wie eine Mischung aus Ikarus und Lilienthal mutet die Figur an, wie auf dem Sprung in die Havelländer Weite. Lilienthal war damals bis zu 250 Meter weit geflogen, von 1893 bis 1896 hatte er in Stölln immer wieder versucht, das Geheimnis des Fliegens zu erkunden. Den Grundstein dazu hatte er als Junge in Anklam gelegt, als er stundenlang Vögel beobachtet hat. Die gebogenen Flügel der Störche und Möwen hatten ihm das Wesen des Fliegens verraten, das Prinzip des Auftriebs. In Stölln wollte er selbst fliegen.

Reinhard Mey hat diesen Berg und Lilienthals Fliegen bedichtet und besungen. Mit dem Lied „Über den Wolken“ hatte er seinen größten Hit, weniger berühmt wurde das Lied „Lilienthals Traum“, das er 1996 auf die CD „Leuchtfeuer“ gepresst hatte.

Kleine und große Flugobjekte am Gollenberg: Der Schachbrettfalter und eine IL 62, die heute „Lady Agnes“ heißt. Quelle: Marlies Schnaibel

Dass Lilienthals Traum in Erfüllung ging,weiß heute jedes Kind. Aber besonders sinnfällig wird das in Stölln. Dort steht gewissermaßen mitten auf dem Acker ein großes Flugzeug. Die Stöllner kennen die Geschichte. Sie ist nach Lilienthal die zweite Sensation des Ortes. Als nämlich vor 25 Jahren Menschen mit Visionen hier eine IL 62 hinstellten. Die Standardmaschine der Interflug landete am 25. Oktober 1989 auf dem Feld. Mitten in den Wendewirren wurde ein Vorhaben umgesetzt, das mehr als ein Jahr vorbereitet worden war. Heinz-Dieter Kallbach flog mit drei Mann Besatzung das ausrangierte Flugzeug von Schönefeld nach Stölln. Ihm brachte es einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde für die Landung eines Langstreckenjets auf einer kurzen Grasbahn.

Am Westhang des Gollenbergs steht das Flugzeug seitdem, ist Museum und Standesamt. Und wer sich in das Innere des Flugzeuges begibt, der wird seine Freude haben. Wer will, kann im Cockpit wieder ein bisschen russisch üben und „AHTEHHA“ als Antenne entschlüsseln. Wer mag, kann im lesenswerten Gästebuch blättern, wo Besucher aus Kalifornien und Venezuela ebenso schwärmen wie die Rentner aus Berlin und die Steppkes der Kita „Jenny Marx“. Und unbedingt sollte er den Film sehen, der von den Ereignissen vor 25 Jahren berichtet, als das 53 Meter lange Flugzeug auf dem Stöllner Feld landete. Das war wagemutig, visionär, risikoreich – lilienthalmäßig eben.

Hoch hinaus

Die MAZ stellt in ihrer Sommerserie Rekorde im Havelland vor. Zu lesen waren schon „Das tiefste Loch“, „Die älteste Feuerwehr“, „Das höchste Gebäude“, „Die ältste Kirche“ und „Der dickste Baum“.
Unumstritten der höchste Berg des Havellandes ist der Gollenberg bei Stölln.
Andere Erhebungen sind die Rhinower Berge mit 98 Metern, die Hitzberge in der Döberitzer Heide mit 90 Metern, der Vieritzer Berg bei Milow mit 85 Metern und der Große Berg bei Gräningen mit 81 Metern. Die Falkenseer Alpen bringen es auf 50 Meter.

Von Marlies Schnaibel

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